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29. Oktober 2013

Frankfurt, Cannabis, THC Pharm: Cannabis "Plantage" in Frankfurt

Dronabinol-Herstellung nach höchstem Standard bei THC Pharm in Oberrad.  Foto: Andreas Arnold

Die Firma THC Pharm in Oberrad stellt medizinisches Cannabis her. Bis zu 5000 Patienten pro Jahr profitierten von der Substanz. Das Team in Oberrad ist überzeugt davon, dass es mit seinem Produkt noch viel mehr Menschen helfen könnte.

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Die Situation wirkt unwirklich. In einem kleinen Hinterhaus in Frankfurt-Oberrad werden Medikamente für Schwerstkranke hergestellt. Kein Pharmariese betreibt die unscheinbare Produktionsstätte am Rande von Frankfurt, sondern ein 13-köpfiges Unternehmen, dessen Wurzeln in einer Patienteninitiative liegen: THC Pharm heißt die Firma, die dazu angetreten ist, eine gut dosierbare Alternative zu der unkontrollierten und illegalen medizinischen Verwendung von Cannabis anzubieten.

Bis zu 5000 Patienten pro Jahr profitierten von der Substanz, sagt der 51-jährige Holger Rönitz, der mit drei Freunden vor 17 Jahren damit begann, die Herstellung des Wirkstoffs Dronabinol (THC) zu erforschen. Den Anstoß dazu hatte Mitbegründer Joachim Hartinger gegeben, der nach einem Unfall querschnittsgelähmt ist und den Wirkstoff gegen seine Spastik nimmt.

Krankenkasse übernimmt die Kosten

Erst ließen sich die Pharmapioniere THC-arme Hanfpflanzen von Bauern liefern und verarbeiteten diese weiter. Inzwischen beziehen sie den Rohstoff Cannabidol aus Großbritannien. In drei Reinigungsphasen und einem aufwendigen Verfahren gewinnen die Experten daraus einen Extrakt, den sie an Apotheken liefern. Die stellen daraus ein individuelles und auf den jeweiligen Bedarf angepasstes Arzneimittel in drei Applikationsformen her: als Öl, als Kapsel und neuerdings auch zum Inhalieren, weil dabei die Wirkung besonders schnell einsetzt. Dronabinol ist eine verschreibungspflichtige sogenannte Rezepturarznei.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nach Einzelfallprüfung, Rönitz schätzt, das passiere in etwa 40 Prozent der Fälle. Es gibt Kranke, die zur Behandlung ihrer Symptome seit Jahren kiffen, sagt Rönitz. Die andere Patientengruppe seien die Kunden von THC Pharma. „Das sind Schwerstkranke, die oft weniger mobil sind und eine gut zu dosierende, qualitativ hochwertige und den Anforderungen des Arzneimittelrechtes genügende Zubereitung benötigen.“ Viele hätten eine jahrelange Leidensgeschichte hinter sich, in der sie diverse Medikamente ausprobiert hätten, diese aber entweder nicht vertrugen oder die nicht wirkten.

Abhängigkeitspotenzial gering

Die Uniklinik Homburg/Saar setzte Dronabinol auch bei schwerstmehrfachbehinderten Kindern und jungen Tumorpatienten ein. Auch in der Palliativmedizin, bei Multipler Sklerose, dem Tourette-Syndrom, neurologischen Erkrankungen oder schwerer Epilepsie gebe es teilweise gute Erfahrungen. Dronabinol kommt in der Schmerztherapie zum Einsatz, bei Demenz, Muskelspastiken oder Übelkeit durch Chemotherapie. Als mögliche Nebenwirkungen nennt der Hersteller Mundtrockenheit, gerötete Augen, Herzrasen, Blutdruckabfall. Stimmungsaufhellend sei das Medikament kaum, das Abhängigkeitspotenzial so gering, dass es kaum Bedeutung habe.

Das Team in Oberrad ist überzeugt davon, dass es mit seinem Produkt noch viel mehr Menschen helfen könnte. Doch dazu müsse zunächst der medizinische Nutzen von THC endlich entstigmatisiert werden, fordert Rönitz. Die Pharmariesen dürften wenig Interesse daran haben, denn viel Geld verdienen lässt sich damit nicht. Weil Dronabinol kein Fertig-Arzneimittel ist, lässt es sich nicht patentrechtlich schützen. THC Pharma schreibt schwarze Zahlen, auch weil inzwischen Industrie, Landeskriminalamt oder auch das Frankfurter Drogenreferat die Erfahrung der Experten nutzen. jur

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