Das Apfelweingeschäft ist auch nicht mehr das, was es einmal war. „Einfach die Tür aufsperren, und die Gäste strömen herein, das geht nicht mehr“, sagt Frank Skuric von der Sachsenhäuser Traditionsgaststätte „Zum Eichkatzerl“. Die jungen Kunden müssten heutzutage erst „langsam an den Apfelwein gewöhnt werden“. So sieht es auch die Vereinigung der Apfelweinwirte. Der Verein hat sich deshalb mit Hilfe einer PR-Firma die „Frankfurter Apfelweintour“ einfallen lassen, die an diesem Wochenende zum zweiten Mal ausgerichtet wird.
Oma Rink im Nordend:
Nach wie vor weht nicht nur durch das Nordend der Geist einer Frau, die vor elf Jahren das Zeitliche segnete, aber nach wie vor unvergessen ist - und die Frankfurt wie keine andere verkörperte. Lulu Schwarz war ausweislich der Chronik die erste Frankfurterin, die einen Führerschein hatte. Den bekam sie 1933. Doch daran erinnern sich die wenigsten - wie überhaupt die meisten Lulu Schwarz unter ihrem Alias- und Mädchennamen kennen, nämlich als Oma Rink. 1954 hatte die Oma die legendäre Kneipe in der Passage zwischen Sand- und Musikantenweg übernommen, die ihre Eltern 1912 gekauft hatten - und machte sie zu einer Institution, an der kein anständiger Frankfurter vorbeikam. Oma Rink hatte das Herz auf dem rechten Fleck, aber wehe, man fiel bei ihr in Ungnade - der Zorn der Oma war fürchterlich.
Wem sie aber gnädig war, der fand bei ihr eine Heimstatt und ergötzte sich an den ewigen Soleiern auf der Theke sowie an der Bundesliga-Stecktabelle an der nikotinsatten Tapete. 1991 überfiel ein Dreckskerl die Oma in ihrem eigenen Haus. Sie hat sich nie wirklich davon erholt, ging kurz darauf in Rente und starb 2001. Aber vergessen ist sie nicht. Zumindest der Name der Nachfolger-Kneipe " Oma Rinks Sterntaler" erinnerte an sie - doch auch diese Kneipe gibt es nicht mehr. Und mancher behauptet, dass man, wenn man genau hinhört, in Vollmondnächten die Oma über das Rauchverbot meckern hört. (skb)
Nachtrag: Die letzten Betreiber haben die Traditionsadresse aufgeben müssen und sind in die Berger Straße 86 gezogen, wo sie das "Rinks" jetzt machen und "Gewohntes mal anders" anbieten.
Foto: FRFOTODie Frankfurter Apfelweintour bietet Apfelweinneulingen und alten Hasen am Samstag, 22., und Sonntag, 23. September, Gelegenheit, zu einer Schoppentour durch Frankfurt und Umgebung mit buntem Unterhaltungsprogramm und Gewinnspielen.
Die Teilnehmer:
Zum Eichkatzerl, Dreieichstraße 29: Samstag ab 16 Uhr Livemusik mit Brezel-Werner sowie Kinderbetreuung, Sonntag ab 16 Uhr Livemusik mit She Bang.
Homburger Hof, Engelthalerstraße 13: Samstag und Sonntag, ganztägig kostenfreies „Bembel-Kegeln“.
Zum Lemp, Berkersheimer Obergasse 12: Samstag und Sonntag, spezielle Lemp-Grillplatte.
Zum Lahmen Esel, Krautgartenweg 1: Samstag und Sonntag, Freiluft-Kegelbahn.
Gasthaus Zum Löwen, Alt-Sossenheim 74: Samstag, spezielles Drei-Gänge-Apfelwein-Menü; Sonntag: Livemusik von 18 Uhr bis 21 Uhr mit Rockin Ron.
Gasthaus Rudolph, Alt-Niederhofheim 30, Liederbach: Samstag, Glücksrad mit der Frankfurter Apfelweinkönigin und der Wehrheimer Apfelblütenkönigin, Sonntag ab 18 Uhr Konzert von Rainer Weisbecker.
Apfelwein Föhl, Marktplatz 1, Neu-Isenburg: Samstag: Livemusik am Abend, Sonntag ab 14 Uhr „Ein Bembel voll Spaß“ mit dem Mund-Art-Theater Thorsten Wszolek.
Die Tour sei eine Art „Tag der offenen Tür“, bei dem die Apfelweinwirtschaften ihren Gästen ein besonderes Programm böten, erklärt Skuric. Im „Eichkatzerl“ etwa gibt es Livemusik, ein Apfelweinrätsel mit Gewinnverlosung, eine Bembel-Lotterie, und im Hof wird gegrillt. Während die Erwachsenen feiern, kümmern sich zwei Mitarbeiterinnen der AWO um die Betreuung der Kinder. Andere Wirtschaften locken mit speziellen Menüs, Auftritten der Apfelweinkönigin oder Kegelsport.
Für alle, die partout keinen Ebbel-wei trinken möchten, wird im „Eichkatzerl“ sogar ausnahmsweise frisch gezapftes Bier ausgeschenkt, und das Trend-Getränk Apfel-Secco steht erstmalig zum Probierpreis von einem Euro auf der Karte.
Die Zeiten, in denen grantige Kellner ihrer Kundschaft noch kategorisch die Limo im Schoppen verboten hätten, seien nämlich ebenfalls vorbei, sagt Skuric, der neben seiner Ausbildung zum Gastronomen eine spezielle Schulung zum Apfelweinwirt durchlaufen hat.
Die „Frankfurter Apfelweintour“ ist auch eine Schnitzeljagd. Für jeden Besuch in einer der sieben teilnehmenden Wirtschaften gibt es einen Stempel. Gäste, die drei Stempel zusammen haben, können einen Hotelaufenthalt oder ein typisch hessisches Abendessen gewinnen.
Wer sich auf die Rundreise einlässt, bekommt Gelegenheit zu kosten, wie das Stöffche außerhalb der Stadtgrenze bei „Apfelwein Föhl“ in Neu-Isenburg oder im „Gasthaus Rudolph“ in Liederbach schmeckt. In Frankfurt wiederum stehen neben Sachsenhausen die Schoppen-Stadtteile Sossenheim, Enkheim, Berkersheim und Niederursel auf dem Programm.
„Es wird schwer, das alles abzuklappern“, vermutet Skuric. Ursprünglich habe man einen Shuttle-Service für die Gäste einrichten wollen. Bei insgesamt nur sieben Stationen lohne sich der Aufwand jedoch nicht.
Das Interesse der Apfelweinwirte an gemeinsamen Marketing-Aktivitäten habe in den letzten Jahren stark nachgelassen, sagt Skuric: „Früher, als alle noch selbst gekeltert haben, war das anders.“ Auch das „Eichkatzerl“ sei bei der ersten „Frankfurter Apfelweintour“ im letzten Jahr noch nicht dabei gewesen: „Diesmal wollten wir aber mit gutem Beispiel vorangehen.“
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