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Frankfurt
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28. Oktober 2012

Frankfurt Marathon 2012: Gewusel in der Innenstadt

 Von Katja Sturm
16.000 Läufer und 450.000 Zuschauer sorgen für Trubel auf Frankfurts Straßen.  Foto: Chris Hartung

Beim Marathon gibt es trotz Kälte mit 16.000 Läufern und Läuferinnen einen neuen Teilnehmerrekord. 450.000 Zuschauer feuern die Läufer nach ersten Schätzungen an. Ein Teilnehmer muss nach Herzproblemen reanimiert werden.

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Im Gewusel rund um den Start des 31. Frankfurter Marathon hatten Simone und Alexandra doch noch ein ruhiges Plätzchen gefunden. In einem der Treppenaufgänge der Festhalle hockten die beiden Stuttgarterinnen und malten die vorgedruckten Plakate fertig, die Alexandras Mutter Andi und den ebenfalls mitlaufenden Bekannten Roland bei ihrem Debüt auf der 42,195 Kilometer langen Strecke durch die unbekannte Stadt zum Weitermachen motivieren sollten. „Quäl dich!“ oder „Umdreh’n wär’ jetzt blöd“ stand da zu lesen – ein Spruch für jede Runde um den Opernplatz. Denn dort, in der City, wo auch diesmal wieder die größte Straßenparty des Wochenendes war, wollte der kleine Fanklub sich platzieren. „Wir kennen uns ja nicht so gut aus in der Stadt“, erklärte Simone den naheliegenden Standort.

Freundin Andi lehnte derweil an der Wand genoss noch ein wenig die Wärme unterm Dach. Denn draußen, das war nach den Vorhersagen der vergangenen Tage ebenso klar wie der neue Teilnehmerrekord von etwa 16.000, würden sie und die anderen es mit fast winterlichen Temperaturen zu tun haben. Entsprechend drehte sich in der Vorbereitung viel um die passende Kleidung. Mützen, Handschuhe, Armlinge und Schals um den Mund, die die Lungen vor der kalten Luft abschirmen sollten, prägten das Bild der eisigen Vorstartphase. Und wer nicht wie die Profis in kurzen Hosen joggen wollte, wickelte sich in der Wartezeit zumindest in eine vor Unterkühlung schützende Rettungsdecke.

Die Stadt sah Sportdezernent Markus Frank, mollig warm gekleidet, dagegen im Fieber. „Wir wollen einen neuen Weltrekord sehen“, forderte der Startschussgeber, der seine Pflicht erstmals dreimal hintereinander, im Zehnminutentakt, erfüllen musste. Denn aufgrund der bislang höchsten Läuferzahl beim ältesten Stadtmarathon Deutschlands wurde in Etappen losgerannt. Auf der Strecke taten sich dennoch bisweilen minutenlang keine Lücken auf, die groß genug waren, um ohne Risiko die Straßen zu überqueren. Und in das Feld zusammenschiebenden Kurven, hinter denen keine Fans am Streckenrand vermutet werden durften, nutzten die Läufer die Abkürzung über den Bordstein.

450.000 an der Strecke

An den Haupt-Hotspots, wie Frank die fast 100 kleinen und größeren Straßenfeste am Wegesrand gerne bezeichnet, fehlte dazu allerdings der Platz. Mehr als 450.000 Zuschauer, so erste Schätzungen, begleiteten das Ereignis in der City und den Stadtteilen mit Klatschen, Rufen, Klingeln, Musik. Oder einfach auch nur fröstelnd in der Gegend herumstehend. Immerhin verschaffte die Sonne, die größere Teile der Strecke in helles Licht tauchte, am späteren Vormittag Sportlern wie Fans ein angenehmeres Gefühl.

Wärmere Getränke blieben trotzdem der Hit. Die zehn Liter Glühwein etwa, die die Goldsteiner Schlippcher für ihren Stand bei Kilometer 20 kurzfristig zusammengebraut hatten, waren schon eineinhalb Stunden nach dem Start ausgeschenkt. „Wir werden jetzt auf die Schnelle versuchen, noch neuen zu besorgen“, erklärte der Vereinsvorsitzende Reinhard Pöhl.
Andere hatten selbst vorgesorgt. Gerda aus der Nähe von Baden-Baden war mit einer Thermoskanne Tee und einem isolierten Sitzkissen angereist, um beim Warten auf ihren Mann Thomas nicht einzufrieren. Doch die Bedingungen am Main erwiesen sich als besser als erwartet: „Bei uns liegen schon ein paar Zentimeter Schnee“, erzählte die 43-Jährige. Doch auch ohne das weiße Extra hatte mancher genügend zu kämpfen, selbst der am Ende siegreiche Weltrekordler Patrick Makau aus Kenia, der nach Oberschenkelproblemen in 2:06:08 Stunden klar an der angestrebten neuen Bestzeit von unter 2:03:38 vorbeilief. Die schnellste Frau, Meselech Melkamu aus Äthiopien, sorgte immerhin in 2:21:01 für das drittbeste Marathon-Debüt einer Läuferin in der bisherigen Historie und Streckenrekord in Frankfurt. Aber vielen waren vor allem auf den ersten Kilometern die Beine zu schnell hart geworden, und sie fanden spät oder gar nicht in den Rhythmus.

Dramatischer Zwischenfall in der Fressgass'

Einen dramatischen Zwischenfall gab es kurz vor dem Ziel, bei Kilometer 40, in der Fressgass’. Dort musste ein Teilnehmer nach Herzproblemen reanimiert werden und wurde anschließend mit dem Rettungswagen ins Heilig-Geist-Krankenhaus gebracht.

In der Festhalle bescherten die Zuschauer den Finishern erneut ein Gänsehaut-Erlebnis. Das, so Renndirektor Jo Schindler, werte den Marathon nunmehr seit 2003 auf, nachdem er damals „auf dem absteigenden Ast“ gewesen sei. „Das sorgte für den Turnaround“, erklärte Schindler, der trotz des verpassten Rekordes „eine Veranstaltung auf Weltniveau“ verzeichnete. Gemeinsam mit Titelsponsor BMW sammle er auch schon Ideen, wie es für das Event und den Laufsport insgesamt in der Zukunft weitergehen könnte.

Die meisten von denen, die es bis zum angepeilten Ende schafften, waren aber auch so schon glücklich. Christian etwa, der mehrere Minuten unter der angepeilten Zeit von 3:10 Stunden geblieben war. „Es war sehr angenehm zu laufen“, erklärte der Debütant aus Lorsch, dem vor allem die Sonnenstrahlen gut getan hatten. Auch Andi dürfte zufrieden gewesen sein. Den Plan, in Frankfurt erstmals die große Herausforderung Marathon anzunehmen, hatte sie gefasst, „weil es hier nicht so warm ist“.

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