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04. August 2014

Frankfurt Nahostkonflikt: Bruch im Rat der Religionen

 Von 
Solidaritätsdemo für Israel in Frankfurt.  Foto: Peter Jülich

Die Jüdische Gemeinde verlässt den Frankfurter Rat der Religionen wegen Äußerungen zum Nahostkonflikt. Der Vorsitzende der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen hatte das militärischen Vorgehen Israels im Gazastreifen auf seiner Facebook-Seite scharf angegriffen.

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Frankfurt –  

Wegen umstrittener Äußerungen von Vertretern der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) zum Nahostkonflikt verlässt die Jüdische Gemeinde den Frankfurter Rat der Religionen. Wie der Vorstand der Gemeinde am Montag mitteilte, habe man sich dazu „nach reiflicher Überlegung“ entschlossen. „Im Moment sehen wir keine Chance, im Rat der Religionen zu verbleiben“, sagte Leo Latasch, der Sozialdezernent der Gemeinde, der Frankfurter Rundschau.

„Staatsterrorismus“ vorgeworfen

Hintergrund des Bruchs mit dem 2009 gegründeten Rat, dem bisher 23 Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften angehören, sind unter anderem Äußerungen des IRH-Vorsitzenden Ramazan Kuruyüz. Kuruyüz hatte die israelische Regierung wegen ihres militärischen Vorgehens im Gazastreifen auf seiner Facebook-Seite scharf angegriffen und ihr dabei „Staatsterrorismus“ vorgeworfen. „Israel kennt kein Recht. Israel kennt nur Gewalt, Macht und Töten von unschuldigen und waffenlosen Menschen“, hatte Kuruyüz geschrieben.

Bereits am Freitag hatte die Jüdische Gemeinde angekündigt, ihre Mitgliedschaft im Rat der Religionen wegen dieser und anderer Äußerungen, auch von einem Ratsmitglied aus der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), ruhen zu lassen, und vom Rat eine „klare Positionierung“ gefordert.

Rat der Religionen lehnte eine Positionierung ab

Am Sonntag hatte Khushwant Singh, der Vorsitzende des Rates, der Gemeinde einen Brief geschrieben und den Vorstand gebeten, seine Entscheidung zu überdenken. Der Rat sehe seine Aufgabe darin, „die verschiedenen Perspektiven in einen Dialog zu bringen“, er könne sich nicht „zu Gunsten nur einer Seite in dem Konflikt positionieren“.

Das Gremium

Der Rat der Religionen Frankfurt ist ein 2009 gegründeter Verein, der sich für interreligiösen Dialog sowie für Toleranz und Respekt zwischen den Glaubensrichtungen in der Stadt einsetzt. Ihm gehören 23 Vertreter unter anderen der christlichen Kirchen, der Jüdischen Gemeinde, muslimischer Verbände sowie Gemeinden von Hinduisten, Buddhisten und Sikhs an.

Mit Stellungnahmen hat der Rat sich in letzter Zeit etwa zu religiösem Fundamentalismus, zur Bedrohung durch Neonazis oder zu ethischen Standards in der Seelsorge geäußert. Außerdem berät der Rat städtische Behörden in religiösen und kulturellen Fragen. han

Singh betont in seinem Schreiben, dass es dem Rat der Religionen auch während der aktuellen Eskalation im Nahen Osten bisher stets gelungen sei, „eine Polarisierung der verschiedenen Positionen zu vermeiden“. Nach den antisemitischen Übergriffen der letzten Wochen in Frankfurt habe man intern vertrauensvoll und konstruktiv diskutiert. Man wolle weiter über alle Streitigkeiten verhandeln, könne aber nicht jeden Facebook-Eintrag der Ratsmitglieder kommentieren.

Distanzierung von "Gewaltpolitik"

Wie Leo Latasch der FR sagte, habe dieser Brief bei der Jüdischen Gemeinde ein „gewisses Erstaunen hervorgerufen“. Man habe den Eindruck, der Rat wolle sich nicht positionieren und reagiere mit Abwiegelung. Die Tür für den Dialog stehe bei der Gemeinde weiter offen, sagte Latasch – der Rat müsse nun aber erst einmal ohne die jüdischen Vertreter klären, wie er mit dem entstandenen Konflikt umgehe.

Ramazan Kuruyüz hatte bereits am Samstag zu den Vorwürfen mitgeteilt, die IRH lehne „die Instrumentalisierung des wichtigen gesellschaftlichen Problems Antisemitismus als ein Ablenkungsmanöver von Kriegsverbrechen der israelischen Regierung“ ab. Selbstverständlich stehe er gegen jeden Judenhass, das habe er auch bei einer Kundgebung vor zehn Tagen auf dem Römerberg deutlich gemacht, so Kuruyüz. Die IRH fordere jedoch etwa den Zentralrat der Juden in Deutschland auf, sich von „der unverhältnismäßigen Gewaltpolitik der israelischen Regierung in Gaza“ zu distanzieren, anstatt „ständig als Sprachrohr der israelischen Regierung zu agieren“.

Mehr dazu

Die Türkische Gemeinde Hessen hat dem Landesverband der Jüdischen Gemeinde unterdessen ihre Solidarität gegen jeden Antisemitismus versichert. „Hass und Gewalt gegen hier lebende Juden – aus welchem Grund auch immer – werden von uns kategorisch abgelehnt“, sagte ihr Vorsitzender Erhan Songün.

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