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26. Oktober 2012

Frankfurt Neubaugebiet Europaviertel: 1,09 Euro Stundenlohn

 Von Lukas Gedziorowski
Um den Lohn ihrer Arbeit geprellt.  Foto: Martin Weis

Rumänische Bauarbeiter im Europaviertel protestieren gegen Ausbeutung. Ihren Monatslohn von 1200 Euro haben sie noch nie gesehen. Der DGB spricht von "Menschenhandel".

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Es soll das „schönste Quartier im Europaviertel“ werden: das Parkend. „Mitten in Frankfurt. Weit weg vom Mittelmaß“, heißt es auf der Internetseite des Projekts. Jedes der 18 Wohnhäuser trägt einen anderen Namen, eines davon ist „Nygards Park“. Auf dem Schild vor der Baustelle werden „exklusive Gartenwohnungen“ angepriesen, während im Hintergrund die Bauarbeiter werkeln. Am Freitagmorgen sind neun von ihnen nicht zur Arbeit erschienen, sondern haben eine Mahnwache vor der Baustelle gehalten. Es waren Rumänen, die ihren ausstehenden Lohn forderten. Unterstützt wurde die Aktion von der IG BAU, dem Verein Mobifair und der DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“.

Nach Angaben der Arbeiter ist ihnen ein Monatslohn von 1200 Euro versprochen worden, dazu 300 Euro Verpflegungsgeld. Die Transportkosten und die Unterkünfte sollten vom Arbeitgeber übernommen werden. Doch kam es anders: Pro Woche hätte jeder von ihnen 50 Euro für Lebensmittel erhalten. Nach einem Monat Arbeit, vom 17. September bis 20. Oktober, gab es 1500 Euro – einen Betrag, den sich 13 Personen teilen sollten. Zusammen mit allen Leistungen ergebe das einen Stundenlohn von 1,09 Euro.

Widerwillig ausgezahlt

Die Begründung: Nun sollte nicht die vereinbarte Pauschale gelten, sondern die geleistete Arbeit. In diesem Fall handelte es sich um Isolierungsarbeiten, für die ein Betrag pro Quadratmeter berechnet wurde. Die Kosten für die Unterkunft und den täglichen Transport zur Arbeit sollten von den Männern getragen werden.

Das Geld soll man ihnen nur widerwillig ausgezahlt haben, weil die Arbeiter zuvor die Arbeit eingestellt hatten. Außerdem sei die Bedingung gestellt worden, dass sieben von ihnen zurück an die Arbeit gingen, sonst sollten sie aus ihrer Wohnung geworfen werden. Die Männer ließen sich darauf ein. Zwei Tage später, am 24. Oktober, erzählten sie ihre Geschichte Mihai Balan von der DGB-Beratungsstelle „Faire Mobilität“. Er spricht von „Menschenhandel“ und „Scheinselbstständigkeit“.

Drohungen gegen Familien

Angeheuert wurden die Arbeiter den Angaben nach in Rumänien über Mundpropaganda. Über Mittelsmänner seien Anreise, Arbeit und Unterkunft organisiert worden. Von einem Subunternehmer des Subunternehmers seien sie dazu gebracht worden, ein Gewerbe anzumelden, ohne dass er ihnen gesagt habe, worum es sich handelte. Arbeitsverträge seien nie unterschrieben worden. Die Rumänen hätten sechs Tage die Woche gearbeitet, an einigen Tagen auch auf einer Baustelle in Karlsruhe, meistens zehn Stunden täglich, manchmal 13 Stunden. Samstags seien es acht Stunden ohne Mittagspause gewesen. Die 13 Arbeiter teilen sich eine Drei-Zimmer-Wohnung in Dietzenbach. Zuvor seien sie in einer Werkshalle in Dielheim (Rhein-Neckar-Kreis) untergebracht gewesen, wo etwa 50 Mann auf dem Boden geschlafen und sich eine Toilette geteilt hätten. Da es nur wenige Fahrzeuge für den Transport gab, seien sie oft erst gegen Mitternacht in der Unterkunft angekommen.

Die IG BAU hat sowohl vom Generalunternehmer als auch von den Subunternehmern pro Person eine Vorauszahlung von 1000 bis 1500 Euro auf den Gesamtanspruch gefordert. Sollte keiner der Forderung nachkommen, wolle die Gewerkschaft klagen, so Balan. Da die Bauarbeiter mittellos sind, versorgte sie die IG BAU am Freitag mit Lebensmitteln. Der Generalunternehmer war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Den Arbeitern zufolge hat einer der Vermittler gedroht, er wisse, wo ihre Familien lebten.

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