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22. August 2014

Frankfurt-Rödelheim: Die Synagoge sichtbar machen

 Von Sonja Thelen
Die Synagoge von außen auf einer Zeichnung von Paul Schubert aus den 20er Jahren.  Foto: Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim

Der Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim will das Mahnmal am Inselgäßchen erweitern. Er möchte die Grundzüge des jüdischen Gotteshauses sichtbar machen. Sie wurde 1938 geschändet und 1944 bei einem Bombenangriff zerstört.

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Ein Fußweg führt von der Insel hinein in den Grünstreifen in Richtung Rödelheimer Wehr. Vorne säumen ein paar Wohnhäuser das „Inselgäßchen“. Auf der weiter hinter liegenden, mit Bäumen bewachsenen Wiese erhebt sich ein Denkmal: Ein schlanker Steinblock auf dem sich eine Gruppe Menschen zusammendrängt. Ebenfalls aus Stein gehauen. Es erinnert an die Rödelheimer Synagoge, die einst hier stand.

Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Rödelheim möchte noch einen Schritt weiter gehen und zumindest die Grundzüge des jüdischen Gotteshauses sichtbar machen. Geplant ist, die Grundfläche der Synagoge mit Steinplatten zu belegen. Der darüber quer verlaufende Fußweg wird dann an der Stelle von dem sakralen Raum unterbrochen.

Mit dem Projekt möchte der Verein „an die lebendige jüdische Gemeinde in Rödelheim erinnern“, erläutert Bernhard Reichel, Vorsitzender des HGV. Über viele Jahrhunderte stellten die jüdischen Einwohner einen wesentlichen Teil der Bevölkerung. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten gut 300 Juden in Rödelheim. Das entsprach einem Drittel der Menschen im Ort.

So könnte die geplante Gedenkstätte aussehen.  Foto: Heimat- und Geschichtsverein Rödelheim

Ein Grund hierfür war das liberale Klima in Rödelheim – bedingt durch die tolerante Haltung der Grafen von Solms-Rödelheim, „die schon früh beispielsweise den Judenleibzoll aufgehoben hatten, sodass sich viele Juden in Rödelheim niederließen“, berichtet der Historiker. An der Grenze zum Brentanopark lag das Judenviertel. Hinweise auf eine jüdische Schule und eine erste Synagoge stammen bereits aus dem 18. Jahrhundert. Als die alte Synagoge baufällig wurde, wich sie einem Neubau, der 1838 geweiht wurde.

Allerdings haben die aktuellen Recherchen des Geschichtsvereins über die Rödelheimer Synagoge ergeben, dass sie nicht, wie bislang angenommen, während der „Reichspogromnacht“ von 9. auf 10. November 1938 zerstört worden ist. Vielmehr wurde das Gotteshaus im Innern „geschändet“ und verwüstet.

„Wir haben hierzu mit einer früheren Nachbarstochter gesprochen“, sagt Reichel. Die Frau war Tochter des Tankstellenbesitzers, der in unmittelbarer Nähe sein Benzinlager hatte. „Sie versicherte glaubhaft, dass aus Angst vor einer möglichen Explosion die Synagoge nicht angezündet worden ist.“ Zudem habe sie erzählt, dass sie noch Weihnachten 1943 ihre Geschenke auf der Empore in der Synagoge versteckt habe, berichtet Reichel.

Bei einem Bombenangriff 1944 sei die Synagoge dann aber doch zerstört worden. Die Ruine haben die Rödelheimer in den 1950er Jahren abgebrochen. Engagierte Bürger und die beiden Rödelheimer Kirchengemeinden setzten sich 1979 für die Errichtung des Mahnmals ein, an dem seither jedes Jahr anlässlich der Reichspogromnacht eine Gedenkfeier abgehalten wird. Wie sich einst der sakrale Raum darstellte, will der Heimat- und Geschichtsverein mit den Steinplatten darstellen.

Das Mahnmal im Rödelheimer Brentanopark.  Foto: Rolf Oeser

Betonquader sollen das Ensemble gliedern. Dort können sich Besucher und Wandersleute auch einfach hinsetzen. An der Stelle, wo früher der Thora-Schrein stand, soll eine Tafel über die Synagoge und die Geschichte der Juden in Rödelheim informieren. Unweit von dieser Stelle soll auch das Mahnmal verbleiben.

Schon seit Jahren verfolgt der Heimat- und Geschichtsverein die Idee, die Rödelheimer Synagoge sichtbar machen. Bernhard Reichel ist optimistisch, das 32.000 Euro teure Projekt realisieren zu können. „Wir sind mit dem Kulturamt und dem Grünflächenamt im Gespräch.“ Ein „Türöffner“ sei insbesondere die Unterstützung durch den Ortsbeirat 7 gewesen, der das Vorhaben aus seinem Budget mit 10 000 Euro fördern möchte. Das hatte das Stadtteilgremium in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause beschlossen.

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