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05. November 2013

Frankfurt Sexualstraftäter: Lynchjustiz im Internet

 Von 
Das Phantombild des Täters.  Foto: Polizei

Die Fahndung nach einem Serienvergewaltiger gebiert einen virtuellen Lynch-Mob auf Facebook. Bereits mehr als 9800 Usern gefällt die Lynchjustizseite, der Polizei gefällt das eher nicht. Sie hält sich zurück und kann mit den eingegangenen Hinweisen nichts anfangen.

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"Da geht schon ein wenig die Angst um", sagt Polizeisprecher Manfred Füllhardt. Und meint damit die Angst der Menschen vor dem mutmaßlichen verhinderten Serienvergewaltiger, der nach wie vor auf freiem Fuß ist. In der Tat macht vieles an dem Fall Angst. Am meisten das Internet.

Sechs versuchte Vergewaltigungen werden dem Unbekannten vorgeworfen, alle mehr oder weniger nahe am Main. In allen Fällen scheiterten die Verbrechen am Widerstand der Opfer – oder an der glücklichen Tatsache, dass Passanten den Mann vertrieben.

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Die Menschen haben Angst. Und beinahe zögerlich spricht Füllhardt von den "sozialen Netzwerken", die diese Angst aufgreifen. Das ist noch freundlich ausgedrückt. Unter dem nicht bloß orthographisch bedenklichen Titel „Auf der Jagt nach dem Vergewaltiger“ hat sich auf Facebook eine regelrechte Lynchjustizseite etabliert. 9816 Usern gefiel das, zumindest am späten Dienstagnachmittag.

Polizei und Staatsanwaltschaft gefällt das eher nicht, sie halten sich angesichts dieser Entwicklung mit Kommentaren vornehm zurück. Es sei "eine Flut von Hinweisen eingegangen – leider nicht der Hinweis, den wir uns erhofft haben", sagt Füllhardt. Studiert man die Facebook-Seite, dann ahnt man, was er meint.

Virtueller Lynch-Mob

Phantasien über das Abschneiden von Köpfen und anderen Körperteilen sind noch das Harmloseste. Es werden Bilder vermeintlich Verdächtiger hochgeladen, deren einziges nachweisbares Vergehen darin besteht, wie der Gesuchte kein üppiges Haupthaar zu haben. Verdächtige Autokennzeichen werden gepostet, ohne dass sie einen erkennbaren Zusammenhang mit den Taten stehen.

Die sechs aktenkundigen versuchten Vergewaltigungen der vergangenen Wochen geben in der Tat Grund zur Sorge. In allen Fällen ging der Täter mit äußerster Brutalität vor. Dass es lediglich beim Versuch blieb, kann man nur als Glück bezeichnen. Doch ruhiger wird die Lage durch den virtuellen Lynch-Mob nicht. Im Gegenteil.

Selbst auf der Facebook-Seite mehren sich mittlerweile die Stimmen, die fordern, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen. Den Beweis, dass nicht sämtliche Besucher dort den Verstand verloren haben, liefert ein Kommentator: "Eine ganze Armada von Haupt- und Sonderschülern geht auf Facebook auf Verbrecherjagd. Süß. Ich möchte aber mal ganz dezent darauf hinweisen, dass auf dieser Seite bereits mehr Straftaten begangen wurden, als dieser mutmaßliche Vergewaltiger je begehen könnte."

Ein emotionsloser Fahndungsaufruf findet sich im Netz unter www.presseportal.de/polizeipresse/pm/4970. Die Meldung stammt vom 29. Oktober.

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