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24. März 2016

Frankfurt-Westend: Plötzlich mussten sie das Haus verlassen

 Von 
Andrea Janssen vor dem IG Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Uni.  Foto: Peter Jülich

Große Teile des Holzhausenviertels wurden kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs zum Sperrgebiet der US-Armee. Viele Bewohner mussten für mehrere Jahre ihre Wohnungen verlassen. Stadtteilhistorikerin Andrea Janssen erforscht die Schicksale der Betroffenen.

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Das Sperrgebiet reichte vom Oeder Weg bis an den Palmengarten und vom Dornbusch bis zur Wolfsgangstraße. Es war 1945, kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Die US-amerikanische Militärregierung hatte das IG Farben-Haus auf dem heutigen Uni-Gelände zu ihrem Hauptquartier erklärt und große Teile des Holzhausenviertels besetzt. Viele Bewohner wurden kurzerhand aus ihren Häusern ausgewiesen und ein Zaun um das Sperrgebiet gezogen. Mehr als 3700 Wohnungen waren betroffen. Nur das Nötigste durften die Menschen mitnehmen und mussten zusehen, dass sie bei Freunden oder Verwandten unterkamen.

Aus einem Räumungsbefehl der US-Streitkräfte, der an die Haustüren geheftet wurde, zitiert Stadtteilhistorikerin Andrea Janssen frei: „Das gesamte Haus muss bis auf die Minute genau geräumt sein und es ist nicht gestattet, das Haus danach noch einmal zu betreten“. Lediglich Nahrungsmittel, Küchengerät und Bettwäsche durften mitgenommen, Möbel nicht im Keller gelagert werden, und die Schlüssel mussten in den Türen verbleiben.

„Durchschnittlich hatten die Bewohner zwei bis fünf Stunden Zeit ihre Häuser zu verlassen“, berichtet Janssen. Die 52-Jährige interessiert sich für die Schicksale der Westend-Bewohner, die so abrupt ihr altes Leben aufgeben mussten und forscht über diese Schicksale als Stadtteilhistorikerin der Stiftung Polytechnische Gesellschaft. Die Stiftung unterstützt ihr Projekt mit einem 18 Monate langen Ehrenamtsstipendium, mit Rat und finanzieller Aufwandsentschädigung.

„Die Großmutter meiner Schwiegermutter hat in einem der Häuser im Holzhausenviertel gewohnt“, berichtet Janssen, Tochter eines US-amerikanischen Soldaten, der mit seiner Familie 1975 von Gießen nach Frankfurt gezogen war. So sei sie auf das Thema aufmerksam geworden.

Buch soll Ende des Jahres erscheinen

Zu Beginn ihres Projekts habe sich die Innenarchitektin gefragt, wie lange das Wohngebiet für die alten Bewohner gesperrt gewesen sei. Das kann sie heute beantworten: Bis zum 20. Juni 1948. In diesen Tagen der Währungsreform wurde der Zaun aus NATO-Stacheldraht abgebaut, der die Frankfurter drei Jahre lang große Umwege gekostet hatte. Zahlreiche Bewohner konnten aber erst viel später in ihre Wohnungen zurück. „Die Beschlagnahmung hat länger gedauert als das Sperrgebiet“, sagt Janssen. So erhielten die Diakonissen, eine evangelische Schwesterngemeinschaft, die im Holzhausenviertel ein Krankenhaus betrieben, erst 15 Jahre nach Kriegsende ihr Gebäude zurück. „Das ging vielen so, weil sich in manchen Häusern amerikanische Verwaltungsstellen, wie ein Kraftfahrzeug- und Zulassungsbüro, oder etwa eine Zahnklinik befand.“ Letzteres war bei den Diakonissen der Fall.

Einige Gebäude wurden weiter von US-amerikanischen Soldaten und ihren Familien bewohnt, ehe an anderen Orten im Stadtgebiet Wohnsiedlungen für Armee-Bedienstete und ihre Angehörigen entstanden, etwa die „Housing Areas“ in der Hügel- und der Platenstraße. In Frankfurt, als zentral gelegener Stadt in Deutschland und Europa, habe es neun Sperrgebiete des US-amerikanischen Militärs gegeben. Das Gebiet im Holzhausenviertel sei das größte gewesen, sagt Janssen.

Für Ende dieses Jahres plant die Stadtteilforscherin ein Buch über das Sperrgebiet der US-Armee im Holzhausenviertel zwischen 1945 und 1948 zu veröffentlichen. Darin enthalten sind Zeitzeugenberichte und ein historischer Exkurs.

Wer Andrea Janssen bei ihrer Forschung unterstützen oder weitere Informationen erhalten möchte, erreicht sie per Telefon 95 62 21 85 oder E-Mail: andrea-janssen@t-online.de.

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