Ein Wahrzeichen der Stadt Frankfurt, mit dem viele Menschen persönliche Erinnerungen verbinden, verschwindet. Der Henninger Turm in Sachsenhausen, am 18. Mai 1961 eingeweiht und viele Jahre Ausflugsziel, wird abgerissen. An seiner Stelle entsteht ein 130 Meter hohes Wohnhochhaus mit luxuriösen Eigentumswohnungen, dessen Gestalt an den alten Turm erinnert. An der Spitze des Hochhauses soll in einem fassähnlichen Aufbau wieder ein Restaurant entstehen.
Das Frankfurter Architekturbüro Meixner-Schlüter-Wendt gewann das Auswahlverfahren, zu dem neun Teams eingeladen worden waren. Der spektakuläre Wohnturm, dessen Fassade begrünt wird, ist der erste Schritt hin zu einem neuen Stadtteil auf dem ehemaligen Gelände der Henninger-Brauerei am Hainer Weg. Die Milliardärs-Familie Hopp will innerhalb der nächsten sechs Jahre bis zu 300 Millionen Euro investieren, wie der Projektentwickler Daniel Hopp im Gespräch mit der FR sagte.
Laut Hopp entstehen 800 Wohnungen in einer Mischung aus Miet-Unterkünften und Eigentum. Rund um einen Stadtplatz werden außerdem 4000 Quadratmeter für Einzelhandel, ein Fitnesszentrum und Restaurants bebaut. Doch an diesem Tag konzentriert sich alles auf die Zukunft des Henninger Turms, der mit einer Höhe von 118,5 Meter bis zum Jahre 1974 das höchste Gebäude Frankfurts war. Über Generationen kamen Menschen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet in das Drehrestaurant an seiner Spitze – „um einen Tanznachmittag zu erleben, Konfirmationen oder Goldene Hochzeiten zu feiern“, wie der Leiter des Stadtplanungsamtes, Dieter von Lüpke, sagt. „Der Henninger Turm war ein Symbol des Aufbruchs im kriegszerstörten Frankfurt.“
Das Wahrzeichen des Stadtteils Sachsenhausen, der Henninger Turm, war mal das höchste Gebäude in der Stadt...
Foto: Andreas ArnoldDer Turm stand einst auch für die traditionsreiche Brauerei Henninger, die vor einem Jahrzehnt endgültig unterging. Bundesweit bekannt wurde das Gebäude, das eigentlich ein Getreidesilo für den Braubetrieb barg, durch das Profi-Radrennen, das seinen Namen trug. Doch 2002 musste der Turm geschlossen werden: Mit nur einem Fluchttreppenhaus hielt er den strengeren Brandschutzvorschriften nicht mehr stand.
Seitdem rangen Kommunalpolitik, Projektentwickler und Architekten um die Zukunft des Turms. Das Gelände gehört seit 1998 einer Investorengruppe um den Milliardär Dietmar Hopp, den Vater von Daniel Hopp. „Es wäre unsinnig gewesen, das bestehende Gebäude umzubauen“, sagt Zvonko Turkali, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Architekten und Vorsitzender des Preisgerichts.
„Ich war skeptisch, ob es gelingen würde, die positiven Werte des Henninger Turms auf das neue Wohnhochhaus zu übertragen, doch ich bin sehr froh über dieses Ergebnis“, so Turkali. Endlich entstehe in Frankfurt wieder ein moderner Wohnturm, „nachdem diese Häuser in Deutschland in Misskredit geraten sind durch die Wohnsiedlungen der 60er und 70er Jahre“. Wer im künftigen Turm leben will, muss nach den Worten von Projektentwickler Dieter Pfaff mit einem Quadratmeterpreis von 4000 Euro für die Eigentumswohnungen rechnen.
Wenn ein Frankfurter Stadtteil eine Nationalhymne vorweisen kann, dann Sachsenhausen: Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hat e Beul am Ei, ob's vom Rauscher, ob's vom Alte kimmt, des klärt die Bolizei. 1929 ursprünglich als knackiges Lied für die Fastnacht erdacht, avanciertes es zum Gassenhauer - und so bekam Fraa Rauscher 1961 auch ein Denkmal mit Brunnen. Aber Vorsicht, die Frau spukt in unregelmäßigen Abständen Wasser aus den stoisch geschürzten Lippen. Vielleicht ärgert sie sich aber einfach nur über die Entwicklung in ihrem Ebbelwei-Viertel, denn...
Foto: Andreas Arnold
60 Prozent der Wohnungen sollen 100 Quadratmeter groß oder größer sein. Der Wohnturm wird durch ein Parkhaus mit 580 Stellplätzen von der nahen Binding-Brauerei abgeschirmt. Im öffentlichen Innenhof des Hochhaus-Sockels will man einen „Baumhain“ pflanzen. „Es wäre toll, wenn in einem Jahr die Bagger rollen könnten“, sagt Hopp zum Baubeginn.
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