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Frankfurts Stadthaus: Kämpfen gegen den Rotstift

        

Niveauunterschied: links die Schirn, in der Mitte der Archäologische Garten mit  bis zu 2000 Jahre alten Mauern.  Ringsum  soll ein Altstadt-Ensemble entstehen.  Der Übergang  ist die Frage.
Niveauunterschied: links die Schirn, in der Mitte der Archäologische Garten mit bis zu 2000 Jahre alten Mauern. Ringsum soll ein Altstadt-Ensemble entstehen. Der Übergang ist die Frage.
Foto: Alex Kraus

Der Geschäftsführer der Dom Römer GmbH erklärt den Verzicht auf das Stadthaus zu einer "Katastrophe" und will das Altstadtprojekt durchforsten, um zu sehen, ob man an anderer Stelle 20 Millionen einsparen kann - wegen Kostenexplosion.

Die „kälteresistenten Mitkämpfer“ der Bürgerinitiative gegen das „Stadthaus am Dom“ haben am Samstagabend im Archäologischen Garten „eine Art Wiedergeburtsfeier“ abgehalten. Seit durch die Sparpläne im Römer der Bau des Stadthauses gerade aufgeschoben worden ist, sehen sie die freie Sicht auf den Domturm nunmehr gerettet. „Altstadt – okay, Stadthaus – nee“ endete die Einladung. Es folgt der befreite Abschiedsgruß der Gruppe „SOS Dompanorama“: „helau“.

Michael Guntersdorf dagegen, der Geschäftsführer der Altstadt-Bauherrin Dom Römer GmbH, „steht vollkommen im Regen“, wie er am Montag sagte. Ohne das Stadthaus, einen „zwingend notwendigen Funktionsbau“, der sich aus mehreren Gebäudeteilen zuammensetzt, „bekommen wir wahnsinnige Planungsprobleme“.

Hier wird der Rotstift angesetzt

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Stadthaus soll kein "Prunksaal" sein

Mögen diese Gebäude über dem Ausgrabungsfeld aus der Gründungsgeschichte der Stadt in der Diskussion um die Altstadt für viele nur leere Hüllen geblieben sein, die keiner braucht – tatsächlich soll(te) das Stadthaus mit Technik und Infrastruktur vollgepackt werden. Etwa die Anlagen zur Erschließung der Tiefgarage Römer, das Treppenhaus zur U-Bahn, ein Behindertenaufzug sowie Zu- und Abluftschächte will man dort einpassen. Außerdem eine Küche, Warenlager und Toiletten. Alles das, was nicht so recht ins zurückgewünschte Erscheinungsbild eines Mittelalters passt.

Lauter Zwangsläufigkeiten, für die ohne das Stadthaus ein neuer Platz, womöglich am Rand der schmucken neu-alten Gassen, gefunden werden müsste. „Es ist keineswegs so“, sagt Architekt Guntersdorf, „dass man sich hier einen Prunksaal bauen will.“

Nun stehen dem Kopf der Dom RömerGmbH bereits „riesige Gitterroste, etwa für die Zuluft“ im Kopfsteinpflaster vor dem geistigen Auge. Ein Graus ist die Vorstellung für alle Beteiligten am Projekt des Unternehmens, die im Einklang mit dem Gestaltungsbeirat und einer Gestaltungssatzung dem städtischen Auftrag nachgehen, im geplanten Altstadt-Ensemble alles so originalgetreu wie möglich und passend zu machen. Sollten all die Anlagen, weil das Stadthaus gestrichen ist, anderswo verteilt werden müssen, und sei es in der Tiefgarage, käme das außerdem “erheblich teurer“.

"Flurschaden" über die Grenzen der Stadt hinaus

Stadthaus/Altstadt

Am 23. Januar 2012 hat Oberbürgermeisterin Petra Roth den Grundstein zur sogenannten neuen Altstadt gelegt. Es waren hunderte Gäste ins Zelt über dem Archäologischen Garten gekommen.

Der Grundsatzbeschluss zu dem Projekt am Platz des abgebrochenen Technischen Rathauses war 2007 gefasst worden. 2009 hat die neue Dom Römer GmbH einen europaweiten Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Den Wettbewerb zur Integration und Überbauung des Archäologischen Gartens mit einem „Stadthaus“-Ensemble hat das Frankfurter Büro Meurerer Architekten gewonnen.

Michael Guntersdorf ist ja meist die Ruhe selbst. Hier aber scheut er sich nicht, von „einer Katastrophe“ zu sprechen. Er meint das durchaus auch politisch: „Wenn die Sparkommission gewollt hätte, hätte sie diese ganzen Informationen haben können.“ Deren Beschlüsse zur Altstadt wirkten jetzt „wie ein Stein im Wasser, der immer wieder weitere Kreise zieht“. Schon meldeten sich Interessenten für ein Altstadt-Haus, die („Wir zahlen weniger“) versuchten, den Preis zu drücken. Auch „Anrufe von potenziellen Käufern“ seien im Büro eingegangen, die wissen wollten: „Was genau kaufen wir da?“

Wird das Stadthaus verschoben oder gar nicht gebaut? Wieso ist die Rede von 20 Millionen Euro Ersparnis, wenn die Kosten bereits auf 16 Millionen Euro runtergerechnet wurden, von denen man „sieben bis acht Millionen Euro auf jeden Fall in die Hand nehmen muss“, wie es aus den Kreisen der Altstadtplaner heißt? Weil ja auch Außenanlagen und allerlei andere Notwendigkeiten mit eingerechnet sind. Für Guntersdorf ist „ein Flurschaden“ angerichtet worden. Sogar über die Grenzen von Frankfurt hinaus, wo „die beispielhafte Verbindung von Alt und Neu“, die die Stadt da entwickle, gelobt werde.

Pappkameraden - die neue Frankfurter Altstadt

Bildergalerie ( 48 Bilder )

20 Millionen an anderer Stelle streichen

Unter Projekten aus aller Welt sei genau dieses mit einem Preis der „Amexcon International Stiftung“ ausgezeichnet und gefördert worden – mit einem besonderen Lob für das „museumsdidaktische Konzept des Archäologischen Gartens“, der ja in das Stadthaus integriert werden soll(te). Ohne diese in einem Wettbewerb ausgesuchte Überbauung der Ausgrabungsstätte, kündigt Guntersdorf an, müsse man auch da „bei null anfangen“ und für den Garten erneut einen Wettbewerb ausloben.

Solange das Stadtparlament aber noch nichts beschlossen hat, werde er „dem Architekten nicht kündigen“, sondern „weiterarbeiten“. Zunächst aber bietet der Altstadt-Entwickler den Parteien Gespräche an, „um die auf den Stand zu bringen“. Er will das Altstadtprojekt "durchforsten", um zu sehen, ob man die Summe von 20 Millionen Euro anderswo rausstreichen kann. Vielleicht „durch Verzicht auf Details“, wie er sagt.

Der Architekt Jochem Jourdan sieht in der Streichung des Stadthauses kein grundsätzliches Problem für die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt.

Autor:  Claudia Michels
Datum:  13 | 2 | 2012
Kommentare:  2
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