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Frankfurt
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27. September 2012

Frauenfriedensgemeinde: Pfarrer mit tiefgründigem Humor

 Von 
Seit 60 Jahren Priester: Lothar Zenetti.  Foto: Björn Hadem

Lothar Zenetti ist seit 60 Jahren Priester. Sein diamantenes Priesterjubiläum ist Anlass für ein großes Fest in der Bockenheimer Frauenfriedensgemeinde. Zenetti ist nicht nur Geistlicher, sondern auch Texter kirchlicher Lieder und Mundartdichter.

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Lothar Zenetti ist seit 60 Jahren Priester. Sein diamantenes Priesterjubiläum ist Anlass für ein großes Fest in der Bockenheimer Frauenfriedensgemeinde. Zenetti ist nicht nur Geistlicher, sondern auch Texter kirchlicher Lieder und Mundartdichter.

Nicht jeder wird es glauben – aber die katholische Kirche im Bistum Limburg, dort wo die Basis gerade heftig über den autoritären Führungsstil ihrer Spitze klagt, kannte auch mal fröhliche Zeiten. So fröhlich, dass sie damals sogar einen Preis für „Humor in der Kirche“ verliehen hat, zusammen mit den protestantischen Mitchristen. Das ist lange her, etwa 30 Jahre.

Der Preis ist längst vergessen, aber einer seiner Preisträger wird jetzt wieder gefeiert: Lothar Zenetti, Pfarrer, Texter kirchlicher Lieder und Mundartdichter. Er begeht am Freitag, 28. September, sein diamantenes Priesterjubiläum, und in seiner Bockenheimer Heimatgemeinde Frauenfrieden dürfte das wieder ein großes Zenetti-Fest werden.

Heiteres, weltoffenes Priesterleben

Ei horsche se mal! Sogar Liesel Christ war offenbar sein Fan. Jahrelang, erinnert man sich im Bockenheimer Gemeindebüro, hat die Frankfurter Volksschauspielerin am ersten Weihnachtstag in der Liebfrauenkirche die „Weihnachtsgeschicht’ uff Frankforderisch verzeelt“ vorgetragen. Autor: Zenetti. „Das war damals statt Gottesdienst“, berichtet eine Augenzeugin wehmütig. Undenkbar heute, so was. Regelrechte Lesereisen durch die Stadtteile habe der priesterliche Jubilar seinerzeit gemacht mit seinen Mundarttexten. „Da hat jeder Turnverein mal angefragt.“

Ein heiteres, weltoffenes Priesterleben ist das gewesen. Aber auch ein tiefernstes. Denn es beginnt mit der Kriegsgefangenschaft des 19-Jährigen in Frankreich. Da entscheidet sich Zenetti unter dem Eindruck der Gewalt, Geistlicher zu werden. Er studiert Theologie in der Hochschule St. Georgen, entdeckt seine Liebe zum Jazz, reist mit dem Frankfurter Jazz-Posaunisten Albert Mangelsdorff zu großen Jazzfestivals in den USA.

Von da bringt er die Idee zu lebendigeren, zwanglosen Gottesdiensten mit. In den 60ern, als Stadtjugendpfarrer, ist er mittendrin dabei, als die Aufbruchstimmung der 68er auch die Christen erfasst. „Alles wurde hinterfragt“, wird er sich später daran erinnern.

Gemeindearbeit „war das Schönste“.

Neue Formen des Gemeindelebens werden damals gesucht und eingefordert, Gottesdienste auf Deutsch und nicht mehr auf Latein gefeiert. Seine Texte helfen dabei. Zenetti wird zum Geburtshelfer des „neuen geistlichen Liedes“, das heute in Gesangbüchern beider Konfessionen zu finden ist.

Fast 30 Jahre lang, bis 1995, ist Zenetti dann Gemeindepfarrer in St. Wendel in Sachsenhausen und daneben bis in die 80er hinein katholischer Rundfunkbeauftragter beim HR. Er spricht im Radio, betreut kirchliche Sendungen, tritt beim „Wort zum Sonntag“ im Fernsehen auf. Die kirchliche Gemeindearbeit aber, hat er der FR vor zehn Jahren gesagt, „war immer das Schönste“.

Gedichtet hat Zenetti immer – Anrührendes, unaufdringlich Frommes, auch Aufmüpfiges. Es fand seinen Weg auf Postkarten, in Kalender und in unzählige Bücher.

Den ein oder anderen Text haben ganz unkirchliche Liedermacher wie Konstantin Wecker und Hannes Wader übernommen und so bekanntgemacht. Da Lothar Zenetti inzwischen aus Altersgründen keine Interviews mehr gibt, soll wenigstens eines seiner Werke hier stehen: „Was keiner wagt, das sollt ihr wagen/Was keiner sagt, das sagt heraus,/was keiner denkt, das wagt zu denken,/ was keiner anfängt, das führt aus.“

Das dürfte für manchen ziemlich aktuell klingen, in diesen Zeiten im Bistum Limburg.

Die Feier des diamantenen Priesterjubiläums beginnt am Freitag, 28. September, um 17 Uhr in der Gemeinde Frauenfrieden, Zeppelinallee 101. Dort ist noch bis zum 4. Oktober der von Lothar Zenetti in seiner Kriegsgefangenschaft gemalte Kreuzweg zu sehen.

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