Großeinsatz auf der A648, doch nichts Tragisches ist passiert. Die Sperrung der stadtauswärts führenden Fahrbahn steht ganz im Zeichen des Zweirads. Ein gutes Dutzend Streifenwagen und junge Polizisten mit Irokesen-Haarschnitt geleiten die Radler, die am Römerberg gestartet sind, durch den Theatertunnel zum Hauptbahnhof und nun über die Theodor-Heuss-Allee auf die Autobahn. Während „Arbeit nervt“ von der Band Deichkind aus den Boxen eines Fahrradbastlers dröhnt, passiert der Zweirad-Tross den Straßenstrich. Von dort geht es weiter zum Opelrondell, auf den nahe gelegenen ADAC-Verkehrsübungsplatz.
Alle sind da: Rennräder, selbst gebaute Chopper, Citybikes, Mountainbikes, Singlespeeds und auch BMX-Räder. Derart viele sind es, dass der Theatertunnel auf seiner gesamten Strecke vor Rädern regelrecht überquillt. Hier, in der Nähe des Rebstockbades, dürften es eher noch mehr sein. Organisator Werner Buthe schätzt, dass etwa 2000 Radler seinem Aufruf zur zweiten Bike-Night gefolgt sind. Das sind zwar etwas weniger, als die bis zu 5000 erhofften Fahrradfahrer, dafür aber, dass leichter Nieselregen die Fahrbahn besprenkelt, ist es nicht schlecht.
„Frankfurts Straßen gehören heute euch allen“, hatte Buthe auf dem Römerberg zuvor die Fahrradfahrer auf das in dieser Größenordnung bisher einmalige Event eingestimmt. Während es in Berlin bereits seit Jahrzehnten einmal im Jahr „Freie Fahrt für Radler“ heißt, findet die Bike-Night in Frankfurt erst zum zweiten Mal statt.
„Aber der ADFC, nicht zu verwechseln mit dem ADAC, wird sein Bestes geben, damit es nicht dabei bleibt“, verkündet Buthe seinen Zuhörern und deutet auf das Logo der Autofahrerlobby. Unter dem Motto „Frieden halten untereinander“ hatte Buthe, engagiertes Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), gemeinsam mit Volkmar Gerstein, Landesvorsitzender des ADFC Hessen und dem Frankfurter Verkehrsdezernenten Stefan Majer zur Fahrraddemo am Samstagabend durch Frankfurt aufgerufen.
Durch den Theater-Tunnel
Immerhin 2000 Frankfurter wollten es sich nicht entgehen lassen, einmal wirklich freie Fahrt durch die City zu haben. Von 20.30 Uhr bis 23 Uhr machte die Polizei den Radlern den Weg frei. Kein Auto, keine Straßenbahn konnte die Radler zum Anhalten zwingen. „Für uns alle war das wohl eine Premiere: Erst durch den Theatertunnel und dann über die Autobahn – das gab es für Radler in Frankfurt noch nie“, zeigte sich Majer begeistert. „Als wir durch den Tunnel gefahren sind, musste ich mich zwicken.“
Gleichwohl stand die Aktion im Zeichen des Miteinanders im Straßenverkehr. An alle Teilnehmer war schon auf dem Römerberg eine „Fahrkarte“ genannte Broschüre ausgeteilt worden. „Ich bitte euch diese Fahrkarte auf euren Nachttisch zu legen und eine Woche lang jeden Abend an heute zurückzudenken. Wenn ihr euch eine Woche lang im Gedenken an den heutigen Tag, im Verkehr etwas zurücknehmt und auch mal jemandem die Vorfahrt überlasst, dann bin ich glücklich“, verkündete Buthe pathetisch. Ganz zufällig befindet sich in dieser Broschüre auch ein ADFC-Mitgliedsantrag.
Ob der Fahrradfahrerverband seine Mitgliederzahl mit dieser Aktion vergrößern kann, wird sich zeigen. Die Bike-Night jedenfalls rief positive Reaktionen hervor. „Ich hab von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen. Dann hab ich sofort meiner Freundin Bescheid gesagt, mir ein Fahrrad geliehen und los ging's“, erzählt Jan Kuligowski am Ende der Fahrt an der Eissporthalle.
„Es hat einfach Spaß gemacht mit vielen Menschen zusammen Fahrrad zu fahren“, finden die Fahrradfreaks Arne, Tillmann und René. Sie alle freuen sich schon auf die nächste Bike-Night in Frankfurt.

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