Es ist dreckig, es ist laut und Rollstuhlfahrer haben nur eingeschränkten Zugang. Bei der Deutschen Bahn, der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), Fahrgästen, Anwohnerinnen und Anwohnern rund um die Galluswarte brodelt es. Die Verantwortung aber möchte keiner so recht übernehmen.
Taubenkot säumt den Weg von der Straßenbahnhaltestelle zur S-Bahnstation Galluswarte und verdreckt den kopfsteingepflasterten Bereich um die Bushaltestellen Haus Gallus und Galluswarte. Die Eisenbahnbrücke ist eine Art Stammplatz für viele Tauben geworden. „Es ist fast kaum zu glauben, dass in unmittelbarer Umgebung Obst und Gemüse verkauft werden“, sagt Stephan Deusinger vom zuständigen Ortsbeirat 1. Noch unter der Brücke befindet sich dort regelmäßig ein Verkaufsstand mit frischen Waren. Es sei einfach peinlich, dass an den zwei am stärksten frequentierten Bushaltestellen diese Zustände herrschten.
Die Galluswarte wurde 1414 neben der Berger Warte, der Bockenheimer Warte, der Friedberger Warte und der Sachsenhäuser Warte als Wartturm der Frankfurter Landwehr errichtet. Der Name geht auf das Galgenfeld zurück.
Der S-Bahnhof Galluswarte eröffnete am 28. Mai 1978. Er liegt östlich des Wartturms zwischen Mainzer Landstraße und Frankenallee, und ist Haltestelle der S-Bahnlinien S3, S4 und S5. Die S-Bahnstation Galluswarte ist heute ein wichtiger Verkehrsknoten. Täglich steigen Zehntausende ein, aus oder um.
Unter der Bahnbrücke besteht Anschluss an das Frankfurter Straßenbahnnetz mit den Linien 11 und 21.
Nach der Sanierung der einstigen Stadtbefestigung im Jahr 2010 soll jetzt in Zusammenarbeit mit Institutionen vor Ort ein Konzept für die Umgebung, speziell die platzähnlichen Flächen entwickelt werden.
Für die Reinigung fühlt sich niemand zuständig
„Das ist nicht unsere Sache“, sagt ein Sprecher der Deutschen Bahn. „Reinigung liegt im Bereich der VGF.“ Sven Rack, Fachbereichsleiter Haltestellen und Facility-Manager bei der VGF, lacht. „Die tun mal wieder so, als sei das nur unser Zuständigkeitsbereich.“ Im Prinzip stimme es, dass die Bus- und Straßenbahnhaltestellen sowie Bürgersteige und der betroffene Platz zur VGF gehören. Aber das Problem, die Tauben, säßen ja auf der Eisenbahnbrücke und somit auf dem Gelände der Deutschen Bahn.
Rack will keine Erbsen zählen. Es geht darum, dass langfristig nur etwas unternommen werden kann, wenn die Tauben direkt bekämpft werden. „Durch Metallspitzen oder elektronische Abwehr.“ Auf der Brücke der Deutschen Bahn. Alles, was die VGF tun könne, wäre, öfters reinigen. „Ich kann gerne den Reinigungsturnus an Straßenbahn- und Bushaltestellen verkürzen“, sagt Rack.
Für Fahrgäste jeden Tag ein Greuel, für die, die nahe der Galluswarte wohnen, gibt es dieser Tage noch mehr Ungemach: Die von den Anwohnern zwischen Hufnagel- und Günderrodestraße lang ersehnte Lärmschutzmauer endet exakt vor der Mainzer Landstraße Nummer 234. Alle Anfragen der Hausbewohner nach den Gründen für die abrupte Unterbrechung an die Deutsche Bahn blieben unbeantwortet. Der FR gab das Unternehmen Auskunft. „Die Lärmschutzwand war von Nöten, weil entlang der Strecke ein Stück neues Gleis gelegt werden soll“, so ein Sprecher. Dies sei bei Neubauten im Rahmen des Emissionsschutzes gesetzlich vorgeschrieben. „Die 234 liegt nicht mehr in diesem Bereich.“ Keine Neubaumaßnahme – keine Lärmschutzmaßnahme. Bei der Frage nach Nachbesserung verwies man auf die Wirtschaftlichkeit. „Wir sind zum Sparen verpflichtet, auch im Sinne der Steuerzahler.“
Rolltreppen sind für Kinderwagen zu eng
Auch die nicht vorhandene Barrierefreiheit wird kritisiert. „Für Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, ist die S-Bahnstation nicht oder nur äußerst beschwerlich nutzbar“, sagt Andreas Laeuen von der Grünen-Fraktion im Ortsbeirat. Die Rolltreppen am nördlichen Ausgang zur Frankenallee seien zudem schon für Kinderwagen zu eng.
„Wir bauen das so gut es die Örtlichkeiten erlauben barrierefrei aus“, sagt ein Sprecher der Bahn. Im Rahmen des Ausbaus der Main-Weser-Bahn auf vier Gleise. Zwischen Frankfurt West und Friedberg teilen sich S-Bahn, Regionalverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr momentan die zwei Gleise der Weser-Bahn. Das Vorhaben sei allerdings erst in der Planungsphase, so die Deutsche Bahn. Seit mehreren Jahren klagen Bürgerinitiativen, unter anderem aus Eschersheim, gegen den Ausbau. Sie halten das teure Projekt für unnötig. Vor allem gefürchtet wird der Lärm.
Aller drei Probleme nimmt sich der Ortsbeirat 1 jetzt an. In der kommenden Sitzung wird die Lage an der Galluswarte debattiert. Bürgerinnen und Bürger können während der Bürgerfragestunde ihre Einwände vortragen.
Der Ortsbeirat 1, zuständig für Altstadt, Bahnhof, Europaviertel, Gallus, Gutleut, Innenstadt, tagt am kommenden Dienstag, 25. Oktober, um 19 Uhr im Ordnungsamt (Sitzungssaal), Kleyerstraße 86.

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