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08. August 2013

Gastronomie : Bembel-Boot ausgebremst

 Von 
Gastronom Jörg Schurig auf seinem Boot. Dass er noch in diesem Jahr Äppler verkauft, glaubt er nicht.  Foto: Monika Müller

Für ihr "Bembel-Boot" hatten zwei Gastronomen schon eine Genehmigung vom Wasser-und Schiffahrtsamt, doch dann bremst eine andere Frankfurter Behörde sie aus. Jetzt wollen die Unternehmer mit Unterschriften Druck aufbauen.

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Es hätte ihr Sommer werden können. Wenn Jörg Schurig über das Wetter in den vergangenen Wochen nachdenkt, ist da nur zum Teil Freude. Denn eigentlich wollten er und sein Partner auf seinem Bembelboot an der Weseler Werft in der Nähe der Europäischen Zentralbank Frankfurter Spezialitäten verkaufen. Doch die Stadt hat das Anlegen untersagt.

Vor fünf Jahren hatte Jörg Schurig, einst Gastronom des Restaurants Zum Alden Germane in Alt-Sachsenhausen, die Idee für ein Boot, von dem aus Apfelwein, Handkäs, Grüne Soße, selbstgemachte Bratwurst, Cocktails auf Apfelweinbasis, Bier und Softdrinks verkauft werden. Vor zwei Jahren kaufte er mit seinem Partner Thomas Fehl das Boot. Rund 35 000 Euro investierten sie, unterstützt vom Getränkelieferanten K+K und von Possmann.

Die beiden Männer erhielten eine Genehmigung vom Wasser und Schifffahrtsamt Aschaffenburg (WSA), sofern das Boot nachts wieder zu seinem Liegeplatz im Westhafen gebracht würde, sagen sie. Dass sie auch eine Genehmigung vom Grünflächenamt brauchen, darauf kamen die beiden nicht – immerhin ist die geplante Anlegestelle asphaltiert, so Schurig. Doch das WSA habe darauf hingewiesen und zudem, so der Leiter des Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, sei durch den Briefwechsel nicht von einem Einverständnis auszugehen gewesen. Als Schurig und Fehl im Februar anfragten, erhielten sie eine Absage. Zum einen gebe es dort genug Gastronomie – das Café Oosten und das Literaturcafé –, zum anderen dienten die Grünflächen der Erholung der Bürger.

Fehl und Schurig legten Widerspruch ein. „Wir wollen keine Riesenparty, wir wollen gemütliches Publikum, das sich seine Bratwurst und seinen Äppler holen kann, das wars“, sagt Schurig. Die beiden erhielten erneut eine Absage, der Fall landete beim Widerspruchsausschuss.

Für den Widerspruch sollen die Geschädigten auch noch zahlen

Schurig und Fehl argumentieren, dass das Café Oosten und das Literaturcafé nicht in unmittelbarer Nachbarschaft lägen und die Preise eher hochklassig seien. Dem widerspricht Heldmann: Das Café Oosten baue gerade ein niedrigpreisiges Segment in einem Container auf. Das Grünflächenamt befürchtet, dass sich Müll ansammelt, obwohl Schurig Bratwurst mit nur einer Serviette und Grüne Soße und Handkäs in essbaren Schalen servieren will. Außerdem bot er an, die Patenschaft für eine Rasenpflege zu übernehmen. Heldmann dagegen befürchtet, dass die Anwohner gestört werden könnten. „Wir haben an der Stelle an 36 Tagen im Jahr Veranstaltungen, mehr ist nicht zumutbar.“ Man wolle die Flächen durchaus beleben, aber das dürfe nicht dominieren.

Der Widerspruchsausschuss unter dem Vorsitz von Magistratsdirektorin Birgit Wedekind empfiehlt in seinem Abschlussbericht, der der FR vorliegt, mehrheitlich einen Probelauf für zwei Jahre. Doch Mitte Juli kam mit dem Widerspruchsbescheid die Absage, gezeichnet von Wedekind, dazu der Hinweis, dass für den Widerspruchsbescheid 275,85 Euro Gebühren anfallen, die Schurig und Fehl zahlen müssen. Das Grünflächenamt verweist in der Absage auf die bereits angeführten Punkte und führt dazu zwei neue Argumente an: Jogger könnten mit Bembelboot-Kunden kollidieren, außerdem fiele ein höherer Pflegeaufwand für die Liegewiesen an, wenn sich aufgrund des Bembelboots mehr Menschen an der Weseler Werft aufhielten.

Andere Städte sind interessiert

Schurig und Fehl erhoffen sich Druck durch die Öffentlichkeit. Einige Unterstützer starteten eine Online-Petition, Schurig sammelte in Sachsenhausen Unterschriften. Über 2000 Stimmen sind so zusammengekommen. Heldmann hingegen sagt, der Bescheid für diese Anlegestelle sei bindend. „Wir bekommen viel mehr Anfragen, als wir zulassen können“, sagt Heldmann, und: „Apfelwein-Tradition ist in den Apfelweinkneipen verankert.“

Das Boot, das 12,50 Meter lang und 3,75 Meter breit ist, steht derweil in Schwanheim, fertig für den Betrieb. „Sobald die Genehmigung kommt, brauche ich vier Tage, dann könnte es los gehen“, sagt Schurig. Dass er noch in diesem Jahr Äppler verkaufen wird, glaubt er allerdings nicht. Eine Alternative hätte er, auch wenn er sie ungern wahrnehmen möchte: Andere Städte haben Interesse bekundet.

Schurig informiert auf der Facebook-Seite Bembelboot über das Vorhaben. Hier läuft zudem eine Unterschriftenaktion.

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