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Frankfurt
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01. November 2010

Gedenkfeier zur Erinnerung an die Pogromnacht: Petra Roth steht zum Philosophen

 Von Matthias Arning
Frankfurt steht zu ihm: Alfred Grosser.  Foto: FR/Schick

Trotz der Attacken des Zentralrats hält die Stadtregierung an Alfred Grosser als Redner bei der Gedenkfeier in Erinnerung an die Pogromnacht fest. Ungeachtet ihrer Bedenken will die Jüdische Gemeinde an der Gedenkfeier teilnehmen.

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Oberbürgermeisterin Petra Roth unterstrich am Montag im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, der 1925 in Frankfurt am Main geborene Publizist werde am 9. November in der Paulskirche sprechen.

Im Namen des Zentralrats der Juden in Deutschland hatte deren Sprecher Stephan Kramer gegen den geplanten Auftritt Grossers protestiert. Der Politikwissenschaftler sei nicht der geeignete Mann, weil er zu kritisch mit Israel umgehe. Auf der Frankfurter Buchmesse hatte Grosser im vorigen Jahr sein aktuelles Buch „Von Auschwitz nach Jerusalem“ vorgestellt. Darin empfiehlt der in Paris lebende Publizist, kritischer mit der israelischen Palästina-Politik umzugehen.

Die oppositionelle SPD stärkte Stadtoberhaupt Roth in diesem Zusammenhang den Rücken. „Die Oberbürgermeisterin sollte an der Einladung für Grosser festhalten, in der Paulskirche zur Erinnerung an die Reichspogromnacht zu sprechen“, sagte Fraktionschef Klaus Oesterling. Wer die Paulskirche zum Ort der Verkündigung abgeschliffener Mehrheitsmeinungen mache, werde der Geschichte des Ortes nicht gerecht. Es müsse möglich sein, in der Paulskirche Meinungen vorzutragen, die umstritten seien und auf Widerspruch stießen. Jedermann könne Grosser für seine Worte kritisieren – nachdem sie gesagt worden seien.

"Unbestechlicher Mahner"

Grosser hatte im Zusammenhang mit der umstrittenen Rede des Schriftstellers Martin Walser zur Verleihung des Friedenspreises kundgetan, er könne Walser verstehen. An dieser Rede hatte sich die erbitterte Kontroverse zwischen Walser und dem damaligen Präsidenten des Zentralrats, Ignatz Bubis, entzündet. Wenige Monate vor seinem Auftritt auf der Buchmesse hatte Grosser bereits in Frankfurt am Main Station gemacht. Schließlich hatte die Universität gemeinsam mit der Stiftung Polytechnische Gesellschaft eine neu geschaffene Gastprofessur für Bürgergesellschaftsforschung nach einem der berühmtesten Söhne der Stadt benannt – nach Alfred Grosser, der 1933 mit seiner Familie jüdischer Herkunft von Frankfurt aus nach Frankreich emigrieren musste. Grosser selbst erklärte sich bereits, für die Gastprofessur mit vier Vorlesungen über Bürgergesellschaft und Demokratie an den Start zu gehen. Man habe „einen großen ,Citoyen' als Namens- und Themenpatron finden können, einen bedeutenden Franzosen mit Frankfurter Wurzeln“, würdigte der Vorstandschef der Stiftung der Polytechniker, Roland Kaehlbrandt, vor gut einem Jahr das Wirken Grossers.

Auch der Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels hatte mehr als drei Jahrzehnte zuvor bereits keinen Zweifel daran, dass Grosser eine wichtige Figur der Zeitgeschichte im Ringen um Frieden und Demokratie sei. Dem Publizisten werde der Friedenspreis zugesprochen, weil er „ein Sucher nach der Ethik und der Wahrheit, zwischen Gläubigen und Ungläubigen, zwischen Europäern und Menschen anderer Kontinente“ sei. In diesem Sinne ehre man mit Grosser einen „überzeugenden, unbestechlichen Mahner“.

Die Äußerungen des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden hatten in Frankfurt am Wochenende bereits für Irritationen gesorgt, weil Grosser doch immer wieder mit dem deutsch-französischen Beziehungen in Verbindung gebracht und als Mittler geschätzt werde. Schließlich werde einem von der Stadt eingeladenen, gestandenen Demokraten unterstellt, er könne zu der Erinnerungskultur, die man in Frankfurt auch mit der Paulskirche in Verbindung bringt, keinen angemessen Beitrag leisten.

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt teilte mittlerweile mit , ungeachtet ihrer Bedenken an der Gedenkfeier zur Progromnacht mit Alfrerd Grosser in der Paulskirche teilzunehmen.

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