Mit der Kräutermischung Spice begann das digitale Zeitalter in der Welt der Drogen. Spice wurde nicht nur in den Zubehör-Läden für Drogenkonsumenten angeboten, sondern auch im Internet. Kein Dealer, sondern der Postbote brachte die Droge, die inzwischen verboten wurde. Seitdem werden im Internet immer mehr synthetische Substanzen mit der Wirkung illegaler Drogen angeboten, erklärte Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zum Drogenkonsum Frankfurter Schüler und Schülerinnen.
Die neuen Substanzen tragen Fantasienamen wie Jamaican Spirit oder Badesalz, „obwohl sie niemand in die Badewanne wirft“. Die sogenannten Legal Highs werden geraucht. Sie wurden, so Rottmann, in der Pharmaforschung entwickelt und sind in jedem Labor leicht nachzumachen. Das Gefährliche an ihnen ist: sie wurden sie niemals auf Nebenwirkungen getestet. Wenn ein Präparat verboten wird, kommen drei neue unter anderem Namen auf den Markt, sagte Rottmann. „Wir haben eine Rekordzahl neuer Substanzen.“ Inzwischen gebe es Ersatzstoffe für fast alle illegalen Drogen, ergänzte Regina Ernst, die Leiterin des städtischen Drogenreferats. „Es wird ein Markt der Zukunft sein.“
80 Klassen aus 20 Schulen wurden bei der aktuellen Drogentrendstudie „MoSyD“ befragt. Während der Befragung wurden die Lehrer aus dem Klassenraum geschickt. Der Drogenkonsum ist in allen Schultypen ähnlich außer beim Rauchen: Berufsschüler greifen häufiger zur Kippe als Gymnasiasten.
26 Prozent der 15- bis 18-Jährigen rauchen täglich mindestens eine Zigarette. Der Spitzenwert mit 40 Prozent stammt aus dem Jahr 2003.
35 Prozent sind abstinent, 38 trinken gelegentlich ein Gläschen. Immerhin ein knappes Drittel räumte einen „riskanten bis exzessiven“ Konsum ein.
15 Prozent greifen ab und zu zum Joint, im Jahr 2002 waren es noch 21 Prozent. Der Umgang mit dieser „weichen Droge“ scheint vorsichtiger geworden zu sein.
Harte Drogen spielen bei den jungen Leuten so gut wie keine Rolle.
Noch sind es vor allem ältere Drogenkonsumenten, die sich mit diesen Substanzen versorgen. Seit mehreren Monaten machen sich Frankfurter Experten Gedanken, wie sie auf die neue Herausforderung reagieren sollen – ob, zum Beispiel, die Trennung zwischen legalen und illegalen Drogen noch sinnvoll ist.
Seit 2002 befragt das Centre for Drug Research der Goethe-Uni im Auftrag der Stadt jährlich 1500 Schüler im Alter von 15 bis 18 Jahren nach ihrem Drogenkonsum und ihrem Freizeitverhalten. Diese Langzeitbeobachtungen, so Rottmann, sollen auch helfen, neue Trends zu entdecken und darauf zu reagieren. In der jüngsten Studie aus dem Jahr 2010 wurde erstmals nach den Legal Highs gefragt: Nur drei Prozent der Jugendlichen hatten diese Substanzen ausprobiert.
Die Droge Nummer eins ist und bleibt der Alkohol. Wegen einer akuten Alkoholvergiftung brachten die Frankfurter Rettungsdienste im vergangenen Jahr 326 Jugendliche im Alter bis zu 22 Jahre ins Krankenhaus, sagte Ernst. 137 von ihnen waren unter 18 Jahren, 10 waren gerade zehn Jahre alt. 40 Prozent gaben ein Versehen an.
Aber es gibt auch positive Trends: Insgesamt ist der Konsum von Alkohol und Cannabis in den vergangenen Jahren zurückgegangen, das Einstiegsalter ist – auch bei Cannabis – gestiegen. „Der Eindruck, immer jünger und immer mehr, entspricht nicht der Realität“, sagte Rottmann.

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