Kurz vor der Alten Oper ist erst einmal Schluss. Auf der Bockenheimer Landstraße stoppt ein Riegel aus Mannschaftswagen und Polizisten mit Helmen und Schlagstöcken den Zug der Demonstranten. Während sich uniformierte Beamte und eine Formation aus Studenten mit Plakaten Auge in Auge gegenüberstehen und den Abstand zueinander immer mehr verkürzen, mahnt ein Polizeisprecher über Lautsprecher zur Ruhe. Die herrscht bis dahin weitgehend. Nur zu Beginn, als der unangemeldete Demonstrationszug der Studenten vom Campus Bockenheim der Goethe-Uni auf die Hauptverkehrsstraße zur Innenstadt schwenkt, fliegt eine Stange bengalisches Feuer in Richtung der Polizisten. Danach bleibt es beim Chorgesang von Spontisprüchen und harmlosen Rempeleien. Die Studenten wollen in die City – die Polizei verhindert das im abendlichen Adventstrubel.
Es ist klirrend kalt. Dennoch sind am Donnerstagabend mehr als 500 Studenten vor dem Studierendenhaus zusammengekommen, um gegen die 30-Millionen-Euro-Kürzung des Landes im Hochschulpakt zu demonstrieren und an den Jahrestag der polizeilichen Casino-Räumung auf dem Campus Westend zu erinnern. Maria, Pädagogik- und Soziologie-Studentin, war auch vor einem Jahr dabei. Nicht bei der Räumung, „aber ich wäre auch dort geblieben und hätte mich räumen lassen“, sagt die Mittfünfzigerin. Sie ist gekommen, „weil sich nichts verändert hat. Das Motto der Demo stimmt: Nichts als warme Worte“. Die Elite, sagt sie, „die gibt es nur für andere“.
"Man muss sich wehren"
Aus Solidarität ist auch Cornelia dabei. Ihr Soziologie-Studium ist zwar beendet, „aber gegen Kürzungen in der Bildung muss man sich wehren“. Carlo sticht aus der Menge heraus. Er ist der Vater einer Ethnologie-Studentin, die vor einem Jahr bei der Casino-Räumung verhaftet wurde und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch bekam. Er demonstriert zusammen mit der Tochter. „Die Studienbedingungen sind doch nicht anders geworden“, sagt er.
Christoph Meurer vom Protestplenum, das zur Demo aufgerufen hat, wirft dem Präsidium „Schönmalerei“ vor. Die Goethe-Uni habe die Kürzungen und Bildungspolitik nicht zu verantworten, „aber sie setzt sie um“. Die Protesterklärung der acht Hochschulen während der Verhandlungen mit dem Land habe die Uni nicht unterzeichnet. „Nein zum Präsidium und seinem Kuschelkurs“ tönt es derweil über Megafon.

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