Friedhelm Ardelt-Theeck war im Februar vergangenen Jahres skeptisch: Damals hatte sich Schwarz-Grün nach einigem Zögern bereiterklärt, sich in Berlin für die Einhausung der A661 stark zu machen. Ob er denn dieser Initiative traue, war Ardelt-Theek von der FR gefragt worden. „Gar nicht, das sind bisher nur Worte, ist nur Papier“, hatte der Sprecher des „Aktionsbündnisses Unmenschliche Autobahn“ geantwortet. Bald darauf hatte die Koalition in Berlin angefragt, um sich die erwartete Absage für die Finanzierung der Einhausung zu holen.
Andernorts ist die Kommunal-und Landespolitik erfolgreicher, wenn es um konsequenten Schallschutz und städtebauliche Entwicklung geht. Das zeigen die insgesamt 3,5 Kilometer langen Deckel, die in den nächsten Jahren über der A7 in Hamburg gebaut werden. „Durch die Autobahndeckel wachsen Stadtteile zusammen, die Jahrzehnte durch die Autobahn getrennt waren, und die Anwohner bekommen neben einem optimalen Lärmschutz dringend benötigte Grünflächen.“ Was kennzeichnend ist für die Lage in Bornheim und Seckbach, wo die bald achtspurig ausgebaute A661 Stadtteile und Menschen trennt, hat Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk (Grüne) Anfang Juli aus Anlass des Landschaftsarchitekten-Wettbewerbs zur Gestaltung der Autobahndeckel gesagt.
Lärmschutz und städtebauliche Entwicklung sind Argumente, die in der Debatte über Einhausung und Überbauung von Autobahnen immer wieder genannt werden. Vor allem in der Schweiz gibt es bemerkenswerte Projekte.
Beispiel Altendorf (Zürichsee): 40 Jahre hat die Nationalstraße A3 die Gemeinde mit ihren 5000 Einwohnern getrennt. Im April 2004 wurde die Autobahn auf einer Länge von 600 Metern gedeckelt, die Dorfhälften wieder vereint und neue Bebauungsfläche geschaffen worden. Der Schweizer Versicherer Suva hat auf dem Deckel neun Mehrfamilienhäuser mit 93 Mietwohnungen, acht Doppel- und drei Einfamilienhäuser bauen lassen.
Beispiel Opfikon/Glattbrugg: Im September 2004 hat die Stadt Opfikon die ebenfalls 600 Meter lange Überdeckung der A51 (Zubringer Flughafen Zürich) eröffnet. Auf der neuen Fläche entstehen Plätze, Orte für Veranstaltungen und ein Kinderspielplatz als Elemente eines Landschaftsparks. Plätze und Alleen werden mit Ahorn, Esche und Winterlinden aufgebaut. Baudezernent Walter Epli spricht anlässlich der Eröffnung von der „Wiedervereinigung von Opfikon und Glattbrugg“.
Beispiel Bern: Die Stadt beschließt, die A1 auf einer Länge von 500 Metern zu deckeln. So entstehen das Einkaufszentrum Westside und Wohnungen für 2500 Menschen. Den Entwurf legt der berühmte Architekt Daniel Libeskind vor, Bauherr des Projektes ist die Supermarktkette Migros. Anfang 2006 werden die Bauarbeiten an der Autobahn abgeschlossen, zwei Jahre später eröffnet das Einkaufszentrum. In Deutschland zählt die Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße in Berlin als eines der ersten Projekte dieser Art hierzulande. Die Autobahn war in den 70er Jahren auf einer Länge von 600 Meter überbaut worden.

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