Den Namen für unsere Glosse leiht uns Fraa Rauscher, bekannt aus dem mehr als 80 Jahre alten Lied nach dem Text des Frankfurter Grafikers Kurt Eugen Strouhs:
Die Fraa Rauscher aus de Klappergass, die hat e Beul am Ei,
ob's vom Rauscher, ob's vom Alte kimmt, des klärt die Bolizei.
Chapeau, liebe Bedienung eines Cafés an der Konstablerwache. Sich bei der Kaffeerechnung um vier Euro zu vertun, zugunsten des Hauses, das kann ja passieren. Dann aber auf die legitime Reklamation des Gastes hin eine Schnute zu ziehen wie Gargamel, dem mal wieder die Schlümpfe durch die Lappen gegangen sind, und ungeniert loszugrunzen: „Ich hasse das! So viele Gäste. Und alle wollen was anderes!“ – das setzt doch in der Tat Maßstäbe, selbst im für seine Muffelwirte weltberühmten Frankfurt. Sie sind hier richtig!
Das ist gemein, dass am Sonntagabend tausende Frankfurter auf dem Römerberg johlen, pfeifen und feixen, nur weil erwähnt wird, dass drinnen im Kaisersaal neben anderen auch der „hessische Innenminister Boris Rhein“ den weisen Worten Petra Roths lauscht, die gerade die Eintracht verherrlicht. Man könnte meinen, Frankfurter liebten nur Sieger. Stimmt aber nicht. Denn kurz darauf wird einer wackeren Schar zweiter Sieger mit Gesang und Feuerstein gehuldigt. Muss wohl doch an der Person des hessischen Innenministers liegen.
Da hat man jahrelang sein Rad mit Hilfe eines Imbusschlüssels zusammengehalten. Dachte man. Und muss dann lesen, dass das Ding ja in Wahrheit Inbus heißt. Im Duden, der auch gleich die Erklärung mitliefert: Inbus „ist die Abkürzung für Innensechskantschlüssel (der Firma) Bauerund Schaurte“. Die heißt heute „Acument Global Technologies“. Inagt klingt aber blöd. Inbus ist besser.
Heute ist Freitag. Aus Dankbarkeit meckern wir an dieser Stelle einmal ausnahmsweise nicht über etwas, das in der U-Bahn passiert ist, sondern freuen uns über etwas, das in der S-Bahn passiert, und zwar jeden Tag, beinahe ununterbrochen: Ein Zug nähert sich dem Frankfurter Südbahnhof, eine wunderbar tiefe, warme, beruhigende Frauenstimme teilt uns das mit. Dann sagt sie: „Bitte steigen Sie alle aus. Der Zug endet dort.“ Fabelhaft. Man möchte den ganzen Tag in der S-Bahn hin- und herfahren und sich das immer wieder anhören.
Natürlich ist Lauschen unfein. Aber interessant. Empfindliche Gemüter seien vor der drastischen Sprache gewarnt, aber so wurde es halt in der U-Bahn gesagt: „Der Hans geht mir voll auf’n Sack. Der verkackt beim Yoga jedes Mal das Om. Das kotzt mich echt an.“
Wikipedia: „Yoga hat auf viele Menschen eine beruhigende, ausgleichende Wirkung. Darüber hinaus kann die innere Einkehr genutzt werden, das eigene Verhalten gegenüber den Mitmenschen zu reflektieren, um es positiver zu gestalten.“
Rauscher: „So ist das also.“
Wenn man was erlebt, dann meist in der U-Bahn. Gestern betritt das Prinzesschen die U2, lauthals telefonierend, wie es inzwischen wohl Vorschrift ist in öffentlichen Verkehrsmitteln, und beim Telefonieren stellt sie ihre Handtasche auf dem nächstbesten Fahrgast ab. Irgendwo muss sie ja hin, die Tasche. Der Nächstbeste aber schiebt die Handtasche einfach weg. Frechheit, findet das Prinzesschen und schnauzt („Oh Mann, ey!“) den Nächstbesten an. Deal: Nächstes Mal halte ich Prinzesschens Tasche – wenn sie dafür die Klappe hält.
„Die ganze Stadt uffgeräumt“, sagt die Frau kopfschüttelnd am Wasserhäuschen, „nur weil der Präsident gekomme is. Isch wär froh, mei Mann würd mal uffräume, wenn isch nach Haus komm. Da siehts aus wie unnerm Sofa.“ Dann nimmt sie noch einen Schluck aus der Pulle. „Sach es, wie es is“, sagt ihr Gegenüber. Frankfurt ist schön.
Schön von der Frankfurter Eintracht, dass sie Nachwuchs-Fußballerinnen zum „Mädchen-Adlertag“ an den Riederwald eingeladen hat, um sie „für die Eintracht zu begeistern“. Komische Idee nur, sich am Sonntag zwischen 12 und 14 Uhr zu treffen. Wer sich für die Eintracht begeistert, ist um diese Zeit nämlich im Waldstadion.
Liebe Radrennveranstalter, so habt doch ein Einsehen! Es funktioniert einfach nicht. Hört doch mal selbst: „Uff em Finanzplatz Eschborn/Frankfurt sitzt e Wermsche mit em Schermsche unnerm Ermsche, kimmt e Stermsche, bläst des Wermsche mit em Schermsche unnerm Ermsche vom Finanzplatz Eschborn/Frankfurt.“ Hört ihr’s? Das klingt doch total bescheuert, kindisch, albern. Ihr tut keinem einen Gefallen damit, weder der Stadt Frankfurt noch dem Finanzplatz Eschborn. Also gebt uns unser Henninger Termsche zurück!
Der Lachclub Frankfurt informiert uns, dass am 6. Mai Weltlachtag ist. Zudem gebe es in Frankfurt mittlerweile fünf Vereine, „die sich wöchentlich zum Lachen ohne Grund“ träfen. Was so funktioniert: Einer brabbelt was, dann spenden alle Zuhörer das begehrte „Lachlob“, welches da lautet „Sehr gut, sehr gut, yeah“, und dann kichern alle, dass man meinen könnte, die Vollmeisen flögen sehr, sehr tief. Falsch, Lachclub Frankfurt. Es sind sechs Vereine. Wir machen das sogar täglich, nennen es aber „Redaktionskonferenz“. Guckt doch mal vorbei.
Lieber neuer Ladenpächter – nur verhalten war unsere Freude, als unlängst das Internet-Café ums Eck dichtmachte. Denn da waren wir der festen Überzeugung, dass dorten wie üblich ein Sportwettbüro eröffnet. Umso größer war unsere Freude, als wir das handgemalte „Hier komme frische Fisch Imbiss“-Plakat im Schaufenster lasen. Und ein paar bläuliche Stockfische, liebevoll fotografiert und aufgeklebt, uns daneben auffordernd anglotzten. Aber die glotzen jetzt schon seit Wochen. Wir haben Hunger! Wo bleibe frische Fisch?
Hut ab, ihr Shampoo-Werbefritzen! Ehe eure greise Kundschaft in Agonie versinkt und das fahle Haupthaar ganz aufgibt, spült ihr sie mit einem knackigen Slogan zurück in die Drogeriemärkte: „Wenn schon grau, dann Power-Grau!“, dröhnt es uns jüngst zwischen zwei Fußballspielhälften entgegen. Euer neues Shampoo verleiht „einen frischen Grauton“? Genial! Power-Grau, das neue Blond. Was kommt als Nächstes? Lasst uns raten: Wenn schon Schuppen, dann Mega-Schuppen? Wenn schon kahl, dann blank geputzt mit Giga-Glatze?
Jaja, wir wissen, keine Witze über Namen. Nur wenn es sein muss. Und es muss. Denn Sie, Raumausstatter Staub, müssen wir unbedingt mal was fragen, nachdem wir gestern erstmals Ihren Einsatzwagen in unserer Straße entdeckt haben. Seit Jahren nämlich arbeiten Sie ganz offensichtlich schon für uns, ebenso unermüdlich wie zuverlässig. Urlaub oder Krankheit kennen Sie nicht. Und Sie richten vor allem auf dem Laminat unterm Bett wahre Wunderdinge an. Und zwar genau dort, wo man mit dem verfluchten Rohr nur schwer hinkommt. Respekt! Zwei Fragen, Raumausstatter Staub, brennen jetzt aber doch in unserer Brust. Wie kommen Sie da eigentlich hin? Und wer bezahlt Sie?
Heute steht diese Kolumne ausnahmsweise mal ganz links. Schuld hat mal wieder das Kapital. Denn wer bezahlt, bestimmt den Platz. Also, dann eben ganz links: Sagt Stalin zur Krupskaja: „Wenn Sie nicht aufhören, sich für die Trotzkisten einzusetzen, ernenne ich eine andere Frau zu Lenins Witwe!“ Zugegeben: Es gibt bessere. Aber noch weiter links fiel uns beim besten Willen nix ein.
Ja – ist denn schon wieder Ostern? Da liegt unserer stets topaktuellen Zeitung doch gestern ein Prospekt mit elektrischen Geräten von der drahtlosen Zahnbürste bis zum beutellosen Turbo-Staubsauger bei, und vorne drauf steht der Hinweis: „Unser Hase ist der Bringer – Oster-Lieferpaket – bis 30. April 2012“. Kein Irrtum. Da sieht man, wo das hinführt, wenn die Arbeitnehmer nicht mehr zu ihren Gewerkschaften stehen. Jetzt schiebt schon der arme Osterhase Sonderschichten. Motto: Bringsten nicht Ostern, bringsten Pfingsten.
Verehrte Frau O. aus N., unter all unseren liebenswürdigen Leserinnen und Lesern sind Sie ein ganz besonderer Engel, Nein, eine Nixe: Sie lasen hier an dieser Stelle von verloren gegangenen Muscheln der Liebsten und zauberten ohne Zögern Ersatz aus der Nordsee in die Redaktion. Sogar mit einem kleinen Bernstein dabei. Herzlichsten Dank! Die Freude ist riesig. Und bei näherem Hinsehen kommt Wiedersehensfreude hinzu. Denn was keiner ahnen konnte: Sie waren einst die Grundschullehrerin des anonymen Autors. Kein Seemannsgarn!
Wo wir gerade beim Staubsaugen waren: Da erbarmst du dich nach Jahren des reuelosen Saugens, den prallvollen Staubbeutel im Innern der guten alten Vampyreuse 666 auszutauschen. Natürlich ist im Schrank kein frischer aufzufinden. Du machst nach unendlichen Mühen die Artikelnummer des einzig passenden Beutels unter zwölf Millionen im Handel erhältlichen Varianten ausfindig. Ja, und dann, wenn du endlich den neuen, schönen, leeren Beutel hineingewurstelt hast – dann gibt die Vampyreuse ihren Geist auf.
Liebe Betreiber des Cafés Mainstrand, kennt ihr den? „Sieht nach Regen aus“, sagt der Gast zur Pensionswirtin, als die ihm seinen Morgentrunk einschenkt. „Ist aber tatsächlich Kaffee“, beteuert die Wirtin. Findet ihr nicht lustig? Wo da der Witz sein soll? Na ja, normalerweise handelt es sich bei Kaffee um einen aromatischen, dunkelbraunen Sud, der aus der Kaffeebohne gewonnen wird. Habt ihr nicht gewusst? Jetzt wisst ihr’s. Der Witz funktioniert übrigens auch mit Latte macchiato, da muss der Gast dann aber sagen: „Sieht nach Schnee aus“. Witzig, gell?
Ein Spiel mit dem Feuer, dieser Hausputz am Samstag. Und immer wieder total spannend, wie nah ich mit dem Staubsauger an die Muschelsammlung der Liebsten – oh. Äh, hat jemand ein paar Muscheln übrig? Ganz kleine?
Nachdem wir jetzt aus Versehen die Dippemess am „Familientag“ besucht haben, an dem alle Fahrgeschäfte etwas billiger sind, hier mal ein Vorschlag für die nächste Dippemess: Wie wär’s denn mal mit einem Tag, an dem alle Karussells das Doppelte kosten? Für alle, die keine Lust haben, sich mit den entmenschten minderjährigen Legionen der Hölle um einen Platz im Break-Dancer zu prügeln. Notfalls könnte man auch noch eine Krawattenpflicht draufpacken. Und das Ganze „FDP-Tag“ oder so ähnlich nennen. Wäre doch eine Überlegung wert.
Sie sind unter uns! Sie tarnen sich als Freunde und Kollegen. Sie wirken das ganze Jahr über völlig normal, vielleicht manchmal ein bisschen überheblich. Wie wir haben sie ein Spiegelbild. Sonne und Knoblauch können ihnen nichts anhaben. Und doch kann man sie besiegen. Wenn man sie am Tag, nachdem Arjen Robben einen Elfer schulmäßig vergeigt hat, tröstend in den Arm nimmt und ein gut gemeintes „Geld schießt nun mal keine Tore“ ins Ohr flüstert, lösen sie sich vor Wut in Rauch auf, die Fans des FC Bayern München.
Von der versunkenen „Titanic“ ist ja nun viel die Rede, von Eisbergen und vom Funkverkehr in der Unglücksnacht. Mit diesem anderen Schiff namens, ähem: „Frankfurt“. Keine schöne Geschichte. Sie endet mit einem Schimpfwort („Idiot“) und der Havarie des großen Dampfers vor 100 Jahren. Schade. „Frankfurt rettet Titanic“ wäre eine schöne Schlagzeile gewesen. Aber zu Recht erinnert das Eintracht-Museum in dem Kontext an unseren 2010 verstorbenen Trainer Jörg Berger. Ihm haftete der Ruf an, er hätte auch die Titanic gerettet. Na bitte.
Luat eneir Sutide eneir Uvinistrerät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort sehetn. Das ezniige was wcthiig sei ist, dsas der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn´ Psotoiin snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sein, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen. Das ist so, wiel wir nchit jeedn Bstachuebn enzelin leesn, snderon das Wrot als Gzeans enkreenn. Das foktinierunt wicklirh! Und mahct die Abriet eneis Rakteurdes veil, veil enifacher. Wiel Bsinöldn sreibechn so enfacih ist.
Der ehemalige Frankfurter, der im Exil das Geschehen in seiner Heimat nach wie vor verfolgt, möchte wissen, ob der Henninger Turm, der ja bekanntlich zu einem Bonzencluster umgebaut werden soll, danach auch „Turm rund um den Finanzplatz Eschborn/Frankfurt“ heißen wird. Da kann man nur antworten: Es steht zu befürchten. Doch der Exil-Frankfurter findet Trost in der Nachricht, dass nach wie vor kein Frankfurter zur Eintracht in die „Commerzbank-Arena“, sondern immer noch ins Waldstadion geht.
Das wird man ja wohl mal sagen dürfen
Dass man das ritzeratzedoof findet
Dass es jetzt so kalt ist
Weil da macht die Dippemess nicht so viel Spaß
Wenn’s so kalt ist
Und tanzen darf man auch
nicht
Weil jemand den Heiland ans Kreuz genagelt hat
Und man wird ja wohl mal
sagen dürfen
Wer da genagelt hat
Aber egal
Lesen wir stattdessen
Halt mal ein Buch
Aber ein gutes
Vielleicht eins von Wolf Haas.
Jetzt mal abgesehen von dem ganzen Lärm: In der Nacht auf den 4. Februar 1959 stürzte der junge Pilot Roger Peterson mit seiner viersitzigen Sportmaschine über Iowa ab. Dort tobte ein Schneesturm und es war zappenduster, weil es ein Uhr nachts war. Mit an Bord war Buddy Holly, der den Unfall nicht überlebte. Man muss klar sagen: Mit Nachtflugverbot wäre das nicht passiert. Und darum sitzt Buddy heute frohgemut auf seiner Wolke, zupft die Harfe, lobt das Bundesverwaltungsgericht und singt „It Doesn’t Matter Anymore“.
Lieber Bauarbeiter, der Du neulich nach erfolgreich absolviertem Feierabendbier festen Schrittes wahrscheinlich nach Hause und sicherlich die Straße überqueren wolltest, obwohl die Ampel Rot zeigte, angesichts des wartenden Sechsjährigen jedoch Deinen Plan ändertest, innehieltest und dich dem Kinde mit den Worten zuwandtest: „Das macht man nicht, bei Rot über die Gass’ zu gehen. Das machen nur Idioten – so wie ich einer bin“ – lass’ Dir gesagt sein: Du bist gar kein Idiot. Ganz im Gegenteil. Die Idioten, das sind die anderen.
Die Leidensmiene des schicken jungen Mannes ganz vorn in der Schlange könnte gar nicht leidender sein. Quälend lang hält er den Betrieb am Eingang zur Brotfabrik auf. Gestikuliert. Jammert. Leidet. Die Ungeduld der anderen Wartenden wächst. Mal lauschen, um was es geht. „Muss das denn un-be-dingt sein?“, heult der schicke junge Mann und zeigt auf den Einlass-Stempel, den jeder Gast auf die Hand kriegt. „Ich hab gerade geduscht!“ Da seufzt die Frau an der Kasse und stempelt ersatzweise ein Blatt Papier. Das hat nicht geduscht.
Es ist ja so, dass man mittlerweile chronisch misstrauisch ist, wenn einer einen auf der Gass’ anquatscht und was von einem will. Selbst wenn es sich dabei lediglich um die gebrauchte Eintracht-Eintrittskarte handelt, die nach dem Spiel ohnehin viel an Wert verloren hat. Doch wer auf die Frage, wofür er die denn brauche, antwortet: „Zum Dabbeziere von der Oma ihrm Gaddehäusche“, dem kann man die milde Gabe einfach nicht verweigern. Er ist entweder ein wahrhaftiger Enkel auf Erden oder ein guter Geschichtenerzähler.
Polizeireporter schreiben über zu viel Unschönes, um zu glauben, dass Frankfurt sicher ist. Da können der Polizeichef und der Ex-OB-Kandidat von der CDU noch so oft sagen, dass eigentlich alles gut ist auf den Straßen. Wenn aber der Reporter den Schlüssel im Schloss seines Mopeds stecken lässt, die Kiste also die ganze Nacht abfahrbereit auf der Berger Straße steht, aber bis zum nächsten Morgen nicht wegbewegt wird, muss man sagen: Vielleicht haben die beiden Männer recht.
Der Bio-Großhändler Dennree hat uns per Mail über einen neuen Trend informiert, von dem wir noch nichts wussten: dem Flexitarismus. „Flexitarier essen ab und zu mal fleischfrei“, schreibt uns das Unternehmen, und das ist toll, denn „pro Flexitarier-Tag“ werden weltweit „8,1 Tonnen CO2 eingespart“. Sauber. Wir zeigen uns beeindruckt und werden uns heute ebenso solidar- wie flexitarisch ausschließlich von Schokoriegeln und Salzstangen ernähren. Aber sag mal, Bio-Großhändler Dennree: Ist zu viel Flexitarismus nicht gefährlich und kann zu Laberanfällen und Morbus Salbader führen? Kann er? Dachten wir’s uns doch.
„Seid ihr wieder zusammen?“, wird die Kassiererin im Supermarkt von einer Kundin angesprochen. „Habt ihr euch ausgesprochen?“, trötet die Kundin ungeachtet des tiefroten Kopfes der Frau. Die murmelt was von Missverständnis. „Hab ich doch gleich gesagt“, kreischt die falsche Freundin und ergeht sich in Betrachtungen über Missverständnisse in Liebesdingen. Der Berichterstatter macht sich von dannen, um eine sichere Erkenntnis reicher: Die Kassiererin hat keine glückliche Hand mit Beziehungen.
Noch mal ganz kurz, liebes HR- Fernsehprogramm: Was war das denn eigentlich am OB-Wahlabend? „Internationale Musikparade der Militär- und Blasmusik“? Um 20.15 Uhr? 90 Minuten lang? Und danach das „Hessen-Quiz“? Während Frankfurt gerade völlig aufgewühlt feiert/trauert/staunt, weil es einen sensationellen neuen Oberbürgermeister hat? Ach so, es gab ja zwei aktuelle Extra-Sendungen im Abendprogramm: jeweils drei (3!) Minuten lang. War das etwa dein Ernst, HR?
Es ist ein lustiges Buch, das Stefan Gärtner da geschrieben hat. Kein Wunder, der Mann ist schließlich Titanic-Autor, da geht ihm sein Anti-Reise-Führer namens „Deutschlandmeise“ natürlich leicht von der Feder. Besonders gelungen ist das Kapitel über das Verhältnis zwischen Offenbach, Kelkheim (!) und Frankfurt. Nur ein Satz macht uns nachdenklich. Er steht auf Seite 146 und handelt von Frankfurter Oberbürgermeistern: „Boris Rhein, der glänzend juvenile Nachfolger der ,roten’ Petra, ist da Fleisch vom Fleische…“ Naja, vielleicht gibt’s ja eine zweite Auflage.
Wenn am frühen Morgen die Rolling Stones im HR ihre „Sympathy for the devil“ rauskrähen, und man die unsterblichen Zeilen „Pleased to meet you / hope you guess my name / but what’s puzzling you / is the nature of my game“ im eigenen Hessekopp synchron mit „Gudn Morsche / du ahnst ja wer isch bin / doch dei Ranzerobbe / is ganz in meinem Sinn“ übersetzt – dann wird es wohl höchste Zeit, die nächste Enthessifizierungsstelle aufzusuchen oder einen Urlaub im befreundeten Ausland anzutreten.
Ach ja, Metropolis, zweieinhalb Wochen hattest du jetzt geschlossen. War eine harte Zeit für deine Fans. Und deine Geschäftsführer werden auch geflucht haben. Aber es geht immer noch schlimmer: In Köln hat es jetzt der Cinedom mit einer Nachricht in den „Express“ geschafft. Während der Vorführung von „Das gibt Ärger“ mit Til Schweiger gab es eine wüste Mädchen-Prügelei, bei der auch Popcorn und Cola flogen. Siehst du, Metropolis, zumindest das ist dir erspart geblieben.
Liebe Polizei, was hat das zu bedeuten? Während alle vor dem Zoo geparkten Autos mit jungfräulichen Klarsichtfrontscheiben glänzen, prangen auf dem einzigen Streifenwagen acht Prachtexemplare fangfrischen Vogelschisses. Entweder habt ihr dem bösen Fabelwesen Vogel Roch ein Knöllchen verpasst. Oder eine höhere Macht will euch sagen, dass ihr lieber Verbrecher jagen solltet als Eltern, die kurz im Verbot halten, weil sie ihre Kinder in deren Garten bringen. Denkt mal nach!
Bislang hielten wir unsere Versicherung für eine Trutzburg der Seriosität – und damit auch der Langeweile. Bis gestern. Da wollten wir was wissen wegen der Teilkasko fürs Auto und landeten in der telefonischen Warteschleife, wo uns zu unserem Entsetzen eine allzu vertraute Stimme per Band begrüßte: „Guten Tach, ich bin Dieter Bohlen. Leider sind alle Experten der XY-Versicherung derzeit beschäftigt. Bleiben Sie in der Leitung …“ Blieben wir nicht. Wir legten auf. Und sind immer noch ein bisschen erschüttert. Langweilig war uns lieber.
Die beiden alten Damen, die etwas hilflos durch die Trambahn tapern, suchen gar keinen Sitzplatz. Da hilft auch kein Aufstehen. Die suchen was ganz anderes. Nämlich „den Fahrkartenentwerter“. Den habe es noch gegeben, als sie das letzte Mal mit der Trambahn gefahren seien. Wann um Himmels willen das denn gewesen sei, will der Sitzanbieter wissen. „Irschendwann im Nachkrieg“, wahrscheinlich „vor der Währung“, so genau wissen die Damen es nicht mehr, aber es ist auch wurscht. So oder so: war wohl verdammt lang her.
Ein Kinderstrumpf, Größe 18, linker Fuß. Waffeln aus dem Bio-Laden, das Haltbarkeitsdatum leicht überschritten. Ein Wahlprogramm von Boris Rhein. Ein Stadionmagazin der Eintracht vom Spiel gegen Cottbus (1:0), eine leicht verrostete Nagelschere … es ist immer wieder faszinierend, was man in Carsharing-Autos alles findet. Bei der Gelegenheit: Hat irgendjemand meine funkelnagelneue CD von Bruce Springsteen gesehen?
Bisweilen ist es ganz nett, wenn Mitmenschen über ihr Handy laut Musik hören. So erfahren auch die Umstehenden etwas über den Geschmack des Telefonbesitzers. Wenn aber, wie diese Woche geschehen, jemand über die Berger Straße schlendert und dabei ein Lied hört mit der Textzeile „Wir kommen, um zu f…, Frankfurt ist aggressiv“, dann kann man nur sagen: Herr, lass Kopfhörer regnen.
Reizend, dass die Vögel wieder zwitschern. Ganz wunderbar. Herrlich. Auch um 5 Uhr in der Frühe. Sehr hübsch. Eine Bitte nur: Können wir uns darauf einigen, dass die Tauben ihr nervtötendes Gegurre diesmal bleiben lassen?
Ausgerechnet aus Quickborn erreicht uns die traurige Nachricht, dass Frankfurt irgendwie nicht so der „Magnet für Trendsetter“ ist. Das will eine Bank mit Sitz in eben jenem Quickborn herausgefunden haben, anhand einer „repräsentativen Umfrage“, mit der Einwohner deutscher Städte verschiedenen „Trend-Geoclustern“ zugeordnet wurden. Um es kurz zu machen: Ganz vorne München, irgendwo dann Frankfurt, abgeschlagen Berlin, nirgendwo Quickborn. Dabei liegen solche Erhebungen des Schwachsinns doch wirklich ganz und gar im Trend.
Das Nordend steckt voller Merkwürdigkeiten. Während die Eltern andernorts mit Zeitung auf den Spielplatz gehen, brachte ein Paar jetzt zwei Gläser Wein mit zu den Spielgeräten am Friedberger Platz. Was dann passierte, im Schnelldurchlauf: Kinder, Ball, Ball fliegt, Glas kaputt, Nordend-Paar nicht amüsiert. „Entschuldigung, das will ich ersetzt haben“, sagt die Frau zur Mutter des Fußballers. Mit fliegenden Bällen auf Spielplätzen ist aber auch wirklich nicht zu rechnen.
Ach, Herbert Henzler, Sie sind Ex-Chef des deutschen Auswuchses der Jobabrissfirma McKinsey, und für manche Leute genügt das schon, um Ihnen gegenüber tief in sich drin Gefühle zu hegen, die auch Götz von Berlichingen weiland nicht fremd waren. Uns genügt das nicht. Dass sie aber im sonntäglichen HR1-Talk auf die Frage, ob Sie an der Demokratie irgendwas doof fänden, antworteten: „Ja, die egalitären Stimmen. Dass die Stimme vom Bundesratspräsidenten gleich viel wert ist wie die Stimme von, jetzt sage ich mal, einem Obdachlosen“ – doch, das genügt auch uns, sagen wir mal.
Nur mal angenommen, Odysseus hätte damals die Möglichkeit gehabt, Skylla zu ärgern, indem er Charybdis wählt - hätte er das gemacht? Oder wäre er der Meinung gewesen, dass man sich nicht mit einem Ungetüm gemein macht, nur um dem anderen eins auszuwischen? Ist ja auch nur eine theoretische Frage, weil Odysseus hatte ja gar keine Wahl, der hatte zwei Probleme. Und ist einfach zwischendurchgesegelt, der Held, der griechische. Ist vermutlich auch eine blöde Frage. Eine, auf die man kommt, wenn man die ganze Nacht schlecht geschlafen hat, aus welchen Gründen auch immer. Wegen Flugzeuglärm zum Beispiel.
Vor der Haustür hängt seit Jahren ein maroder Zigarettenautomat. Er ist leer. Nur an Silvester schmeißen Lausbuben Böller in den Schacht. Er ist verschmiert, verklebt und völlig nutzlos. Aber er bleibt. Ich mag den Zigarettenautomaten. Er ist so tapfer.
Der 8. März, das sollte an dieser Stelle auch nachträglich noch einmal betont werden, ist von unermesslicher Bedeutung für den Kampf um Gleichstellung in der Gesellschaft, für die Lebensbalance zwischen Mann und Frau, die Wertschätzung von Leistung in der Familie, die versöhnte Verschiedenheit, den gerechten Ausgleich, den Frieden zwischen den Geschlechtern. Das alles kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Und deshalb haben wir auch an diesem 8. März wieder gerufen: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Eintracht Frankfurt!
„Zweineunundachtzig“, sagt die junge Frau an der Kasse mit Blick auf meinen Einkauf.
„Zweineunundsechzig“, sage ich mit Blick auf die Leuchtanzeige der Registrierkasse.
„Oh – stimmt, Entschuldigung“, sagt die Kassiererin und lächelt versöhnlich.
„Kein Problem“, sage ich und lächle versöhnlich zurück.
„Also zweineunundsechzig“, sagt die Kassiererin.
„Gern“, sage ich und gebe ihr einen Zehn-Euro-Schein. „Uuuuund siebeneinundzwanzig“, sagt die Kassiererin. Und gibt mir siebeneinunddreißig heraus.
Was darf’s denn sein, fragt die freundliche Wurstwarenfachverkäufern. Gelbwurst, sagt der Mann mit Hut knapp. Wie viel Gramm? 20 Stück. Sonst noch was? Ja, Serrano. Und wie viel? Ja, den da halt. Da schaut sie dann doch kurz verdutzt, packt dann aber gekonnt die zwei Kilo Schinken zu den fünf Kilo Gelbwurst. Darf’s noch was sein? Also das langt ja wohl, sagt der Mann barsch und geht kopfschüttelnd weiter in die Süßwarenabteilung. Was er da wohl will? Acht Kilo Gummibärchen? 200 Tafeln Edelbitter? Endloskaugummi?
Einen gewissen Respekt verdienen die zwei 17 und 18 Jahre alten Gören, die die Polizei am Sonntag am Hauptbahnhof festnahm. Die Mädchen, die wohl einer fahrenden Diebesbande angehören und sattsam polizeibekannt sind, wurden mit 130 Goldschmuckstücken erwischt, die zu einem großen Teil aus Einbrüchen in Frankfurt stammen. Die beträchtliche Beute befand sich laut Polizeibericht „gut versteckt im Innenfutter einer Reisetasche sowie professionell verbaut in zwei original verpackten Polizeispielzeugautos“. Chapeau!
Seit Tagen frage ich mich, wieso der schwedische Prinz Daniel, dieser frischgebackene Papa, die ganze Zeit ohne Familie in Frankfurt unterwegs ist. Jetzt merk’ ich: Das ist ja gar nicht der Prinz. Das ist Boris Rhein. Diese Brille ...
Gestern schickt mir das Internet-Auktionshaus eine E-Mail mit dem Titel: „Fraa Rauscher, das passt zu Ihnen!“ Und gibt mir Textil-Tipps – für Männer. Danke sehr. Dass ich vorige Woche eine Hose für meinen Alten gesucht hab, haben die nicht kapiert.
Also, uns hat die „Ja zu FRA“-Demo richtig gut gefallen. Fürs nächste Mal hätten wir allerdings noch ein paar Vorschläge für selbstgemalte Transparente. Unser Favorit: „Stille Nacht – langweilige Nacht“. Auch nicht schlecht: „Nachtflugverbot? Ich hup’ euch was!“ Oder, etwas wutbürgerkritisch: „Euer Gejammer kotzt uns an.“ Für die Freunde der leichten Muse: „Motörhead sind ja auch laut.“ Ach, es gibt so viele schöne Ideen. Endlich mal eine Demonstration für kreative Köpfe.
Nicht überliefert ist, ob der Busfahrer über ein absolutes Gehör oder eine außergewöhnliche Nase verfügt. Jedenfalls hat’s ihm echt gestunken. Der kleine Mops hatte zwischen Platen- und Mönchhofstraße ein wenig Wind gemacht. Der Pups traf mitten hinein in die empfindliche Seele des Busfahrers. „Alle raus“, lautete sein gewohnt höflich vorgetragenes Kommando. Als keiner ging, rief der abgelenkte Buslenker die Polizei. Eindeutiges Ermittlungsergebnis der Ordnungshüter: Der Mann hinterm Steuer hat einen an der Waffel.
Respekt, Pizza-Bringdienst. Dass du zur Lieferung der Redaktionspizza ein verwirrtes Väterchen schickst, das nach zwei Stunden eine in Ehren erkaltete Pizza liefert, ist ja normal. Dass wir darüber nicht begeistert sind, irgendwie auch. Dass du uns aber später noch einen jugendlichen halbkriminellen Vollpfosten vorbeischickst, einen waschechten Wasguggsdu-Typen, der was von Familienehre salbadert, uns alle mit Messer machen will und ein Wiederkommen androht, das hat was. Das nennt man dann wohl Erlebnisgastronomie.
Liebe Possmanns, es ist wahrlich ein Segen, dass ihr uns, wie ihr ganz richtig mitteilt, „in bewährter Weise“ unterstützt. Tatsächlich nehmen wir auch „freudig zur Kenntnis“, wie ihr unsere Sammlung „um ein prickelndes Motiv“ bereichert. Auch wenn wir keine Ahnung haben, was so ein „Tray“ eigentlich ist, so wollen wir doch ganz viele davon kaufen und trinken. Aber dass ihr meint, „gerade rechtzeitig“ mit dem neuen „Uffstiegsschoppe“ ums Eck zu kommen, ist uns am Tag nach der Klatsche in Paderborn dann doch wirklich ein Rätsel.
Entschuldigung, dürfte ich bitte zuerst aussteigen? Das ist die höfliche Variante. Man lässt die Leute zuerst aussteigen, bevor man einsteigt. Sagt der Oberlehrer. Lassen Sie mich durch, ich bin Chirurg. Ruft der Humorist. Weg da! Schreit der Flegel. Aber das, was der Mann am Südbahnhof verkündet, weil ihn die Menschen kaum aus der Bahn raus lassen, geht dann doch zu weit: „Ihr kommt alle ins Krematorium!“
„Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ So spricht der Vater. Was das heißen solle, fragt der Filius. Soll heißen, spricht der Vater: Verjucke, was du hast, auf Erden, denn wenn du hinüber bist, dann hast du nichts mehr davon. Blöder Spruch, sagt der Sohn. Unverständlich. Am Abend präsentiert der Sechsjährige dann seine eigene, kindgerechte Version: „Das letzte Stück Kuchen hat keinen Schokoguss.“ Stimmt. Genauso isses.
Die drei Radfahrer am Cityring sind erschüttert. „Das gibt’s doch gar nicht …“ Der Lieferwagen fährt einfach in die Berger Straße rein. Gegen die Einbahnrichtung! Immerhin, das muss man ihm lassen, ganz ordentlich mit Blinker. Trotzdem: „So was!“ Die Empörung wächst, man ist ernsthaft erschüttert. „Die Autofahrer nehmen sich auch immer mehr raus.“ Der vierte Radler, der gerade auch noch dazukommt, meint nur: „Na ja, das haben sie ja wohl von uns gelernt.“ Sagt’s und fährt einfach los, bei Rot über die Fußgängerampel. So was!
Aus aktuellem Anlass eine Huldigung des lange unterschätzten Buchstabens „U“, er ist in den Hintergrund geraten, seit es kaum noch U-Bootfahrer und immer weniger Usurpatoren gibt, nirgends mehr Usambaraveilchen blühen. Umso ungestümer unser Urschrei: Frankfurt hat jetzt eine unterirdische Ausstellungshalle! Ein echtes Useum!
Einen wunderschönen guten Morgen, wir melden uns heute direkt aus Ihrer möglicherweise noch benommenen Großhirnrinde und fragen gleich mal ganz forsch: Erinnern Sie sich noch an den 10. November? Nicht? War ja klar. Also: Der Iran erschütterte damals die Welt. Deutschland hatte einen Bundespräsidenten. Die Ära von Petra Roth war beendet. Die Eintracht verzauberte die Zweite Bundesliga. Der Rauscher war die schönste und beste Kolumne der Welt.
Es gibt also durchaus Dinge, an die sich bei aller Asche anknüpfen lässt.
Die Frankfurter Rundschau distanziert sich ausdrücklich von den Äußerungen einer Kantinenmitarbeiterin im Rauscher vom Rosenmontag, eine Bockwurst sei „eine kurze dicke“ und: „Die Rindswurst sind zwei lange dünne.“ Jedem anständigen Menschen ist klar, dass da etwas grundsätzlich nicht stimmt. So auch dem FR-Leser S., der seinen Senf dazugibt und mit ernsten Konsequenzen droht. Da es hier um die Wurst geht: Ja, die Rindswurst ist kurz und dick, Frankfurter sind zu zweit und lang. Alles andere wäre ja wohl ein Witz.
„Was ist denn der Unterschied zwischen der Bock- und der Rindswurst?“, will die Kantinenkundin wissen. „Die Bockwurst“, antwortet die ebenso freundliche wie kompetente Verkäuferin, „ist eine kurze dicke. Die Rindswurst sind zwei lange dünne.“ Ach, wenn doch alle Menschen so klar und deutlich und einfach und ehrlich wären!
Man kann morgens beim Duschen das Wasser zunächst ein ganz kleines bisschen aufdrehen und dann den Hebel betätigen, der das Nass vom Badewannenzulauf weg- und zum Duschschlauch hinführt. Das geht durchaus. Dann wechselt das Wasser völlig geräuschlos die Richtung. Man kann aber auch das Wasser gleich volle Pulle aufdrehen und dann den Hebel reinhauen – ZACK! Dann ist um 5.30 Uhr das ganze Haus wach. Danke, Nachbar
Verbittert hat sich die Generation 30plus daran gewöhnt, dass immer mehr Teile des Internets in unser Leben und Werk eindringen. Wir können ihn nicht stoppen, den Fortschritt, wir wollen es auch gar nicht, nur manchmal noch versetzt er uns ins Staunen. Gestern etwa, als eine Dame vom Rhein den Doppelnamen (von der Redaktion geändert) ihrer Kollegin schön langsam zum Mitschreiben in den Telefonhörer diktierte: „Auguste Schnippensiebler MINUS Bohauzke“. Oder reden die da alle so an Weiberfastnacht?
Jahrelang lebte der kleine Mann in der sicheren Gewissheit, die Schule, die nicht nur neben dem Zoo, sondern auch direkt neben seinem Kindergarten steht, sei die „Schreihälsen-Schule“. Diesen Namen hatte er nach ein paar Wochen im Kindergarten selbst erfunden, vermutlich nach eingehender Betrachtung des dortigen Schulhofs zu Pausenzeiten, und er hielt sich bis heute. Jetzt geht der Junge selbst bald in die Schule, und er hat dazugelernt. „Die heißt gar nicht Schreihälsen-Schule“, verbesserte er jetzt den Papa am Frühstückstisch, „die heißt in Wirklichkeit Gaga-Gymnasium.“ Auch nicht schlecht. Eigentlich sogar noch ein kleines bisschen besser.
Ich habe es nie bereut, nicht bei Facebook zu sein. Auch nicht, als die Gruppe „Nur Graf Zahl darf den Kragen hochklappen“ gegründet wurde. Die ist witzig, aber die Leute dort kommen auch ohne mich klar. Am Dienstag aber, einen Tag nach dem brutal ungerechten Remis unserer Eintracht in Düsseldorf, war ich ganz kurz davor, mich doch noch anzumelden. Nur für die Mitgliedschaft in einer einzigen, neu gegründeten Gruppe: FC Fallsucht Düsseldorf.
„Betreten der Eisfläche verboten!“ steht auf dem Schild im Palmengarten. „Nein, ihr dürft nicht näher an die Enten ran – das ist zu gefährlich“, ermahnt deshalb die Mutter ihre Kinder. Dumm nur, dass kurz darauf eine Gruppe Erwachsener an ihr vorbei aufs Eis hinausschlittert. Stummer Vorwurf aus vier großen Kinderaugen. Die Mutter überlegt kurz, dann die rettende Erklärung: „Wisst ihr, die können halt nicht lesen.“
Lieber Busfahrer (Linie 38)! Eines Tages werden Sie spätabends hundemüde aus dem Panoramabad kommen. Wie ich in der vergangenen Woche. Sie werden sehen, dass der Bus an der Haltestelle steht, und hinsprinten. Wie ich. Sie werden den Fahrer durch demütige Gesten anflehen, die Tür noch einmal zu öffnen. Wie ich. Aber der Busfahrer wird hämisch grinsen und Gas geben. Wie Sie. Ich wünsche es Ihnen so sehr.
Was können Kinder heutzutage überhaupt noch zufriedenstellend? Jungen und Mädchen aus hessischen Grundschulen haben nach Erkenntnissen der Polizei Schwierigkeiten, sich auf dem Fahrrad zu halten, sie brauchen Nachhilfe bei der Verkehrserziehung – und von den schulischen Leistungen soll gar nicht erst die Rede sein.
Aber Kinder von heute fahren eben auch nicht mehr mit dem Fahrrad. Im Kleinkindalter besitzen sie ein Bobbycar, wie wir neuerdings aus den höchsten bundespolitischen Kreisen wissen. Als Schulkinder lassen sie fahren – Mama oder Papa mit dem Auto bis vor das Schultor. Also, Erwachsene, was wollt ihr eigentlich noch?
Mensch, danke, Easy Apotheke! Für Deine Mail mit dem Gutschein, gültig „bis einschließlich 14.2.!“, der mir ein tolles Geschenk verheißt: „1 Packung Tee, verschiedene Aromen (nicht auswählbar), solange der Vorrat reicht“ – sage und schreibe „3 Aufgussbeutel“. Ich weiß gar nicht, ob ich das alles annehmen kann.
Wenn man in der Bäckerei einen Laib Brot bestellt, und die Bäckersfrau nach kurzem Blick auf den Kunden die Frage „Zum Mitnehmen oder Hieressen?“ stellt – dann sollte man vielleicht ein bisschen an seinem Erscheinungsbild arbeiten.
Natürlich – es ist total albern. Geradezu kindisch. Normalerweise hört man mit sowas auf, wenn man aus dem Kindergarten kommt, so doof ist das. Und sehr bald werden wir uns diesem Thema auch wieder ernsthaft widmen. Sie kennen uns, wir sind durchaus in der Lage, uns seriös mit Naturthemen zu beschäftigen, ja, Naturthemen sind hier besonders gut aufgehoben. Daher lesen Sie bei uns auch in Kürze alles Wichtige über die nächste große Ausstellung im Senckenberg-Museum. Heute aber erst mal nur den Titel (hihi!): „Faszination Spinnen“.
Danke, Deutsche Bahn. Durch eure nicht mehr ganz so neuen Raucherbelästigungsmaßnahmen habt ihr es tatsächlich erreicht, dass ein seit seiner Jugend Süchtiger einen ganzen Tag rauchfrei erleben konnte. Spaß hat’s ja keinen gemacht, aber gesund war es sicherlich. Dafür merci vielmals. Dass ihr es aber gleichzeitig schafft, dem sechsjährigen Mitreisenden, der ohnehin keiner kulinarischen Orgie abhold ist, sage und schreibe vier Lollis und drei Schokoriegel zuzustecken – das ist allerhand. Auch gut, dann sind wir wieder quitt.
ThermofrostWas für ein Gejammer. Kaum ist es mal ein paar Grad unter Null – schon bricht die Panik aus. Alles Weicheier. Der Außenfühler vom Thermometer meldet doch gerade mal minus 12. In Mühlheim ist eine Meise festgefroren? Meine Rede – wahrscheinlich in einem Weichei ausgebrütet. In einer Woche ist es doch eh wieder vorbei mit kalt. Wie? Das Thermometer ... ? Funkstille von draußen, ihm ist zu kalt. Jetzt wird’s ernst.
Ganz sanftDas ist so schön, dass uns die Tränen kommen und auf den Wangen festfrieren. Da saß in Mühlheim bei Offenbach eine Blaumeise regungslos mitten auf der vielbefahrenen Gass’. Das fiel zwei Streifenbeamten auf. Die ermittelten, dass die Vogelfüßlein festgefroren waren. Sie lösten das zitternde Tier vom Asphalt, wärmten es im Wagen, bis es sich erholte. Ganz sanft, gewiss haben sie ihm lieb zugeredet. Gleich müssen
Eine Facette des Winters wird oft übersehen: Die Menschen sind in ihren Mänteln und Pullovern derart breit, dass man sie auf herkömmlichen Rolltreppen praktisch nicht überholen kann, ohne sie zu berühren oder anzusprechen. Oh lala, diese Winterzeit! So was schafft der Frühling freilich ganz ohne Jacke.
Sicher, was das Maskottchen des brasilianischen Fußballvereins Ceará gemacht hat, ist unschön. Man belästigt nicht die Fans der gegnerischen Mannschaft mit obszönen Gesten. Deshalb ist es richtig, dass der brasilianische Fußballverband das Maskottchen für zwei Spiele gesperrt hat. Auf der anderen Seite: Mal angenommen, Eintracht-Adler Attila flöge in die gegnerische Fankurve und würde den Herrschaften mit ein paar Flügelschlägen klarmachen, dass man nichts Böses gegen unsere Mannschaft sagt – das hätte schon was.
Den ganzen Tag haben wir gestern gebangt und gebibbert am sogenannten Transferfenster der Fußball-Bundesliga, ob er zu unserer Eintracht kommt: der Patrick Helmes aus Wolfsburg. Als es dann zu war, das Fenster, um 18 Uhr, die bittere Gewissheit: Nö. Aber was soll’s. Wer wird denn deshalb gleich mit halben Bratwürsten um sich werfen.
Die drei Radfahrer am Cityring sind erschüttert. „Das gibt’s doch gar nicht…“ Der kleine Lieferwagen ist einfach in die Berger Straße reingefahren. Gegen die Einbahnrichtung! Immerhin hat er ordnungsgemäß den Blinker gesetzt. „So was!“ Die Empörung wächst. „Die nehmen sich auch immer mehr raus.“ Gemeinsam überlegt man, was zu tun ist. Anzeige? Sitzblockade vor dem Auto? Da kommt ein vierter Radler dazu und meint nur: „Naja, das haben sie ja wohl von uns gelernt.“ Sagt’s, und fährt bei Rot über die Fußgängerampel.
An Frankfurter Maßstäben gemessen ist das natürlich ein Klacks, gar nicht groß der Rede wert. Man könnte allenfalls ein Geschoss des Stadthauses in der Altstadt errichten. Das Museum der Weltkulturen vielleicht um einen Wintergarten erweitern. Ein paar Löcher stopfen und offene Rechnungen bezahlen. Gut, der Eintracht diesen Helmes kaufen, das ginge schon. Gerade so. Aber sag doch mal, verehrter Unbekannter, der du nach Medienberichten vom Freitag der Stadt Marburg einfach so und ungefragt vier Millionen Euro geschenkt hast: IST DA NOCH MEHR?
Schon in Ordnung, wenn du zwanzig Minuten in der Apotheke stehst und wartest, bis du dran bist, weil die beiden Kundinnen vor dir mit den beiden Apothekerinnen wirklich ernste Sachverhalte zu klären haben. Eine anständige Krankheit braucht eben eine seriöse Erörterung. Wenn aber neunzehneinhalb Minuten nach dir ein weiterer Kunde in die Apotheke tritt, der ersten frei werdenden Apothekerin sein Rezept gibt und deinem Protest mit den Worten begegnet: „Sie stehn doch an de annern Kass“ – da musst du schon kerngesund sein.
Hallo, Gold-Adam auf der Zeil. Sie wollen also unser Gold. „Wenn Sie Ihr Gold verkaufen“, lesen wir in Ihrem Schaufenster, „recyceln Sie. Recyceln schont die Natur.“ Die liegt uns auch schwer am Herzen. Darum möchten wie Sie gerne davon in Kenntnis setzen, dass wir in der Lokalredaktion eine Altdiamantensammelstelle (erster Tisch links) eröffnet haben. Durch ein neues Verfahren können wir feste Kohlenstoffe flüssig machen. Wir recyceln gerne, auch Ihre gebrauchten Geldscheine, und zwar nachhaltig, darauf unser Wort.
Heute erreicht uns der „Diskussionsbeitrag eines Oberräders“, der hier ausnahmsweise ungekürzt wiedergegeben werden soll. Schließlich steht er unter der Überschrift „Unerhört!“ Und tatsächlich: „So ein Mist“, schreibt der Oberräder, „ich hör hier kein Fluglärm! Vor lauter Autos, Busse und Baumaschine.“ Wir denken schon oh weh, da setzt er hinzu: „Wohne halt am Buchrainplatz, meine Freundin an der Friedberger Landstraße und die Eltern am Schaumainkai.“ Und da bleibt so eine vierstrahlige Boeing 747 natürlich auch mal unerhört.
Hier die drei besten Anmach-Sprüche der Kampagne, exklusiv für FR-Leser!
Platz 3: „Hoppla, in was für ein hübsches Rettungsboot bin ich denn da gefallen?“ (Verkleidung: Kapitän).
Platz 2: „Ich möchte nicht Präsident eines Landes sein, in dem man bezahlen muss, wenn man in einem fremden Bett aufwacht!“ (Verkleidung: Präsident).
Platz 1: „Guten Abend, mein Name ist Uwe Becker, darf ich Ihnen vielleicht einen ausgeben?“ (Verkleidung: Stadtkämmerer, nur im Hemd).
Gutes Gelingen!
Wachsam bleiben, liebe Freunde! Nur weil im Moment auf dem Sektor des Frittiergebäcks alles gut ist, muss das noch lang nicht so bleiben. Allzu wach ist noch die Erinnerung an das vergangene Jahr. Gott, war das schlimm, als die Frau in der Bäckerei auf der anderen Straßenseite sagte: „Kreppel haben wir nicht das ganze Jahr. Die sind Saisonware.“ Kreppel. Saisonware. Was für ein Schock. Damals beschlossen wir, uns nicht mehr alles gefallen zu lassen. Wir wollen Kreppel. An 366 Tagen im Jahr. Wenn Sie auf unserer Seite sind, treten Sie unserem Klub bei.
Pottstolz erzählt der kindergartenaltrige Bub in der S-Bahn seiner Mama vom Sport: „Wir haben Basketball gespielt. Mann war das gut. Und ich kann das schon, das müsstest du mal sehen. Ich glaube, wenn ich groß bin, werde ich mal Basketballspieler.“ Mama ist tief beeindruckt und demonstriert einige Fachkenntnis: „Und dann habt ihr den Ball immer in den Korb geworfen.“ „Nöööö“, sagt der künftige Profi, „das geht doch gar nicht. Der ist doch viel zu hoch.“
Im Nordend, jeder weiß das, leben ordentliche Leute. Nie würden sie freitagabends als Feierbiester in Horden über ihre öffentlichen Plätze herfallen. Keineswegs würden sie ihren Kindern erlauben, in beschaulichen Cafés die Honigmilch in die falsche Richtung zu rühren (oder noch wildere Ausschweifungen), niemand dort würde auch nur ächzen, weil gefühlte sieben Jahre lang die Hauptverkehrsader zum Bau einer Tramlinie samt Installation von Laternen mitten auf Radwegen lahmliegt. Man weiß, was sich gehört im Nordend. Wo die Dinge hingehören. Folgerichtig also, dass an der Glauburgstraße jemand sein Heimtrainer-Trimmrad in den Hof gestellt hat: zu den anderen Fahrrädern halt.
In der Nachbarschaft hat jetzt einer dieser hochmodernen Bubble-Tea-Läden aufgemacht. Bubble Tea ist ein tee-orientiertes Erfrischungsgetränk aus Asien mit viel Zucker, viel Eis und jeder Menge Glibberblasen, die beim Lutschen zerplatzen und Kinder erschrecken können. Also exakt das, was der Hesse als Ferz mit Kricke bezeichnet. Trotzdem wird jetzt jeden Morgen ein Becherchen der überflüssigen Plörre gekauft. Weil man mittlerweile schon dankbar ist, wenn es sich bei einer Geschäftseröffnung in der Nachbarschaft mal nicht um ein Wettbüro, eine Spielhölle oder ein Nagelstudio handelt.
Bei allem Verständnis für die neu erwachte Lust des Bürgers am Protest: Man sollte doch ein bisschen Maß halten in seiner Rage! Da treffen sich nun Montag für Montag Tausende Menschen am Flughafen und fordern: „Die Bahn muss weg!“ Überlegt doch mal, Leute: Ja, die Bahn ist zu voll, ja, sie ist unpünktlich, ja, sie verwirrt uns mit sibyllinischen Durchsagen, und ja: Bahnfahren ist teuer. Aber deshalb zum Flughafen zu gondeln und ausgerechnet dort für die Abschaffung der Bahn zu demonstrieren: Sacht ma – hab ich da was nicht kapiert?
Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Während es bei uns nur trockene Brezeln gibt, nach denen Plastikbier-Bottiche der einzige Ausweg sind, das Kommerzkonzert zu überstehen, haben die: Currywurst, Burger, Caipirinha, und The Roots (schon lange her). Aber dafür halt leider auch: Marianne Rosenberg, den Fehlerteufel Bastian Sick und Gäste, die vom Klo kommend ungefragt verkünden: „Nicht dass ich verdächtigt werde, mir nicht die Hände gewaschen zu haben, ich komme von der Toilette mit Waschbecken.“ Offenbach ist auch nicht mehr so gangster wie’s war.
Zugegeben, anfangs haben alle Kollegen T. ausgelacht. Weil der seine Computer-Tastatur, auf der in seiner Abwesenheit Krethi und Plethi rumhacken, mit einer Art Schreib-Kondom gesichert hat. Also einer Klarsichthülle, durch die man die Buchstaben zwar noch drücken, aber nicht mehr verseuchen kann. Doch, sowas gibt’s. Kann man kaufen, kann man aber auch selber machen. Mit Klarsichtfolie zum Beispiel. Es lohnt sich. Denn, das ist das Allertollste: es funktioniert. Seit etwa zwei Wochen ist die Tastatur nicht mehr erkältet gewesen. Jetzt lacht keiner mehr.
Die Rocker der Hells Angels gelten gemeinhin als wilde Kerle, die weder Tod noch Teufel fürchten. Aber selbst die härteste Nuss hat eine Sollbruchstelle. Und so rang ein wichtiges und hohes Mitglied eines derzeit verbotenen Frankfurter Charters am Freitag vor dem Amtsgericht, wo er wegen unerlaubten Messerbesitzes erscheinen musste, sichtlich um Fassung. „Geboren sind Sie in Offenbach“, hatteder Richter gesagt. „Um Gottes Willen: Frankfurt!“, ächzte der Rocker. Die Geldstrafe nahm er dann wieder gelassen hin.
Ihr Leben ist fad und anthrazit? Drei Wochen seit der Wintersonnenwende, und immer noch ist es morgens finster, wenn Sie hinausgehen, abends finster, wenn Sie heimkehren, und dazwischen eigentlich auch? Hey, machen Sie Ihre Umgebung doch durch einfache Vokalverschiebung bunter! Unser Tipp heute: Das u hüpft sieben Stellen nach hinten – Holzhasenstrauße.
Claus Theo Gärtner darf alles. Und wir meinen wirklich ALLES. Neulich zum Beispiel – CTG hatte beim Joggen das Grüngürteltier getroffen und erlegt – wollte er zur Feier des Tages die Familie zum Kuchen einladen. Also ging er ins Café Sahnesteif – mit Kindern. Und natürlich bekam er den besten Platz.
Claus TheoÜber Chuck Norris kursieren jede Menge Geschichten im Internet. Eine davon besagt, dass der Großmeister des Roundhouse-Kick mal eine Gastrolle in „Ein Fall für Zwei“ übernehmen sollte. Norris hat seinerzeit abgelehnt. Das Drehbuch sah vor, dass er in einer Szene Claus Theo Gärtner (alias Matula) verprügelt. „Fantasy mach’ ich nicht“, sagte Norris und blieb zu Hause. Die Wahrheit ist: Claus Theo Gärtner ist der einzige Mensch, der Chuck Norris Angst macht. Claus Theo Gärtner hat auch mal den Yeti getroffen. Seitdem hat er seine Lederjacke.
LateinEs gibt Stimmen in einer zuletzt stark schrumpfenden Partei, die wollen die Kommunale Ausländervertretung am liebsten abgeschafft sehen. Aber da rufen wir: Perfer et obdura, KAV! (Halte durch und sei hart, KAV!) Immerhin kümmerst du dich nun sogar auch um jene Ausländer, die es nicht mehr gibt, und überschreibst Anträge deiner neuesten Tagesordnung wie jenen zum Bolzplatz im Gallus mit lateinischen Wendungen wie „Panem et circensis“ (Brot und Spiele). Wir verstehen bloß nicht, was die Kinder beim Kicken mit Brot anfangen sollen. Aber das ist nun wahrlich kein Grund, dich abzuschaffen.
RabattRichtig einsichtig ist er nicht, der Kollege, der auf dem Fahrrad ohne Licht fuhr („nur das eine Mal“) und Kopfhörer trug („das bisschen Musik stört doch nicht“). Immerhin geriet er an einen Polizisten, der milde gestimmt war. Die Sache mit dem Kopfhörer vergesse er jetzt mal, sagte der Beamte, und für das fehlende Licht berechne er nur zehn Euro, obwohl deutlich mehr möglich wäre. Und der Kollege? Sagte: Danke? Mitnichten. In Bayern, wo er herkomme, hätte er für die Vergehen richtig viel zahlen müssen, tönt er. Dafür hätte er aber ein echtes Feindbild gehabt. Recht machen kann man es dem Kollegeneher nicht.
„Sie haben ein Problem“, beginnt der ganz nette alte Mann in der S-Bahn das Gespräch. „Äh, wie bitte?“ „Ihre Tonsur ist Ihr Problem“, sagt der merkwürdig ungehemmte Alte. Meint der etwa die Stelle aufm Kopf, wo nicht mehr ganz so viele Haare wie früher wachsen? „Sehn Sie mich an“, sagt der reichlich aufdringliche Mitfahrer und lüpft die Kappe, unter der allerdings ein üppiger grauer Haarschopf erscheint: „Volles Haar mit 80! Das liegt an den Vitaminen und sonst nichts. Sollten Sie auch essen.“ Der unverschämt eingebildete Kerl ist im Gallus ausgestiegen, leider zu früh! Ich hätte ihn gerne fertiggemacht, mir ist aber einfach nix Cooles eingefallen.
Es sind Tage wie diese, an denen das junge Jahr da draußen grau ist und stürmt und niemand sich auf die Straße wagt, wenn es denn nicht unbedingt sein muss, da sich die ganz grundsätzlichen Fragen stellen. Darf man also eigentlich immer noch ein frohes neues Jahr wünschen? Oder muss es jetzt langsam heißen: nachträglich ein frohes neues Jahr? Und warum überhaupt froh, kann uns doch piepegal sein, ob das Jahr froh ist? Muss es nicht also ein froh stimmendes neues Jahr heißen? Oder einfach: Ich wünsche dir ein neues Jahr. Und mir. Uns allen ein neues Jahr.
Vom Amerikaner Calvin Cordozar Broadus Jr. ist bekannt, dass er als Kind häufig die Peanuts geschaut hat, weshalb seine Mutter ihm den Spitznamen Snoop verpasste. Noch bekannter ist, dass er als Snoop Doggy Dogg später ein weltberühmter Rapper wurde, dazu steinreich, ständig bekifft und frauenumschwärmt. Warum er neuerdings als Sicherheitsmann bei Kaufhof am Eingang steht, weiß also kein Mensch. Ist aber so verrückt nun auch wieder nicht: Der Rapper Bushido spielt ja auch als Benjamin Köhler bei Eintracht Frankfurt.
Sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff, uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie gerne bei Zeitungen anrufen und Chefredakteure ausschimpfen. Falls Sie unsere Nummer gerade nicht parat haben: 069/2199-0 wählen und gleich zum Chef durchstellen lassen. Falls der verhindert sein sollte, haben wir hier noch einen unartigen Fotografen und einen stinkfaulen Redakteur, die ebenfalls Ihrer Lesung der Leviten harren. Wenn mal wieder alle im „Pudelkönig“ rumhängen sollten, hinterlassen Sie uns bitte einfach eine Nachricht auf der Mailbox. Wir sagen’s auch nicht weiter.
Auch schon von diesem allerneuesten Trend gehört? Vom nächsten großen Ding, das 2012 wirklich alles verändern wird? Mit dem mal wieder alles noch leichter wird und noch schöner und noch größer? Nicht?? Wir auch nicht. Kommt aber bestimmt. So sicher wie das nächste Silvester.
„Isch feier ka Silvester“, informiert einen der mürrische Hesse ungefragt am Silvesterabend an der Trambahnhaltestelle. „Isch bekomm am erste Januar alles abgebucht. Kerl, was soll isch denn da feiern?“ Zugegeben, das klang an jenem Abend etwas misanthropisch. Aber aus heutiger Sicht muss man sagen: Der gute Mann hatte vollends recht.
Das heute endende Jahr lässt sich präzise in zwei Hälften unterteilen; in der einen ging es vor allem um Entschuldungen (Griechenland und so), in der anderen um Entschuldigungen (Guttenberg, Wulff und so). Da das mit der Entschuldung ja eh nichts wird, wollen wir also künftig öfter mal Entschuldigung sagen. Für was auch immer. Sorry.
Ich habe gefehlt! Deine Rede sei Ja, Ja und Nein, Nein verlangt die Bibel, wie aber war meine Rede? Noch ein Stück Fleisch? Ja, Ja. Ein Löffel Pudding? Ja, Ja. Ein bisschen Kuchen? Ja, Ja. Ein Gläschen Roten? Ja, Ja. Marzipankartöffelchen? Ja, Jaaaa. So kann, so darf es nicht weitergehen! Eine Geburtstagsfeier noch und Silvester freilich, dann aber …
Ja, Ja, sagen die Kollegen.
So, und zum Jahresende noch mal alle auf dich, Unitymedia. Bist zwar nur ein Kabelfernsehanbieter und uns insofern herzlich egal, aber wenn man sich dann doch mal auf dich einlässt: nichts als Ärger. ARD? Weg. ZDF? Grisselig. Bundesliga mit Sky? Absolute Katastrophe. Das ist alles ziemlich frech. Und muss 2012 ganz dringend besser werden.
Wie sich nun aus den geheimen Römer-Akten ergab, hat der Stadtkämmerer am Heiligen Abend nochmals die kommunalen Finanzen geprüft. Sein Kopf soll sehr rot geworden sein dabei. Später war dann ein mysteriöser Lichtschweif über der Stadt zu sehen. Von wegen Raketenschrott. Oder hat jemand Uwe Becker gesehen?
Fraa Rauscher gönnt sich einen Schluck, denn das Jahr neigt sich dem Ende zu. Ein gutes Jahr? Äh … Fluglärm verhundertfacht, Eintracht abgestiegen, Momo kündigt Dschungelcamp-Teilnahme an. Aber zumindest eine gute Nachricht gibt es: Wie die Bild-Zeitung berichtet, wird OB Petra Roth wieder Oma. Na dann: Hoch die Tassen.
Warten Sie kurz einen Moment, dann nehme ich mein Auge zur Seite und mache Platz für Ihren Regenschirm. Kein Problem. Gern geschehen. Wir wollen doch freundlich miteinander umgehen, hier oben am Ende der Rolltreppe. Ist ja Platz genug für uns alle. Muss man nicht weitergehen, nein, nein. Vielleicht räumt die Rolltreppe ihrerseits das Feld. Wer weiß. Könnte sie ruhig mal machen. Vor Weihnachten an der Hauptwache scheint schließlich alles möglich.
Viele, viele Jahre hat sie mit dem alten Mailprogramm gearbeitet. Sie hat damit schöne Nachrichten empfangen, traurige, lustige und solche, die gar nicht für sie bestimmt waren. Nun stellt ihre Firma um. Von heute an soll sie mit einem neuen Programm arbeiten. Die alte Ansicht – das Erste, was ihr der Computer jeden Morgen anzeigte – ist Geschichte, sie wird sie bald nie wieder sehen. Als der Kollegin das klar wird, nimmt sie ihr Handy und fotografiert den Bildschirm. Irgendwie rührend.
Heute stand sie wieder da und rührte sich nicht. Als die Menschen das sahen, machten sie kehrt, wandten sich ab, eilten in die andere Richtung, hin zur Mörfelder Landstraße. Als gelte es, sie zu fliehen, die da nur stand in ihrer ganzen Länge. Sie steht ja oft am Südbahnhof. Manchmal bleibt sie stur und starr, wenn man auf sie zugeht. Aber heute fuhr sie dann doch brav los, die lange Rolltreppe von der U-Bahn hinauf zum Diesterwegplatz. Man muss ihr halt vertrauen. Auf sie zugehen. Dann nimmt sie einen mit. Manchmal.
„Blickste noch dorsch?“, fragte einst der Redakteur K. jeden, der mal wieder versunken ins Nichts stierte. Ja, liebe Freunde des erschöpft sich über die Ziellinie Rettens, um diese Jahreszeit werden sie häufiger, die besinnlichen Momente, in denen der Mensch innehält und denkt: Ich könnte sowieso mal wieder meine Brille putzen und auch sonst an meiner Außenwahrnehmung arbeiten. Etwa wenn Ihre Frau zu Ihnen sagt: „Horst, dass ich seit drei Tagen ein Nasenpiercing trage, ist dir wohl entgangen?“
Keineswegs werden Sie solche Schnitzer auszubügeln versuchen, indem Sie ihr sagen, diese neue Hose stehe ihr gar zu gut. Denn diese Hose trug sie dann garantiert auch schon vorige Woche, und neu ist sie sowieso nicht. Aber ganz abgesehen davon – ist Ihnen eigentlich mal aufgefallen, dass unsere Fraa Rauscher hier unten rechts, und zwar nicht erst seit heute, sondern schon seit Samstag, eine Nikolausmütze trägt?
Gut, liebe Ebbelweifreunde, in Ordnung: Es gibt da offenbar ein Missverständnis. Vorige Woche informierten wir an dieser Stelle über den richtigen Gebrauch des Begriffs Gespritzter. Hauptargument war: Es ist sinnlos, den Begriff Sauergespritzter zu verwenden, unter anderem deshalb, weil ja schließlich kein Süßgespritzter existiert. Nun erreichen uns zahlreiche Zuschriften von Leuten, die das Gegenteil behaupten, nämlich dass sie Süßgespritzten mit eigenen Augen gesehen hätten. Dazu ist zu sagen: Mag sein. Aber wir reden hier über Flüssigkeiten, die man trinken kann. Süßgespritzter zählt nicht dazu. Prost.
War eine harte Woche im Rauscher. Am Montag der Text über den Rammstein-Fan in der S-Bahn, der nur Leute aussteigen ließ, wenn sie versicherten, brechen zu müssen. Oder gestern: Der Besucher einer Weihnachtsfeier haucht einem Polizisten ins Gesicht, nachdem er Schnitzel mit Kraut gegessen hat. Harter Stoff. Deshalb heute was fürs Herz: Am Freitag haben die Kinder der Kirchnerschule in der U-Bahnstation Bornheim Mitte Weihnachtslieder gesungen. Es war entzückend, manche Zuhörer hatten Tränen in den Augen. Auch das ist Frankfurt. Danke.
„Wann haben Sie zuletzt Alkohol getrunken?“, fragt der junge, freundliche Polizist nächtens am vollgesperrten Anlagenring. „Gerade eben. Ein kleines Pils und vorher nur Alkoholfreies“, ist die wahrhaftige Antwort. „Dann hauchen Sie mich mal an!“ Nun, die schöne Müllerin hatte bei der Weihnachtsfeier ein krautgefülltes Hessenschnitzel mit Apfelweinsößchen serviert – besser natürlich als eine Pizza Thunfisch, Doppelknobi, aber …
„Vielen Dank, gute Fahrt und schlafen Sie gut“, sagt der Held dieser Nacht. Respekt!
Und wie der wieder aussah. Unmöglich. Hat sich aber auch ordentlich volllaufen lassen. Mein lieber Scholli. Und dann natürlich gleich wieder der Dings hinterhergestiegen. Die tut ja echt alles für ’ne Gehaltserhöhung. So eine blöde Gans. Apropos, ganz schön zähes Mistvieh gewesen. Knusprig ist was anderes. Und dann auch noch alles selbst zahlen müssen. Schon frech. Bei dem ganzen Unsinn, den man sich den ganzen Abend vom Chef anhören muss. Na ja. Aber schön war sie ja schon, die Weihnachtsfeier.
Zum Live-Cooking eingeladen – was wohl Kochen meint. Der Vorteil: Live-Cooking ist besser als eine Video-Aufzeichnung des Mahlzeit-Zubereitings von gestern. Oder als Live-Aufwärming. Oder als Live-Mikrowelling. Der Nachteil: Von Live-Essing ist keine Rede. Ganz ohne Englisch-Spreching: Lass mer doch mei Ruh’. (Übersetzt: Beenden Sie das Live-Belästiging.)
Was macht die Welt plötzlich für einen entsetzlichen Krach. Nie zuvor habe ich den Motor meines Rollers so laut erlebt. Zumindest nicht während der Fahrt. Und nie hörte er sich so hell an, fast kreischend, wie ein Ferrari im zweiten Gang. Ich bin beunruhigt, fahre aber weiter. Aber woher kommt bloß dieser scharfe Wind, der mir um die Ohren bläst? An der nächsten Ecke gestikuliert ein Mann auf dem Bürgersteig, ruft mir was zu. Ich verstehe ihn nicht, ich fahre weiter. Nach wenigen Minuten endet die seltsame Fahrt vor meiner Haustür. Als ich meinen Helm verstauen will, bemerke ich, dass ich heute gar keinen trage.
Einfache Regel in der überfüllten S-Bahn: Aussteigen darf nur, wer brechen muss. So sagt es der breite, glatzköpfige Typ an der Tür. Wie fast alle Fahrgäste kommt er vom Rammstein-Konzert in der Festhalle. Nun singt er Frère Jacques. Nicht von Rammstein, aber ein Klassiker. Ich will aussteigen. Er fragt, was er immer fragt, ich nicke: „Ja, brechen.“ Verhängnisvolle Nachfrage: Auch beim Konzert gewesen? Nein. Der Dicke wird wild, packt mich von hinten. Ich komme nicht raus. Ausstieg abgebrochen.
Prometheus, so sagt man, wurde von den Göttern an einen Felsen gekettet, weil er den Menschen verbotswidrig das Feuer schenkte. Zur Strafe schnabuliert ein Adler täglich an seiner Leber. Wir finden das ungerecht und übertrieben, weil Feuer auch ganz nützlich sein kann. Vorschlag, Götter: Macht Prometheus mal frei und schmiedet stattdessen die Erfinder der „Energiespar-Glühlampe“ an den Schmerzensfelsen. Als Rache für die ewige Finsternis, die uns allmorgendlich vor dem Rasierspiegel umnachtet. Besten Dank im Voraus!
Freunde – ein für alle Mal: Es heißt Gespritzter. Nicht Sauergespritzter. Beim Ebbelwei gibt es nur zwei Möglichkeiten: gespritzt oder pur. Sauer ist er sowieso. Noch saurer wird er durch Mineralwasser ganz sicher nicht. Und wenn es einen Sauergespritzten gäbe, müsste es ja auch einen Süßgespritzten geben. Es existiert aber nun mal kein Süßgespritzter. Fragen Sie mal den Herrn Schankwirt.
Guten Morgen, Daniella Baumeister (HR1). Wir haben gerade den Frankfurt-Krimi „Robin Tod“ von Gerd Fischer, erschienen im Mainbook Verlag, auf dem Nachttisch liegen. In dem ermittelt Kommissar Andreas Rauscher in – Überraschung! – Frankfurt am Main. Auf dem Cover prangt Ihre Kurzkritik: „Rauscher ist ein netter Typ.“ Sie aber auch, liebe Frau Baumeister.
Am größten ist unser Spaß immer, wenn der Mensch in einer gewöhnlichen Situation mit einer ungewöhnlichen Reaktion aufwartet. Also jubelten wir jüngst lauthals, als wir in der Pizzeria anriefen, zwei belegte Teigscheiben bestellten, einmal die mit Peperoniwurst und dann noch die Tonno, und als wir dann fragten, wie lang das wohl dauern werde – und der Pizzameister antwortete: „Da möchte ich mich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht festlegen.“
Schee war’s: am Wochenende, die Enkelchen zu Besuch. Immer aufgeweckt, immer neugierig, die Bande. Fragen nach allem und jedem und wie’s früher war. Und dann wollen sie wissen, was denn das für ein nasses Zeug sei, das da neuerdings vom Himmel fällt. Und sind ganz beeindruckt, dass das früher von Sommer bis Winter und Winter bis Sommer so war, das mit dem Regen. Nächste Woche gibt’s Wetterkunde Teil zwei. Dann kommt die Tante mit dem Bettenfimmel und den weißen Flocken dran.
In einem Kapselkaffeeladen in der Goethestraße gibt es jetzt kafkaesk teure Reisetäschchen für Kaffeemaschinen zu kaufen. Für alle, die nicht ohne ihr Kaffeemaschinchen verreisen mögen. Als der Frankfurter Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch vor gar nicht langer Zeit die steile These aufstellte, demnächst würden die Leut’ noch Techtelmechtel mit ihrem Toaster oder so beginnen, hat man ihn ausgelacht. Aber das Gelächter von Narren war schon immer die Begleitmusik von Genies.
Der Kerl, der heute 20 Minuten lang den U-Bahn-Waggon mit seinem Mobiltelefon vollquasselte, brachte wieder einmal die alte Weisheit an den Tag: Fast jede Entgleisung lässt sich verzeihen, trägst du auf Auto, Tasche oder Jacke einen Eintracht-Adler.
Geldvernichtung ist ja weltweit Thema. Wir in Europa wissen das. Aber das lässt sich auch prima auf privater Ebene machen. Mit der EC-Karte. Die hat einen goldenen Chip. Ist der geladen, hilft er am Fahrkartenautomaten oder im Parkhaus – münzlos. Aber dann kommt per Post die neue EC-Karte. Brav wird die alte mit der Schere zerschnitten – und weg ist der Restbetrag, so 22 Euro. Nix zu machen, sagt die Bank, muss man vorher entladen. Welcher Rettungsschirm hilft jetzt?
Das Schönste, was Lippen tun können, ist: küssen. Meint zumindest die Firma Labello, die Lippencreme herstellt. Und alldieweil ja eine „ausgedehnte Knutscherei oder ein kleines Bussi zwischendurch“ immer gehen und nirgendwo ungenierter gezüngelt wird als am Bahnhof, steht dort ab heute ein Lippenstiftcluster rum, „ein einzigartiges Kunstwerk“, quatsch, eine „einzigartige Installation“, der „Höhepunkt der ,Lippen lieben‘ -Kampagne“ und … also ehrlich: Das Schönste, was Lippen tun können, ist: schweigen.
Heute gilt es, eine Frankfurter Institution zu adeln, die sich inmitten des Konsums und der religiösen Verblendung ihr Profil bewahrt hat: den Brezel-Benno in der Neuen Kräme. Da mögen, jahreszeitlich bedingt, ringsherum die dollsten Buden aus dem Pflaster wachsen, mit Süßkram, eitlem Tand und Spezereien – der Brezel-Benno bleibt beim Kerngeschäft. Ein hölzern’ Hüttlein um seinen Traditionsstand aus Tisch und Plane, das hat er sich zwar gefallen lassen. Aber nur wegen des Weihnachtsmarkts die Angebotspalette erweitern, über Brezel, Haddekuche und Rosinenbrot hinaus? Darauf kann es nur eine Antwort hinterm Tresen geben: „Nö.“
Irgendwas ist anders an diesem Morgen. Die hr3-Moderatoren haben genauso schlechte Laune wie man selbst, reden lustlos wirres Zeug und haben am Vorabend offensichtlich dieselben Drogen eingeschmissen, die man selbst als Student so schätzte. Kein Gekrähe, kein kumpelhaftes Gekreische, keine bescheuerten Hörer, die anrufen und sich bescheuerte Musik wünschen. Seltsam. Und dann das: Das erste gespielte Lied ist weder von Lady Gaga noch von Coldplay! Ist man gar nächtens gestorben und im Himmel gelandet? Nö. Der kleine Sohn ist an den Radio-Regler gedotzt und hat aus Versehen „Radio X“ eingestellt. So bleibt’s jetzt auch!
Keine Butter im Haus, das heißt: kein Frühstück. Um die vier Ecken gibt es drei Läden, echt Luxus. Erste Anlaufstelle: der Kiosk, immer offen. Auch an diesem Morgen. Nur ist leider die Butter aus. Eine Ecke weiter: der Italiener. Aber leider noch zu. Hm. Also rein zum schnieken Feinkostgeschäft. BUTTER!?! fragt der Mann an der Theke, er verschnürt grade ein schniekes (Fress?) Päckchen. Dabei hat er welche, er fragt: gesalzen? Ich: nein danke. Er packt eine französische Butter ein. Um ihn milde zu stimmen, nehme ich auch ein Croissant. Macht irgendwas über vier Euro. Na, Hauptsache, das Frühstück geht los. Beim Biss ins Honigbrötchen wird klar: Die Butter ist doch gesalzen. Kein Wunder, bei den Preisen.
Schäm dich, ADAC! 30 Rodelbahnen hast du getestet und bewertet. Und zwar recht gestreng. Sehr gut: drei. Gut: vier. Der Rest: mau bis völlig panne. Aber wo bitte ist der legendäre Siegfried-Schuss am Feldberg-Gipfel? Der fehlt unentschuldigt. Trotz sehr guten Fun-Faktors.
Wie smart ist das neue iPhone wirklich? Dass die Spracherkennung die Frage: „Wie wird das Wetter morgen?“ erkennt und zufriedenstellend beantwortet – geschenkt. Dass es aber auf die mündlich vorgetragene ewige Menschheitsfrage „Was ist der Sinn des Lebens?“ antwortet: „Man sagt, es sei Schokolade“, das ist dann doch allerhand. Aber gut zu wissen.
Dass man es im Metropolis mit Nachokäsedippern und Pointenvorweglachern zu tun bekommt, ist bekannt. Eine neue Erfahrung in den Cinema-Kinos: Einmannsitzer im Pärchensessel, umgeben von leeren Einzelsesseln. Ist das ein Emanzipationsschlag der Sing-les, fragt man sich, während der Einmannsitzer wütend herüberfunkelt und Freud gerade mit Jung um die Psychoanalyse ringt? Oder sind zu viele Stunden auf der Couch doch kontraproduktiv?
Kriegt ihr nie den Hals voll? Da zieht man Jahr für Jahr weiter raus aus dem Stadtzentrum. Und noch eine U-Bahn-Station weiter. Da können wir uns die Miete halbwegs leisten. Ist ja immerhin Stadtgebiet Frankfurt. Gerade noch so. Und dann das, gestern in unserem Briefkasten – ein Brief vom „traditionsbewussten Maklerunternehmen“ in Eschersheim, bei dem immer fünf blank gewienerte dunkelblaue Karossen vor der Tür stehen: ob diese „attraktive Immobilie“ zu veräußern sei. „Für unsere Kunden suchen wir verstärkt in Ihrer Lage nach neuen Angeboten.“ Nix da – gentrifidingst euch doch selbst!
Die Brücke, von der der mutmaßliche Täter in die Tiefe springt (erstaunlicherweise ohne sich irgendetwas zu tun)? Das ist einfach: am Niederräder Ufer. Das Haus der Witwe des Opfers? Schon eher was für Experten: liegt in der Heimatsiedlung. Das Hotel, in dem die Kommissarin in Deckung gehen muss? Klar, Bahnhofsviertel. Aber wo, bitte, wo ist diese blöde Bar, in der der arrogante Soldat unserer Conny Mey sagt, dass er mit ihr ins Bett gehen will? Gibt es eine schönere Beschäftigung am Montag nach einem Frankfurt-Tatort, als mit den Kollegen darüber zu diskutieren, welche Ecken unserer Stadt am Sonntag zu sehen waren?
An der Station, an der sonst nur Banker aussteigen, stürmt ein ausflügender halber Kindergarten die S-Bahn. „Guck mal“, sagt ein Zwerg kaum dass er sitzt und kramt im Rucksäcklein: „Ich hab ein Nähset. Mit Nadeln! Toll, gell?“ „Pöh, damit kann man ja niemanden töten“, antwortet der coole Kamerad. „Klar doch, wenn man einen mit der Nadel ins Auge piekst. Natürlich ganz fest!“ Das jedenfalls hätte der junge Mr. Bond geklärt.
Da sage noch einer, der Frankfurter habe keinen Sinn für Geschichte. Gar fürbildlich sind die Bergen-Enkheimer zu nennen. Berühmt, um nicht zu sagen berüchtigt, ist der Stadtteil für seine Henker, putzigerweise von den Bewohnern Schelme genannt. Und der Galgen wies jahrhundertelang Durchziehenden den Weg nach Frankfurt. Jetzt haben sie oben am Berg Baumelbänke aufgestellt. Das nenn’ ich mal lebendige Geschichtsstunde… Wie? Ach so, die sind zum Draufsitzen. Na ja, ist ja heute eh alles eins. Ob Beine oder Seele, alles baumelt.
Jetzt mal zu Dir, liebes Stadtplanungsamt. Was soll eigentlich der ganze Wirbel um den Wiederaufbau der Altstadt? Guck Dir doch mal die Zimmerleute auf dem Weihnachtsmarkt an. Die bauen innerhalb von 24 Stunden ein komplettes Fachwerkhaus vor die Paulskirche. Und das Beste daran: Wenn’ s nicht mehr gefällt, ist es in 24 Stunden auch wieder weg.
Ist gut, HR 3, wir haben’s kapiert. Wir wissen jetzt, dass es eine Band namens „Coldplay“ gibt, wir haben begriffen, dass die ein neues Lied namens „Charly Brown“ gemacht haben, das klingt wie alle anderen. Aber auch wenn besagte Band ständig über irgendwelche HR3-Bühnen fällt und AUCH WENN die Coldplay-Mitarbeiter samt und sonders Duzfreunde von Jörg Bombach sein sollten: SPIELT UM HIMMELS WILLEN DOCH AUCH MAL WAS ANDERES!
Von Claus Kleber und Gundula Gause ist nicht überliefert, wie ihre erste Sendung beim Publikum ankam, es darf aber gemutmaßt werden, dass sie gar nicht ankam, weil sich schon bei Namensnennung alle am Boden kringelten. Ziemlich schlau im Vergleich zu Okku und Pia, den animierten Sprechern der gestern erstmals im Internet gesendeten „Occupy Frankfurt“-Nachrichten. Die nannten ihre Namen erst am Schluss. Und wurden gnadenlos verrissen.
(Fortsetzung vom Montag) Die Bauchkampfgruppe im Fitnessstudio der TG Bornheim hat den ersten Teil der 100 Crunches hinter sich (genau, diese fiesen Übungen für die Zone, wo Bier besonders ansetzt). „Okay, die zweite Runde wird härter“, verspricht der Vorturner der drei kräftigen, älteren Herren. „Parole … Kickers Offenbach oder SG Rosenhöhe!“ Der Kollege im Eintracht-Trikot (Scheibenschießen, aktuelle Saison) bricht zusammen. „Eyyh neee. Geht gar nicht.“ – „Ich hab’ doch gesagt, es wird härter. Für eins musst du dich entscheiden.“ – „Na gut: Ich nehm’ das ,oder‘.“
Sonntag, der Tag nach der Banken-umzingelung. Die drei etwas älteren, kräftigen Herren im Fitnessstudio der TG Bornheim bereiten sich auf den letzten Akt vor: Crunches. Das ist eine Art fieses Bauchmuskeltraining. „Männer, 100 Stück!“, legt der Vorturner die Latte hoch. Stöhnen. „Und als Parole: Kapitalismus oder Sozialismus?“ Muss so eine Art Ritual, ein Mantra sein, damit man besser auf die Zähne beißen kann: An was Böses denken und durchkämpfen. Antwort: „Sieg für den Sozialismus!“ – „Sehr gut. Dann bereiten wir uns auf den Straßenkampf vor.“ (Fortsetzung folgt)
Aus aktuellem Anlass, und das muss dann auch reichen, bitte keine weiteren Fragen, wir wollen da gar nicht tiefer einsteigen, im Gegenteil, aber heute, na gut, der geschrumpfte Witz: Geht ein Journalist an der Kneipe vorbei.
Früher sind wir in die Postämter gerannt, sobald das neue Exemplar gedruckt war. Wir standen Schlange, um eines zu ergattern, und wenn wir es dann endlich in den Händen hielten, haben wir es triumphierend in die Höhe gereckt und sofort durchgeblättert. Und heute? Seit Tagen liegen ganze Stapel des neuen Telefonbuchs (plus Gelbe Seiten!) in den Hauseingängen. Doch niemand, niemand nimmt sich eines.
Tja, was soll man über den städtischen Bediensteten sagen, der seine Arbeit beim Protokollamt dazu missbrauchte, über Jahre die Bierfässer zu klauen, die OB Petra Roth und Konsorten versäumt hatten, bei offiziellen Anlässen wegzugluckern? Mindestens 6000 Liter soll er im Lauf der Zeit über den Römerberg nach Hause gerollt haben. Er hatte zumindest ein Motiv, das jedermann nachvollziehen kann.
Das ist ja schön, Frankfurter Kantorei, dass ihr die ergötzliche Bach-Kantate „Herr, gehe nicht ins Gericht“ magna cum voce am Sonntag in der Dreikönigskirche trällern werdet. Aber müsst ihr euer Ankündigungsplakat ausgerechnet in der Kantine des Frankfurter Landgerichts aufhängen? Wenn man’s da liest, ist es doch schon zu spät.
Jetzt stehen also wieder mal OB-Wahlen an, und die ersten unabhängigen Bewerber bringen sich in Position. Den Anfang hat in Daniela Cappelluti eine Frau gemacht. Jetzt sind die Männer am Zug. Was macht eigentlich Kadim Sanli, der bereits 2007 OB werden wollte, aber die Fünf-Promille-Marke dann doch deutlich verfehlte? Und das trotz des unvergesslichen Wahlslogans: „Puffhausfrau kommen zurück Rathaus.“ Jener Kadim Sanli, der schon vor Jahren forderte: „Alle Preise von A bis Z müssen halbiert werden.“ Damals war die Zeit schlicht noch nicht reif. Heute ist sie es. Kadim Sanli, übernehmen Sie! Wo sind Sie?
Die jungen Damen in der Trambahn sind eindeutig als Gymnasiastinnen zu erkennen. Und zwar daran, dass sie über ihren frisch gemachten Führerschein und Hausaufgaben reden. Erstes gut, zweites schlecht. Denn als Aufgabe hat der Lehrer mitgegeben, ein Buch zu lesen. Aber was für eins? Eine der Frauen ist sichtlich verzweifelt: „Literatur oder Schiller – ist beides doof.“ Zweifellos. Aber wo hört der Schiller auf, wo fängt die Literatur an? Wahrhaftig eine Gretchenfrage.
In der Geschichte der Menschheit kommt es immer wieder vor, dass sich Entscheidungen über unsere Zukunft mit einem einzigen Ort verbinden; in der Vergangenheit ist das oft Washington gewesen, manchmal Moskau und nie Hanau, zumeist aber war es Frankfurt. Und siehe da: Die Menschheit gibt es noch. In tiefster Krise hat das nun die Mächtigen darauf gebracht, diese positive Energie des Ortes zu exportieren, weshalb die Merkels und Sarkozys ihr neues Spitzengremium, ihr Machtzentrum der Euro-Rettung, dieses Küchenkabinett der Schuldenkrise einfach so nennen: „Groupe de Francfort“. Das ist wahrlich weise. Und es wird gutgehen. Ist es ja immer.
Wie wir aktuell der Lektüre einer Hamburger Illustrierten entnehmen, war Bruno H. Schubert nicht nur der Erfinder des Rades und der tiefen Teller, was eh alle wussten – nein er war auch der „Erfinder des Karamalz“, steht im Blatt mit dem Stern. Tiefenwirksame Recherchen ergaben: Ei ja, sicher! „Karamalz ist seit über 50 Jahren der erfolgreiche Klassiker unter den Malzgetränken“ (Internet), und Bruno H. Schubert wurde nach dem Krieg der Klassiker bei der Henninger-Brauerei. Dort firmierte das Gesöff übrigens zunächst (1955–58) als „Henninger Karamell-Kraftbier“. Großartig. Den Namen fordern wir jetzt natürlich ultimativ zurück.
Wie erklärt man eigentlich einem kleinen Kind, dass die Schokoladeneier, die auf dem Boden des Museums für Moderne Kunst rumkullern, nicht zum Verzehr bestimmt, sondern Teil des Kunstwerks sind? Und wie, dass der Raum voller Konfetti kein Spielplatz ist, sondern ebenfalls ein Kunstobjekt, das an das Lebendgewicht des Künstlers gemahnen soll? Gar nicht. Vergessen Sie’s! Kunst will manchmal auch gar nicht erklärt werden. Das Blöde ist nur, dass die Kinder das nicht wissen.
Diese Saison schon beim Arzt gewesen? Sehr zu empfehlen! Man sitzt warm im trauten grippalen Kreis und erfährt die tollsten Sachen. Kommt ein beleibter Herr aus dem Sprechzimmer und sagt im Gehen zum Onkel Doktor: „Früher war der Blutdruck ja allgemein viel höher, da hat man bei 150 noch normal gesagt.“ Ach ja, das waren Zeiten. Früher waren auch die Bäuche allgemein viel dicker. Da hat man bei 100 Kilo noch normal gesagt. Aber was ist heutzutage noch normal? Heute muss man schon unbedingt einen Body-Mass-Index von hmpfunddrmpfzig haben. Nur die liebe Omi, die nennt einen wahrscheinlich auch mit 90 Kilo auf den Rippen noch Derrabbel.
Aus aktuellem Anlass hat der Stadtkämmerer in den vergangenen Tagen seine Mitarbeiter zusammengetrommelt, auch am Wochenende. Noch mal alle Bücher ganz genau durchsehen. Ob nicht doch vielleicht … müssen ja nicht gleich 55 Milliarden … wenigstens ein paar Milliönchen. Oder auch nur Tausender. Hätte ja sein können. Schade.
Es gibt Antworten, die sind einfach groß, unvergesslich und universell. So wie die des weisen Kellners mit Migrationshintergrund in einem Café an der Konstablerwache, von dem man wissen möchte, wer denn bitte die betagte Blondine mit den aufgespritzten Lippen und den toten Augen ist, die am Nachbartisch gerade von einem RTL-Kamerateam belagert wird. „Guggsdu Google“, sagt der Kellner. Die Blondine bleibt unbekannt, aber der Tag ist gerettet.
Leute gibt’s, die schaffen es unter widrigsten Umständen, im Gespräch zu bleiben. Wie kommen Sie jetzt auf Michael Paris? Nein, es geht heute, da die Welt allüberall auf einen Mann mit Bart und roter Mütze vorbereitet wird, um dessen langohrigen Kollegen Er hat zum gefühlt 241. Mal gerichtlich klarstellen lassen, dass ihn nicht nur eine Firma produziert. Uns erinnert das daran, dass es auch wieder Frühling wird. Danke, Goldhase!
Macht Kiffen blöde? Da müsste man wohl den 18-Jährigen fragen, der sich am Mittwochmittag in der S5 in aller Seelenruhe einen Joint drehte. Was der direkt neben ihm in voller Uniform sitzende Polizeibeamte eher befremdlich fand und ihn erst mal festnahm. Bei seiner Vernehmung sagte der 18-Jährige, er habe den uniformierten Polizisten nicht als solchen erkannt. Die Eingangsfrage dürfte der junge Mann wohl verneinen.
Angesichts des enormen Gedöns, das in den jüngsten Tagen um Philipp Reis gemacht worden ist, der anno tobak das Telefon erschuf, und der unerfreulichen Tatsache, was draus geworden ist (Jamba-Klingeltöne, Apps), sei hier nochmal lobend erwähnt, dass Reis’ Heimatstadt Friedrichsdorf ihre Besucher jahrelang mit dem Schild „Stadt des Zwiebacks“ begrüßte.
Unter den Okkupanten an der EZB sollen auch solche sein, die eine neue Weltordnung unter die Herrschaft eines alles gerecht regelnden Supercomputers zu stellen gedenken. An verschiedenen Stellen ist das als obskurer Sektenquatsch gebrandmarkt worden, was natürlich Unsinn ist. Man muss sich das ja nur mal vorstellen: Keine Regierung mehr, keine Arbeit mehr, nichts, was nervt! Entscheiden, ob das neue Weltkulturenmuseum gebaut wird? Macht die Maschine. Aufstellung fürs Spiel gegen Kaiserslautern? Macht die Maschine. Autozündler fangen? Macht die Maschine. Gegen Entscheidungen der Maschine protestieren? Macht selbstverständlich die Maschine. Das kann nur klappen. Und auch hier schreibt dann nur noch: die Maschine.
Entschlossen läuft der bärtige Mann den Block 29 im Waldstadion hoch. Er trägt eine Polizeiuniform, und er wirkt wie jemand, der schon einiges erlebt hat in seinem Job – die Startbahn-Proteste inklusive. Sein Blick, der eine natürliche Autorität ausstrahlt, geht durch die Reihen der Eintracht-Fans. Die ersten Zuschauer tuscheln: Auf wen hat es der Polizist abgesehen? Auf einen Mann in Reihe 12, der zusammenzuckt, als der Beamte an seinem Platz steht. Gerüchte machen die Runde. Der Fan soll einen gegnerischen Anhänger beleidigt haben, heißt es da, vielleicht habe er ihn sogar bespuckt, wird getuschelt. Plötzlich gibt der Polizist dem Mann ein Stück Papier: „Ihre Karte, haben Sie da unten verloren.“ Der Fan lacht, der Polizist lacht. Nur die anderen Leute in Block 29 sind dann doch irgendwie enttäuscht.
Das hier ist für die Graublonde mit der dreiviertel rausgewachsenen Mahagoni-Tönung, dem hellbeigen Blazer, der „modisch“ braunen Hose, den schwarzen Lack-Pumps und dem altweißen Pudel – und für alle anderen Leute, die ihren Einkaufszettel und das Faltblatt mit den Sonderangeboten im Einkaufswagen liegen lassen: Ab sofort veröffentlichen wir immer, wenn Sie Ihren Müll dem nächsten Kunden aufhalsen, Ihre Personenbeschreibung. Und Ihren Einkaufszettel! Originalschreibweise! Bitte sehr: „4 Put. Schnitz, 3 kl. Feigling, 1 Asbach, Eier, Klopa., Nagelack, WC Ente, Pizza, kl. Teewurst, Schlemmerfanne...“ Noch jemand?
Wir gratulieren dem französischen Präsidenten Isnogud nachträglich, aber umso herzlicher zur Geburt seiner Tochter. Die, wie wir hören, Giulia heißen soll. Bon. Wir hätten ja, da der Vater zur Zeit der Geburt durch die Frankfurter Alte Oper strolchte, einen Namen empfohlen, der ihn auf ewig an die schöne Stadt am Main erinnert. Es gibt viele schöne Vornamen Frankfurter Mädchen. Rosemarie etwa. Aber der ziemt sich nicht für eine Präsidententochter. Daher schlagen wir Rauscher vor. Wie die Fraa aus der Klappergass. Natürlich müsste der Name mit ein paar tütteligen Accents französisiert werden: vielleicht in Rauchère. Das klingt dann zwar ein bisschen nach Schokopraline. Aber Mercédès ist ja auch ein französischer Vorname.

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