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26. März 2016

Goethe-Universität: Festakt für zwei Kämpferinnen

 Von 
Uni-Präsidentin Birgitta Wolff und die Jubilarin.  Foto: Alex Kraus

Der Seminarraum 1.811 der Goethe-Uni wird zukünftig Trude-Simonsohn-Saal heißen. Simonsohn hat den Holocaust überlebt und berichtet seit 1975 bundesweit in Schulklassen und Hörsälen über ihre Erfahrungen.

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Die Jubilarin thront in einem Sessel. Ihr gegenüber sitzt und steht die Festgesellschaft. Die Situation hat etwas von einer Vorlesung, wie sie im Seminarraum 1.811 im Kasinogebäude der Goethe-Uni häufig vorkommt. Doch am Karfreitag gibt es keine Vorlesung und der Seminarraum 1.811 wird zukünftig Trude-Simonsohn-Saal heißen. „Die Universitätsleitung hat einstimmig beschlossen, diesen Raum künftig Ihnen zu widmen“, verrät Uni-Präsidentin Birgitta Wolff der Festgesellschaft und der Jubilarin, die an diesem Tag 95 Jahre alt geworden ist. Trude Simonsohn freut sich. „Ich bin vollkommen überrascht und platt“, sagt sie und schiebt noch nach: „Ich weiß auch gar nicht, ob ich das verdient habe.“ Der spontan einsetzende Applaus soll sagen: Doch, hat sie.

Simonsohn hat den Holocaust überlebt und berichtet seit 1975 bundesweit in Schulklassen und Hörsälen über ihre Erfahrungen. Gemeinsam übrigens mit Irmgard Heydorn, die am Donnerstag 100 Jahre alt geworden ist, auf ärztlichen Rat hin der Feierstunde aber fern bleiben muss. „Es ist so schade, dass sie nicht hier sein kann“, bedauert Simonsohn. Hinter ihr wirft ein Projektor ein altes Foto von Simonsohn und ihrem Mann Berthold an die Wand. Den hatte sie im Ghetto Theresienstadt kennen- und lieben gelernt. Nach dem Krieg gingen beide zunächst in die Schweiz, dann nach Hamburg. Dort lernte das Ehepaar Simonsohn Anfang der 50er Jahre das Ehepaar Heydorn kennen. „Die Heydorns haben etwas gemacht, was sich in Hamburg überhaupt nicht ziemt“, verrät die Jubilarin: „Sie haben uns auf einen Kaffee eingeladen, obwohl wir uns vorher nicht vorgestellt worden waren.“ Aus der Einladung zum Kaffee entwickelte sich ein jahrzehntelange Freundschaft.

Mehr Jubilarin als Zeitzeugin

Die Ehemänner Simonsohn und Heydorn erhalten beide einen Ruf an die Goethe-Universität. Heinz-Joachim Heydorn wird 1961 Professor für Erziehungswissenschaften, Berthold Simonsohn ein Jahr später Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht.

Nach Frankfurt sind die Simonsohns schon 1955 gekommen. Trude engagiert sich recht bald für die Jüdische Gemeinde, deren Gemeinderatsvorsitzende sie auch lange ist. Irmgard Heydorn arbeitet viele Jahre für Amnesty International. Die beiden Ehemänner sterben noch in den 70er Jahren. Seit dieser Zeit sind die einstige Widerstandskämpferin Heydorn und die Auschwitz-Überlebende Simonsohn quasi gemeinsam auf Tour im Kampf gegen das Vergessen, oder wie Uni-Präsidentin Wolff es ausdrückt, „im Einsatz gegen Ignoranz und Dummheit“, von der es auch in dieser Zeit noch oder wieder reichlich gebe.

Doch an diesem Karfreitag ist Simonsohn mehr Jubilarin als Zeitzeugin und parliert ganz munter. „Sie macht einen guten Eindruck“, flüstert einer der Festgäste. Das von Wolff gereichte Mikrofon will sie so schnell nicht hergeben. „Ich nutze das hemmungslos aus“, flachst sie und bedankt sich bei ihrem Sohn, der Arzt ist und sich um sie kümmert, bei ihrer Schwiegertochter, die dafür sorgt, dass sie nicht verhungert, und bei ihrem Enkel David, der prompt vorbeikommt, wenn der Fernseher mal nicht funktioniert. „Ich bin so unendlich dankbar, das war nicht selbstverständlich bei mir“, erinnert Simonsohn an ihr Schicksal. Dann stellen sich die Festgäste zum Gratulieren an. Nach den Semesterferien werden wieder die Studenten der Geschichte und der Philosophie einfallen, in den Trude-Simonsohn-Saal.

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