Wer auf seine Stromrechnung schaut, erfährt seit 2005 ziemlich genau, in welchem Maße sein Energieverbrauch die Umwelt belastet. Die EU-Richtlinie 2003/54/EG verpflichtet die Energieversorgungsunternehmen in Deutschland, exakt auszuweisen, wie viel klimaschädigendes Kohlendioxid bei der Produktion einer Kilowattstunde Strom entsteht. Wer bei der Mainova Kunde ist, Frankfurts großem Energieversorger, nimmt mit jeder Kilowattstunde Strom in Kauf, dass 383 Gramm CO2 in die Atmosphäre geblasen worden sind. Das ist angesichts der Klimaveränderungen immer noch viel. Das Ziel der Weltgemeinschaft, den Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius zu begrenzen, wird so nicht zu erreichen sein – zumal die Energiewirtschaft in Deutschland für fast 41 Prozent der CO2 -Emissionen verantwortlich ist.
Andererseits liegt die Mainova mit ihren 383 Gramm pro Kilowattstunde deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 506 Gramm. Und wer Kunde bei RWE ist, dem Energiekonzern mit der lustigen Elektrotankstellen-Werbung, der nimmt mit jeder Kilowattstunde die Emission von 615 Gramm Kohlendioxid in Kauf.
Den Ausstoß klimaschädigender Gase zu reduzieren, dieses Ziel hat Frankfurts Umweltdezernentin Manuel Rottmann (Grüne) Ende August in der FR noch einmal betont. Und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat im vergangenen September gar „radikale Maßnahmen“ gefordert, um den Kohlendioxidausstoß zu mindern. Worum es in letzter Konsequenz dabei geht, hat die Internationale Energieagentur in Paris im Jahresbericht 2009 erläutert: „ Die Rettung des Planeten duldet keinen Aufschub. Mit jedem Jahr, das ungenutzt verstreicht, werden die Möglichkeiten zur Emissionsminderung während des jeweiligen Zeitraums geringer – und die Kosten des Umbaus des Energiesektors steigen.“
Ehrgeizige Ziel der Städte
Frankfurts wichtigster Energielieferant setzt deshalb auf höhere Energieeffizienz und die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien. Gut jede zweite Kilowattstunde Strom produziert die Mainova bislang mit fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas, fast ein Fünftel der Gesamtstromlieferung kommt aus Atomkraftwerken und 27 Prozent gewinnt der Dienstleister mit erneuerbaren Energien, wobei der Anteil der Eigenproduktion bei 7,5 Prozent liegt. Bis 2015, sagt Vorstandschef Constantin Alsheimer, soll der Anteil auf 15 Prozent verdoppelt werden. „Zwei Drittel unserer Investitionen von 500 Millionen Euro gehen in die erneuerbaren Energien.“
Die Ziele, die sich Städte bei der CO2-Reduktion stecken, sind mancherorts ehrgeizig: Kopenhagen, Siegerin des Green City Index von Siemens und Economist im vergangenen Jahr, will bis 2025 CO2-frei sein. London strebt an, bis 2025 den Kohlendioxidausstoß um 60 Prozent zu reduzieren (Basis:1990). London, heißt es bei Siemens, spiele eine Vorreiterrolle bei der nachhaltigen Stadtentwicklung. So baut der deutsche Konzern dort den ersten Offshore-Windpark der Ein-Gigawatt-Klasse in der Themse-Mündung, damit London sein Klimaschutzziel erreichen kann.
Koppeln ist günstiger
Um Energie umweltverträglicher als bislang zu erzeugen, hat die Mainova unter anderem 2009 einen Anteil an einem Windpark im Havelland erworben. Mit der Energie können 15.750 Haushalte in Frankfurt versorgt werden. Wegen der regenerativen Quelle wird der Ausstoß von 19.700 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Langfristig will Mainova den Strombedarf von 175.000 Familien mit Erneuerbaren Energien decken. Energie kommt aber auch aus Biogasanlagen oder aus der künstlichen Kohle, die die Mainova aus Biomasse herstellt. Vor allem aber setzt der Dienstleister auf die Kraft-Wärme-Kopplung, für die das Müllheizkraftwerk in der Nordweststadt ein Beispiel ist: Neben dem Strom, der dort produziert wird, liefert das Kraftwerk auch Wärme in die Haushalte. Mehr als jede dritte Megawattstunde Energie, die die Mainova liefert, gewinnt sie mit der Kraft-Wärmekopplung (574.250 Megawattstunden von insgesamt 1.527.761 Megawattstunden). Effizienter sind Gas- und Dampfturbinenkraftwerke wie das im bayerischen Irsching, an dem die Mainova beteiligt ist. Vorstandschef Alsheimer spricht vom „Weltmeisterkraftwerk“, weil der Wirkungsgrad der Anlage bei 58 Prozent liegt. Mit Kraft-Wärme-Kopplung käme die Anlage laut Alsheimer auf rund 90 Prozent Wirkungsgrad. Was bedeutet: Von zehn Einheiten Primärenergie, die in das Kraftwerk hineingesteckt werden, holt die Anlage neun Einheiten heraus, die als Strom und Wärme genutzt werden können.
Für Alsheimer steht fest, dass solche Anlagen nicht nur hoch energieeffizient und damit umweltschonend arbeiten, sondern auch günstigeren Strom produzieren können als Strom, der aus Anlagen für erneuerbare Energien kommt und von der Bundesregierung gefördert wird. „Kraft-Wärme-Kopplung ist wesentlich günstiger.“

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