Nach den Sommerferien soll es so richtig losgehen. Dann werden vier Dezernate aufeinander zugehen und eine Arbeitsgruppe gründen. Beteiligt sind die Dezernate Umwelt, Planung, Verkehr und Wirtschaft. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe wird sein, eine Bewerbung vorzubereiten, damit Frankfurt zur „Grünen Hauptstadt Europas“ werden kann. Wie Wendelin Friedel aus dem Umweltdezernat am Dienstag erklärte, werde das Jahr 2014 oder 2015 angestrebt.
Zunächst jedoch soll eine Bestandsaufnahme zeigen, wo es in Frankfurt Defizite gibt, wie die Ziele definiert werden sollen und wie das Profil einer nachhaltigen Stadt am Main aussehen könnte, erläuterte Friedel. Die Bestandsaufnahme wird ebenfalls nach der Sommerpause vorliegen.
Die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim ist für Friedel „ein gutes Beispiel, in welche Richtung es gehen“ könnte. In Praunheim soll aus einem sanierungsbedürftigen Quartier eine ökologische Mustersiedlung werden. Es sollen europaweit neue Maßstäbe gesetzt werden. Ein zentrales Heizkraftwerk wird die nach energie-effizienten Gesichtspunkten umgebauten Wohnhäuser mit Fernwärme versorgen. Schon jetzt ist die Siedlung weitgehend autofrei und kinderfreundlich.
Als vor einem Jahr der hessische Minister für Bundesangelegenheiten und Frankfurter Michael Boddenberg (CDU) vorschlug, sich um das Prädikat „Grüne Hauptstadt Europas“ zu bewerben, reagierte das Umweltdezernat noch zurückhaltend. Am grünen Profil müsse noch gearbeitet werden, meinte Wendelin Friedel damals. Zwar seien Fußgänger und Radfahrer auf dem Vormarsch, aber bei der Mobilität und auch in Sachen Energieeffizienz müsse noch mehr passieren.
In diesem Sommer ist es die Fraktion der Linken, die das Projekt „Grüne Hauptstadt“ vorantreiben möchte – allerdings nur, wenn „daraus Anstöße für eine nachhaltige Entwicklung entstehe, die die Lebensqualität der Frankfurter verbessern“. Genau dafür würden der schwarz-grünen Koalition aber „die Visionen fehlen“. So liege Frankfurt nur „auf Platz 35 der Großstädte in der Solarbundesliga“.
„Frankfurt ist nicht die Stadt der Photovoltaik“, konterte Friedel am Dienstag – obwohl Frankfurt bei der Sonnenenergie kräftig zugelegt hat. So wurde die ursprünglich für das Jahr 2015 angestrebte Verdreifachung der mit Solarzellen bestückten Fläche bereits erreicht.
Die Photovoltaik sei „die teuerste Möglichkeit, CO2 zu sparen“, sagte Friedel. Frankfurt sei bei Passivhäusern und der Kraft-Wärme-Kopplung führend. Die Fahrradfahrer hätten weiter aufgeholt, immer mehr erneuerbare Energien kämen zum Zuge und die Bürger würden durch Projekte wie „Frankfurt spart Strom“ zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie ermutigt. Jetzt stehe die energiebewusste Sanierung von alten Gebäuden, etwa aus der Gründerzeit auf der Agenda. Das Interesse sei groß, im Herbst soll mit zwei Pilot-Projekten begonnen werden.

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