Der Mensch lebt mitunter gefährlicher, als er denkt. Etwa wenn er den Boden fegt. Dann staubt es, und wenn der Mensch diesen Staub einatmet, hat er sich vielleicht ein Hantavirus geholt. Wo kommt das nun wieder her? Das haben die Mäuse da hinterlassen, wenn wir Frankfurter Forschern glauben dürfen.
Mäuse, besonders Rötelmäuse seien geeignete Virus-Überträger, sagt Sven Klimpel, Forscher der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums BiK-F: „Die Mäuse können Menschen beispielsweise durch einen Biss oder über Viren in ihrem Kot und Urin infizieren.“
Dem sind nun erstmals Wissenschaftler flächendeckend in Hessen auf der Spur – denn hier ist das Hantavirus auf dem Vormarsch. Benannt nach dem südkoreanischen Fluss Hantan, an dessen Ufern in den 50er Jahren Tausende US-Soldaten starkes Fieber und Nierenversagen bekamen, macht es sich zurzeit in Deutschland breit. Voriges Jahr infizierten sich bundesweit 2000 Menschen, Tendenz steigend.
Allerdings tritt das Virus hierzulande schwächer auf als seinerzeit in Korea, sagt Zoologie-Professor Klimpel. Vorerst sind „nur“ Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen zu befürchten. Wie es sich entwickelt, will sein Projektteam in den nächsten Jahren untersuchen. Auch die Frage: „Was tragen die Tiere noch in sich, was ist auf Menschen übertragbar?“ Man findet die dollsten Läuse bei Mäusen. Und nicht nur bei Krabbel-Nagern – auch die Fledermaus ist im Fokus der Forscher.
Überraschend entdeckten die Frankfurter Wissenschaftler an der hessischen Fledermaus „Unmengen von Bettwanzen“, kleine Plagegeister, die gern aus exotischen Urlaubsländern mit nach Deutschland einreisen, aber durchaus auch hier heimisch sind. Schläft der Wirt, kommen sie und saugen Blut – daher der Name Bettwanze. Nun saugen sie auch an der Fledermaus, obwohl die gar nicht im Bett schläft.
Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass Bettwanzen viele Krankheitserreger beherbergen können, sagt Klimpel. Ob sie auch Viren bei Fledermäusen abholen und an den Menschen liefern, ist ein weiterer Forschungsgegenstand. Fest stehe: Globalisierung und Klimawandel heizen Infektionskrankheiten an, die durch Tiere übertragen werden. Können wir uns schützen? Eher nicht, sagt Klimpel und warnt vor übergroßer Vorsicht: „Gehen Sie auf jeden Fall trotzdem raus in die Natur.“
Wer etwa der Infektion mit Hantaviren vorbeugen wolle, könne ja vor dem Staubfegen den Boden mit Wasser benetzen. „Oder nicht so heftig fegen“, sagt der Professor mit milder Ironie. Großstadtbewohner seien von Viren im Kot wilder Nagetiere ohnehin weniger bedroht als etwa Forstmitarbeiter. Auch ihrer Sicherheit dient die Studie. Forstämter und Friedrich-Loeffler-Institut forschen mit.
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