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15. Februar 2013

Hausbesetzung Frankfurt: Hausbesetzungen haben in Frankfurt Tradition

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Protest gegen Wohnungsnot: Hausbesetzung im Herbst 2011.  Foto: Andreas Arnold

Vor mehr als 40 Jahren besetzten Studenten in Frankfurt das erste Haus. Ihr Beispiel machte damals im Rest der Republik Schule. Ihre Nachfolger setzen die Tradition in der Stadt fort. Ein Trend ist dabei erkennbar: Die Hausbesetzer bleiben dem Westend treu.

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Vor mehr als 40 Jahren besetzten Studenten in Frankfurt das erste Haus. Ihr Beispiel machte damals im Rest der Republik Schule. Ihre Nachfolger setzen die Tradition in der Stadt fort. Ein Trend ist dabei erkennbar: Die Hausbesetzer bleiben dem Westend treu.

Dreimal so lang wie das IvI in Bockenheim ist eine Villa in Rödelheim besetzt: In der Au 14-16. In diesen 30 Jahren ist die Au zu einer Institution der autonomen Szene geworden: Als Kulturzentrum, in dem Punk-Konzerte stattfinden, und als Wohnprojekt, wo auch im weitläufigen Garten des Grundstücks Menschen in Bauwagen wohnen. Jeden Donnerstag bietet die „Volxküche“ „leckeres Essen für den schmalen Geldbeutel“ an – mal vegetarisch, mal vegan. Am ersten Juniwochenende werden die rund 30 Bewohner das Jubiläum mit einem Open-Air-Festival feiern.

Die Stadt, der das 1,6 Hektar große Gelände gehört, hat sich mit dem Status quo abgefunden: „Da eine Räumung aus verschiedenen Gründen als schwierig erachtet wird, arbeitet die Polizei, mit der die Stadt diesbezüglich in Kontakt steht, präventiv“, lautet eine Stellungnahme des Magistrats aus dem Jahr 2012. „Vor diesem Hintergrund wird daher derzeit von weitergehenden Maßnahmen abgeraten.“ Gründe nannte der Magistrat im Jahr 2007: „Bei einer zwangsweisen Räumung ist mit massivem Widerstand zu rechnen, wobei zuvor eine langwierige gerichtliche Auseinandersetzung notwendig sein wird.“ Daher werde die Veräußerung der Liegenschaft an private Investoren zurzeit als schwierig eingestuft. In einem Magistratsbericht aus dem vergangenen Jahr heißt es, die Liegenschaft sei „unentgeltlich überlassen“. Einen Vertrag gibt es nicht.

Hausbesetzungen haben in Frankfurt Tradition. Man kann sagen, dass sie hier erfunden wurden. Das war am 19. September 1970, als ein paar Studenten und andere Aktivisten das Gründerzeithaus Eppsteiner Straße 47 im Westend besetzten. Der Fall machte Schule, weitere Aktionen folgten, um gegen den Verfall des Stadtteils und seine Umwandlung in ein Bürogebiet zu protestieren. Der Häuserkampf tobte.

Die Besetzungen hatten Erfolg: Gründerzeithäuser wurden vor dem Abriss bewahrt und saniert, die Stadt erließ eine Veränderungssperre für das Westend, im Jahr 1972 trat die Hessische Verordnung gegen Wohnraumzweckentfremdung in Kraft, später das Hessische Denkmalschutzgesetz, ein Bebauungsplan sowie eine Erhaltungssatzung für das Westend.

Orte für alternative Kultur

Trotzdem wurden auch in den 80er Jahren immer wieder Häuser in Beschlag genommen. Im Jahr 1981 zum Beispiel protestierten Jusos im Eschenheimer Turm gegen die „Wohnungsmisere“ in der Stadt. Doch bei den Aktionen ging es nicht nur um Wohnraum: Jugendliche, auch arbeitslose, setzten sich damit auch für ihre Ausbildung ein. Oft machte die Polizei den Besetzungen ein Ende.

Nach der Jahrtausendwende führten Studenten die Tradition fort – zunächst in Bockenheim, dann erneut im Westend. Im Januar 2002 besetzte die Studentengruppe „Französische Verhältnisse III“ die leerstehende Gründerzeitvilla des Romanistik-Instituts in der Georg-Voigt-Straße 4, um gegen Missstände an der Goethe-Universität zu demonstrieren. Es gründete sich das „Institut für vergleichende Irrelevanz“, das seit Anfang Dezember 2003 seinen Sitz im Kettenhofweg hat.

Fünf Jahre später bildete sich eine ähnliche Institution ebenfalls aus einer Hausbesetzung heraus: Im August 2008 belagerte die Kulturinitiative „Faites votre jeu“ das ehemalige Jugendzentrum in der Varrentrappstraße in Bockenheim. Nach Verhandlungen mit der Stadt bekamen die Aktivisten im April 2009, was sie wollten: Einen Ort für nicht kommerzielle Kultur – im ehemaligen Polizeigefängnis Klapperfeld in der Innenstadt. Die Initiative nutzt seitdem das Autonome Zentrum auch, um die Geschichte des Gefängnisses aufzuarbeiten.

In den vergangenen Jahren richteten sich Studenten mit Besetzungen gegen die Bildungs- und Wohnungspolitik: 2008 war es das House of Finance, ein Jahr später das Casino auf dem Campus Westend, 2011 ein leerstehendes Gebäude auf dem Biologie-Campus in der Siesmayerstraße, dann eine Villa in der Schumannstraße, zuletzt im November 2012 ein ehemaliges Justizgebäude ebenda. Die Hausbesetzer bleiben dem Westend treu.

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