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Frankfurt
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24. Januar 2013

Henninger Turm: Abbruch ohne Atemmaske

 Von 
„Wir werden Dich vermissen! Danke für die schöne Zeit!“: Fans nehmen am Bauzaun Abschied vom Henninger-Turm.  Foto: Christoph Boeckheler

Ein Frankfurter Wahrzeichen fällt: Arbeiter haben mit der Entkernung des Henninger-Turms begonnen. Die Arbeiter tragen beim Abbruch des teils asbesthaltigen Materials keine Atemmasken oder Schutzkleidung.

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Im Erdgeschoss klaffen nur noch leere Fensterhöhlen. Bagger schieben lärmend Schutt nach draußen. Männer brechen mit bloßen Händen Dämmmaterial aus den Wänden. Der Abriss des Henninger-Turms hat begonnen. Zwei Millionen Euro kosteten die Arbeiten zur Beseitigung des Frankfurter Wahrzeichens, sagt Rainer Marquart, der für die Milliardärsfamilie Hopp das Projekt betreut.

Mit dem Szenario, das Marquart im fernen Mannheim entwirft, hat die Realität auf der Baustelle freilich wenig zu tun. Nach seinen Angaben müssten jetzt eigentlich Männer mit Schutzanzügen und Atemmasken sorgsam die alten Schadstoffe wie Asbest aus dem Turm herausholen. Tatsächlich tragen die Arbeiter aber weder Anzüge noch Masken. „Das ist extrem leichtsinnig“, sagt Marquart.

Einbrüche am laufenden Band

Wahrzeichen

Am 18. Mai 1961 war das Frankfurter Wahrzeichen am Hainer Weg in Sachsenhausen eröffnet worden. Über Jahrzehnte war der Turm ein beliebtes Ausflugsziel für Menschen aus nah und fern.

Im Jahr 2002 musste das Drehrestaurant an der Spitze geschlossen werden, weil es nicht mehr den Vorschriften für Brandschutz und Sicherheit genügte und ein Umbau als zu teuer erschien. Nach dem Abriss des Turms soll dort ein Hochhaus mit 130 Luxuswohnungen entstehen.

Der asbesthaltige Abfall werde auf einer Sondermülldeponie entsorgt. „Wir müssen ordnungsgemäße Entsorgungsberichte vorlegen und tun das auch“, versicherte Marquart.

Die von Hopp beauftragte Abbruchfirma aus dem baden-württembergischen Lauda-Königshofen verweigert am Telefon jede Auskunft zu den Arbeiten. „Keine Presse, keine Bilder!“, lautet die einzige knappe Äußerung des Bauleiters.

Die Baustelle wird nach Marquarts Angaben immer wieder von Einbrechern heimgesucht. „Was wir hier bisher an Vandalismus erlebt haben, ist nicht zu beschreiben.“ So hätten Unbekannte auf der Suche nach wertvollen Einrichtungsgegenständen sogar mit Schweißbrennern Türen aufgebrochen, um ins Innere des Turms zu gelangen. „Wir haben die Türen wieder verschlossen, bald darauf wurden sie erneut geknackt.“

Ortstreue Falken

Noch immer kommen Passanten, um Abschiedsfotos zu machen. Am Bauzaun hängt ein Farbfoto mit der Aufschrift: „Wir werden Dich vermissen – Danke für die schöne Zeit!“ Unterschrieben ist es mit „Deine Dich liebenden Fans“. Die Eingangshalle des Turms, durch die seit 1961 Hunderttausende von Besuchern gingen, um zum Turmrestaurant nach oben zu fahren, ist nur noch ein Trümmerhaufen.

Die Wanderfalken, die seit Jahren oben auf dem Turm nisten, haben sich bisher noch nicht vertreiben lassen. Die Hoffnung der Staatlichen Vogelschutzwarte, die Tiere würden auf das benachbarte Ferrero-Haus am Hainer Weg umziehen, hat sich bisher nicht erfüllt. „Die Falken sind unheimlich ortstreu, weil sie dort seit langem brüten“, sagt Ingolf Grabow, Beauftragter für den Vogelschutz in Frankfurt, der sich am Mittwochmorgen ein Bild vor Ort gemacht hat.

Jetzt soll ein Netz, das über die Spitze des Henninger-Turms geworfen wurde, verhindern, dass die Falken in diesem Frühjahr dort erneut Junge aufziehen. Mitte Februar verschwindet der gesamte Turm unter einer Plane und wird dann Stück für Stück abgetragen.

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