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Frankfurt
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12. April 2013

Henninger Turm: Adieu, Henninger Turm

 Von 
Aber bitte mit Manieren: Attraktion des Drehrestaurants ganz oben war es, zum Menü die Stadt an sich vorbeiziehen zu sehen.  Foto: Institut für Stadtgeschichte

Erst wird es in einen Schutzmantel eingehüllt, dann wird das Sachsenhäuser Wahrzeichen von oben nach unten abgetragen. Damit leben noch einmal die Erinnerungen an gesellige Turmgeschichten auf. Und beim Kramen in Erinnerungen gibt ein FR-Foto des Jahres 1961 plötzlich Rätsel auf.

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Oben auf dem Henninger-Turm, da war wirklich alles drin. FR-Fotoreporter Kurt Weiner hat anno 1961 da oben sogar den berühmten Friedrich Stoltze gesichtet. Ganz klar: „Friedrich Stoltze“ steht handschriftlich auf dem Foto eines Weißhaarigen mit Krückstock am Rand der Aussichtsplattform, welches Ruheständler Weiner erfreut hochhält.

        

Als der Henninger-Turm fertig war, fand sich Friedrich Stoltze mit seiner Ehefrau Marie oben ein. Friedrich Zwo (1869 bis 1964) war der Enkel des berühmten Mundartdichters, mit dem er aber nur die Freiheitsliebe teilte.
Als der Henninger-Turm fertig war, fand sich Friedrich Stoltze mit seiner Ehefrau Marie oben ein. Friedrich Zwo (1869 bis 1964) war der Enkel des berühmten Mundartdichters, mit dem er aber nur die Freiheitsliebe teilte.
 Foto: Kurt Weiner

Unter dem Vermerk findet sich als Beweis, ein bisschen verwischt wegen der Eile damals am Tag der sensationellen Eröffnung des neuen Wahrzeichens, der Stempel: „Copyright Kurt Weiner, Fotograf Frankfurt/Main“. Das genügt ja wohl. Ein historisches Dokument von neuer Aktualität; Weiner (91) hat es extra vorbeigebracht. Dieser Tage hat er das Bild „in der letzten Schublade gefunden“. „Es muss der Stoltze sein!“ beharrt der FR-Reporter von einst und kokettiert: „Damals hatte ich ja noch alle beisammen!“

Friedrich Stoltze also, sei’s drum. Bloß welcher? Der legendäre Mundartdichter und Poet jedenfalls lebte ab 1816 und starb 1891. Da stand noch kein Henninger-Turm. Und außer diesem Ur-Stoltze bietet das Werk „Frankfurter Biographie“ nur noch dessen Sohn Adolf Stoltze an, der war von 1842 bis 1933 am Leben, also 1961 ebenfalls schon tot. Dann findet sich noch „Stoltze, Laura“ in dem Nachschlagewerk, die unverheiratet gebliebene Tochter von Friedrich. Kurt Weiner zieht also wieder ab, beharrt auf seiner Wahrheit und brummt: „Lutz Kleinhans war damals auch da“; sein Kollege von der FAZ (ebenfalls tot).

Wer weiß schon heute noch etwas von einer Wahrheit, die 1961 gültig war? Für das Institut für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster ist das keine große Sache. Volker Harms-Ziegler, zuständig für Personen, tippt angesichts des 52 Jahre alten Fotos auf „einen Enkel oder spätgeborenen Sohn“. Kollegin Jutta Zwilling hat in der Sammlung einige Fotos des kleinen alten Herrn mit kahler Stirn und weißem Hinterkopf-Schopf gefunden: „Stoltze, Friedrich (1869 bis 1964)“ klebt auf den Rückseiten.

So hätten wir also zwei Friedrich Stoltzes. Und Weiner hat den Junior getroffen. Auch wenn der weißhaarige Mann an des Henninger-Turms Spitze nicht danach aussieht. Denn Friedrich zwo da oben war seinerzeit schon 92 Jahre alt. Ausgewiesen als „Enkel des Dichters“, umgeben ihn auf den aufgefundenen Fotos lauter Honoratioren. OB Werner Bockelmann zum Beispiel, der gratuliert 1961 ihm und seiner Ehefrau Marie persönlich zur diamantenen Hochzeit. Eine alte Pendeluhr und eine Bücherwand sieht man im Hintergrund. Und der Henninger-Turm war im Bau.

Als der zweite Friedrich, ein Naturwissenschaftler, laut Nachruf von 1964 „im Alter von 95 Jahren entschlafen“ ist, lobt der Pfarrer auf dem Hauptfriedhof das „Streben nach Freiheit“, das dem Mann, der sich allerdings „zum Dichter und Literaten nicht berufen fühlte“, zu eigen war. Ein Freiheitsliebender, wie der Großvater! Und als Stadtverordneter der Demokraten habe er „den politischen Auftrag seiner Vorfahren fortgeführt“, 27 Jahre lang.

„Der Name Stoltze lebt!“ rief Oberbürgermeister Willi Brundert (SPD) damals an des Enkels Bahre. Was zu beweisen war.

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