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04. November 2012

Hessischer Kulturpreis: "Die Lust, Dinge zu verändern"

 Von Claus-Jürgen Göpfert
Hilmar Hoffmann verteidigt Europas Kultur und Griechenland.  Foto: Christoph Boeckheler

Hilmar Hoffmann, Frankfurts langjähriger SPD-Kulturdezernent, erhält den Hessischen Kulturpreis und teilt in seiner Dankesrede kräftig aus: gegen geistlose "Geisterfahrer" und historisch inkompetente FDP-Häuptlinge wie Rösler und Dobrindt.

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Hilmar Hoffmann, Frankfurts langjähriger SPD-Kulturdezernent, erhält den Hessischen Kulturpreis und teilt in seiner Dankesrede kräftig aus: gegen geistlose "Geisterfahrer" und historisch inkompetente FDP-Häuptlinge wie Rösler und Dobrindt.

Manchmal versagt ihm die Stimme. Und seine Hände, mit denen er das Manuskript hält, zittern. Aber die Rede, die der 87-jährige Hilmar Hoffmann hält, ist so kämpferisch und engagiert, als sei das Alter spurlos an dem Sozialdemokraten vorübergegangen. Und mancher Prominente aus Politik, Kultur und Wirtschaft, der in den Metzler-Saal des Städel-Museums gekommen ist, hält gelegentlich die Luft an, schluckt schwer. Etwa, wenn der frühere Präsident des Goethe-Instituts gegen „die Röslers, Dobrindts und andere ohne historische Kompetenz“ wettert, die es wagten, „Griechenland aus reinen Kostennutzungsgründen au fond perdu zu stellen.“ Da wissen die FDP-Politiker im Saal gar nicht, wohin sie gerade blicken sollen.

Hilmar Hoffmann

Der gebürtige Bremer studierte Regie an der Folkwang Hochschule für Musik und Theater in Essen. Von 1951 an leitete er die Volkshochschule Oberhausen. In diesem Zusammenhang entstanden die Internationalen Kurzfilmtage.

Von 1970 bis 1990 arbeitete er als Kulturdezernent der Stadt Frankfurt. 1979 legte er das Buch „Kultur für alle“ vor, in dem er eine demokratische Öffnung der kulturellen Institutionen empfahl. Neben dem Museumsufer entstand in seiner Amtszeit das erste Kommunale Kino Deutschlands.

Zu seinem 85. Geburtstag am 25. August ehrt die Stadt FrankfurtHilmar Hoffmann mit einem Empfang im Kaisersaal des Römers. (jg)

Geradezu genüsslich rechnet Hoffmann ab mit der „Geschichtsblindheit“ der Fiskalstrategen, die in Zeiten der Krise allen Ernstes erwögen, Länder wie Griechenland „als lästigen Ballast einfach abzuwerfen, um den Euro zu retten“. Es ist die Verleihung des 30. Hessischen Kulturpreises, die Hoffmann die Bühne bietet und niemand darf ihn stoppen: Denn er ist der Preisträger. Also bekommt neben Angela Merkel auch Sozialdemokrat Peer Steinbrück sein Fett weg: Beide haben in der jüngsten Bundestagsdebatte zur Krise das Wort Kultur kein einziges Mal erwähnt. Und es geht gegen „Geisterfahrer“, die im Buch „Kulturinfarkt“ das Schrumpfen der öffentlichen Kulturetats gefordert hatten – Hoffmann zitiert den Autor Curt Goetz: „Jedem ist das Denken erlaubt, vielen aber bleibt es erspart.“ Befreites Gelächter, Applaus.

Der große Auftritt des Jack Lang

Es ist auch ein Abend voller Wehmut: Wenn ein Film zu Beginn die unzähligen Kämpfe (und Siege) des früheren Kulturdezernenten ins Gedächtnis ruft – und ein junger Hoffmann von der Leinwand in Schwarz-Weiß verkündet: „Die Lust, Dinge zu verändern, sie nicht so zu lassen, wie sie sind: Das ist mein kulturpolitisches Programm.“ Wenn der bebende Schmelz der Musik von Edvard Grieg den Raum erfüllt, den das Landesjugendsinfonieorchester ganz filigran intoniert, ebenso wie das Thema zum Film „Schindlers Liste“, das sich der Cineast Hoffmann gewünscht hatte.

Einen großen Auftritt inszeniert Jack Lang, der 73-jährige Sozialist und frühere französische Kulturminister, der seinen Freund Hilmar als „europäischen Kulturpolitiker von herausragender Bedeutung“ würdigt. Lang grollt, raunt, donnert in dunklem Deutsch: „ Euroskeptiker sind präsenter denn je – in der Krise ist die Kultur immer als Erste gefährdet.“

"Nie eng oder provinziell"

Hoffmann, so urteilt er, sei einer, „der immer das Unmögliche anstrebt“. Lang träumt denn auch: „Ein deutsch-französisches Parlament, warum nicht?“ Am Ende umarmen sich die Freunde.
Da fällt der hessische Ministerpräsident mit seinen Worten doch ein wenig ab. Und doch: Der Christdemokrat Volker Bouffier zieht sich gut aus der Affäre, einem politischen Gegner Anerkennung zollen zu müssen. Hoffmann sei „nie eng“ gewesen, „nie provinziell“, habe stets „nicht auf billig und Masse, sondern auf Klasse“ gesetzt.

Als sich die illustren Gäste zur Party zerstreuen in den Sälen des Städels, bleibt ihnen vielleicht das Goethe-Zitat in Erinnerung, mit dem Hoffmann endete: „Es gibt keine patriotische Kunst und keine nationale Kultur – beide gehören, wie alles hohe Gut, der ganzen Welt an.“

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