Die Tierschutzorganisation Peta ist bekannt für eine eher vehemente Vorgehensweise gegen alljene, die Rechte von Tieren verletzen, ihre Vertreter beschmieren schon mal Pelzmäntel oder werben nackt in Fußgängerzonen für das Leben von Robbenbabys. Aber sie sehen sich auch als Ermittler in eigener Sache – und als solche haben zwei von ihnen in einer Nacht im Januar ein Video gedreht, nach eigenen Angaben in der Filiale von Kentucky Fried Chicken (KFC) an der Frankfurter Hauptwache. Nun erhebt Peta schwere Vorwürfe.
In dem Video sind neben Verschmutzungen in der Küche des Fast-Food-Restaurants auch Mäuse und Schaben zu sehen, die über den Boden laufen, an vielen Stellen sind Mäusefallen aufgestellt. Zwar ist in dem Film nicht erkennbar, dass es sich um die KFC-Filiale an der Hauptwache handelt, doch erklärt Peta genau dies in einer eidesstattlichen Versicherung. Sie trägt die Unterschrift des Agrarwissenschaftlers und Peta-Beraters Edmund Haferbeck. „Es gibt in diesem Fall nur eine Handlungsmöglichkeit: Die Filiale muss sofort dichtgemacht werden“, sagt Haferbeck.
Die Tierschützer, die den Hähnchenbräter wegen der Tierhaltung bei seinen Zulieferern schon lange im Fokus haben, berufen sich dabei nicht nur auf das selbst gedrehte Video, sondern auch auf Berichte der Hamburger Firma Anticimex, die laut Peta die interne Hygieneprüfung für KFC macht. Nach den Berichten, die auch der FR vorliegen, stellt Anticimex schon seit 2003 immer wieder Verschmutzungen und Schädlinge in der Filiale fest. So ist immer wieder von „Nagerkot im Schrank“, von „Schädlingsbefall“ und „nicht zugelassenen Chemikalien“ die Rede; insgesamt, heißt es in einem der Papiere, sei das Hygienebewusstsein in dem Restaurant „nicht vorhanden“. Im September 2009 weist Anticimex demnach sogar auf die Risiken für Mitarbeiter hin, „wenn keine Reinigung erfolgt“.
Laut Haferbeck ist „davon auszugehen, dass KFC mit Vorsatz handelt, weil auch dringendste Aufforderungen von Anticimex nicht umgesetzt wurden“.
Kentucky Fried Chicken bittet auf FR-Anfrage um Verständnis dafür, den Fall erst genau prüfen zu wollen, bevor man eine „detaillierte Stellungnahme“ dazu abgeben könne. Generell gebe es bei KFC aber „strikte Richtlinien für Sauberkeit und Hygiene in unseren Restaurants“, die auch regelmäßig überprüft würden. „Sollte es dennoch zu Abweichungen von diesen hohen Standards kommen, werden sofort die notwendigen Maßnahmen eingeleitet, um Missstände umgehend zu beheben.“
Nach Angaben des Ordnungsamts, dem Peta mangelhafte Kontrollen vorwirft, ist der Betrieb an der Hauptwache seit 2009 insgesamt fünfmal überprüft worden, zuletzt Anfang Februar. Bei einzelnen Kontrollen seien dabei „kleinere Mängel“ festgestellt worden, die Nachkontrollen seien aber „ohne Beanstandungen“ verlaufen, sagt Sprecher Ralph Rohr. Allerdings räumt Rohr ein, dass Nachkontrollen angemeldet durchgeführt werden.
Wie wenig das Ordnungsamt wirklich kontrollieren kann, ist kein Geheimnis. Gerade einmal neun Prüfer stehen im Dienst der Behörde, bei Tausenden Gastronomiebetrieben in der Stadt.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Facebook | Twitter überregional | Google+