Einmal ist es sogar zum Flashmob gekommen, einer jener modernen, übers Internet einberufenen Spaßdemos: Da hatten sich ein gutes Dutzend Gegner vermeintlicher Abzocke und angeblichen Urheberwahns auf der Hauptwache getroffen, um gegen Digiprotect aufzubegehren. Digiprotect – das ist der Name der juristischen Begleitmusik von Pelhams Power Production, bekannt als 3P. Nach dem Schaden, der durch illegalen Download von Musikdateien entstanden war, gründete 3P Digiprotect. 3P hat schmerzliche Erfahrung mit dem Filesharing gemacht: Als 2007 das aktuelle Setlur-Album „Rot“ veröffentlicht wird, stehen die Songs schon eine Woche zuvor im Internet. Schlimmer erwischt es die 3P-Entdeckung Illmatic, bürgerlich Costa Meronianakis, dessen Album gar nicht erst veröffentlicht wird, nachdem es auf Fileshare-Servern gelandet und für jedermann kostenlos zu haben war.
Der massenhafte Download hat wesentlich dazu beigetragen, dass die Umsätze der Musikindustrie um mehr als bis zu 40 Prozent, andere sagen: deutlich mehr eingebrochen sind. Längst ist auch die Games-Branche dadurch getroffen: Weltweit, sagt Deutsche Bank-Experte Stefan Heng, gibt es mehr als 50 Millionen illegal kopierte Spiele. Allein in Deutschland gehen der Branche 15 Prozent Umsatz durch diese Piraterie verloren.
„Wir mussten darauf reagieren, weil es eine massive Verletzung des Urheberrechts ist“, sagt Frederik Gerckens, Geschäftsführer von Digiprotect. 2006 wird das Unternehmen in Frankfurt gegründet. Seither lässt Digiprotect auf den einschlägigen Websites permanent nach Dateien suchen, deren Download das Urheberrecht des Musikverlages verletzt, bei dem die betroffenen Künstlerinnen und Künstler unter Vertrag stehen. Den Suchvorgang hat Digiprotect Solutions in Darmstadt übernommen. Entdecken die Mitarbeiter eine Datei in einer Tauschbörse, wird zunächst überprüft, ob es sich um eine Datei des beauftragenden Musikverlages handelt. Dann wird die IP-Adresse ermittelt. Ein Anwalt beantragt dann bei Gericht, dass der Provider, etwa die Telekom, Namen und Adresse desjenigen nennen muss, der illegal Dateien herunterlädt und verteilt. Diese Person wird von Digiprotect angeschrieben und abgemahnt.
Im vergangenen Jahr sind es mehrere zehntausend Abmahnungen gewesen, die das Unternehmen verschickt hat. Zwischen 300 und 450 Euro sollen die Abgemahnten zahlen, was einige tun, andere nicht. In wenigen Fällen zieht Digiprotect vor Gericht, um die Zahlung zu erzwingen.
Digiprotect hat laut Gerckens im vergangenen Jahr rund 6,6 Millionen Euro Umsatz gemacht. Rund die Hälfte des Geldes wird an die Musikverlage und die ihnen angeschlossenen Künstler ausgezahlt. Mit der anderen Hälfte erwirtschaftet Digiprotect die Betriebskosten und das Verdienst aller Beteiligten. Laut Gerckens sinkt inzwischen die Zahl illegaler Downloads. (schu )

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