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23. Januar 2013

Industrie in Frankfurt: „Verlagerung kann die Firmen an Rand des Ruins treiben“

Im Industriepark Höchst „stinkt und kracht“ es noch. Foto: Michael Schick

Unternehmer, Handwerk, Industrie- und Handelskammer und IG Metall kämpfen für den Erhalt der Industrie in Frankfurt.

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Dagmar Bollin-Flade schreckt vor radikalen Schritten nicht zurück. Die Unternehmerin, deren kleine Firma mit 30 Mitarbeitern seit 1924 in Frankfurt Armaturen produziert, hat schon Stadtverordnete in ihre Fabrik eingeladen. „Die SPD-Fraktion aus dem Römer tagte bei uns“, erzählt die frühere Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt.

Bollin-Flade kam es darauf an, den Politikern ins Gedächtnis zu rufen, dass es in Frankfurt tatsächlich noch Unternehmen gibt, „wo es kracht und stinkt“. Seit zwei Jahren sitzt die Frau aus der Industrie in dem Beirat, der Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) bei der Erstellung des „Masterplans Industrie“ berät.

Bollin-Flade erinnert sich: Als 1993/94 die Stadt um ein „industriepolitisches Leitbild“ rang, ging es noch um die Erhaltung von Arbeitsplätzen. Heute stehe der Konflikt „um die Flächen“ im Vordergrund: Welche Grundstücke bleiben für industrielle Produktion in Frankfurt reserviert? Die Unternehmerin warnt eindringlich davor, produzierendes Gewerbe zu verlagern: „Bei einer Verlagerung entstehen große Kosten, die Firmen bis an den Rand des Ruins treiben können.“

Auch Beiratsmitglied Christof Riess, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, wirbt für „die Akzeptanz der Produktion in der Stadt“. Immerhin verdanke die Kommune noch 35 Prozent ihrer Gewerbesteuereinnahmen der Industrie. Unternehmerin Bollin-Flade rechnet vor: „Die Industrie zahlt mehr Gewerbesteuer als die Banken!“

Das Handwerk, sagt Christof Riess, sorge dafür, dass die industriellen Produkte auch beim Kunden ankämen. „Wir wollen hier Arbeitsplätze erhalten.“

Auch die Gewerkschaften ziehen am gleichen Strang. Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Frankfurt, freut sich über die gegenwärtige „Renaissance von Industriepolitik“ in der Stadt.

Für die Gewerkschaft stehe die „Bestandssicherung“ im Vordergrund: „Wie viel industrielle Arbeitsplätze sind noch vorhanden in der Stadt, darum geht es.“

40 einzelne Industriegebiete machen die Fachleute von der städtischen Wirtschaftsförderung in Frankfurt aus. 148 größere Betriebe gebe es noch, sagt Peter Kania, der Chef der Wirtschaftsförderer. 82 Prozent der Betriebe zählen aber weniger als zehn Beschäftigte.

Zum ersten Mal seit Anfang der 90er Jahre, so Wirtschaftsdezernent Frank, gebe es „eine gewisse Stabilisierung bei der Zahl der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe.“

17 Mitglieder insgesamt zählt der Beirat „Masterplan Industrie“. Sie repräsentieren einen Querschnitt der industriellen Wirtschaftszweige in der Stadt, die immer noch „breit aufgestellt“ seien, wie Peter Lindner vom Institut für Humangeografie der Goethe-Universität sagt.

Der „industrielle Kern“ in Frankfurt reiche von der Chemie über Pharmaunternehmen und Nahrungsmittelproduktion bis hin zur Druckindustrie.

Damit das so bleibt, sagt Wirtschaftsdezernent Frank in beschwörendem Ton, brauche es den „Masterplan Industrie“. (jg.)

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