Vor dem Hintergrund einer drohenden Räumung des Instituts für vergleichende Irrelevanz (IvI) haben Unterstützer und Sympathisanten des seit zehn Jahren besetzten linken Kulturzentrums noch einmal an Stadt und Universität Frankfurt appelliert, über alternative Räume für das IvI nachzudenken. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Goethe-Uni hatte dazu zu einer Pressekonferenz geladen.
Dietmar Flucke von der Initiative „IvI-Cube“ wies erneut auf den Vorschlag hin, das IvI in einem aus Containern errichteten Haus am Rande des neuen Campus Westend unterzubringen. Die Gruppe von Frankfurter Wissenschaftlern und Künstlern hatte vergangene Woche vorgeschlagen, an der Ecke Miquelallee / Hansaallee ein provisorisches Gebäude für rund 250.000 Euro zu errichten. „Unser Vorschlag steht nach wie vor im Raum, und er ist realisierbar“, sagte Flucke. Er widersprach der Aussage der Unileitung, der angedachte Ort sei bereits verplant. An der Stelle sei nur ein leerer, öffentlicher Platz vorgesehen, der zwischen stark befahrenen Straßen liege. „Die Unileitung möchte nicht, dass es das IvI oder irgendetwas anderes Kritisches am neuen Campus gibt“, meinte Flucke.
Daniel Malcharczyk vom Vorstand des Asta kritisierte die Weigerung der Universität, über ein Fortbestehen des IvI zu verhandeln. „Es bräuchte viel mehr kritische Impulse an der Uni“, sagte er. Gerade in Zeiten, in denen das Studium verschult werde und Studierende sich immer weniger selbstständig bilden könnten, seien Orte wie das IvI für eine demokratische Hochschule „unverzichtbar“.
Malcharczyk verwies in diesem Zusammenhang auf das Aktionsbündnis 15. Februar, eine Gruppe von Schülern und Studenten, die vor zwei Wochen das leerstehende Sigmund-Freud-Institut (SFI) in der Myliusstraße besetzt hatten, um auf die bedrohliche Lage des IvI, den großen Leerstand in Frankfurt und die schlechte Lage gesellschaftskritischer Ansätze im Uni-Betrieb hinzuweisen.
Deren Position wurde prominent von Wolfgang Leuschner unterstützt, ehemaliger stellvertretender Leiter des SFI, der die Besetzung seines früheren Instituts schon in einem Gastbeitrag in der FR gelobt hatte.
Die Psychoanalyse als gesellschafts- und kulturkritische Wissenschaft habe an der Uni kaum noch ihren Platz, kritisierte Leuschner. Dabei sei es wichtig, etwa bei der Analyse des Burn-out-Syndroms gesellschaftlichen Druck und unbewusste Ängste zu beachten. Dass Studierende mit der Besetzung des SFI auf die Notwendigkeit psychoanalytischer Forschung hingewiesen hätten, so Leuschner, sei „hervorragend“.
Zur Lage im IvI selbst sagte Malcharczyk, die Besetzer seien beunruhigt, hätten aber nicht aufgegeben. Noch hoffe man darauf, dass sich politisch etwas bewege. Die Immobilienfirma Franconofurt, die das Gebäude im Kettenhofweg für rund eine Millionen Euro von der Universität erworben hat, hatte vor zwei Wochen einen Räumungstitel gegen die Besetzer erwirkt.
Bei der Franconofurt heißt es seit einigen Tagen, der Gerichtsvollzieher sei bereits beauftragt, den Termin der Räumung lege aber die Frankfurter Polizei fest. Dort wollte man sich am Freitag nicht zum IvI äußern.
Daniel Malcharczyk sagte, solange ein Vorschlag wie der von IvI-Cube vorliege, verbiete es sich, das IvI zu räumen. Er rief Polizei und Franconofurt auf, „doch noch einen gewissen Aufschub zu geben“. In der Stadtverordnetenversammlung hatten sich am Donnerstag Politiker von SPD, Piraten, Linken und Grünen für einen Erhalt des IvI ausgesprochen.
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