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Interview: "Maßstäbe gesetzt"

Heike Kaiser findet, dass May den sozialen Wohnungsbau erneuert hat - auch in Praunheim, wo dieses Haus steht.
Heike Kaiser findet, dass May den sozialen Wohnungsbau erneuert hat - auch in Praunheim, wo dieses Haus steht.

Heike Kaiser über Ernst Mays Einfluss auf den sozialen Wohnungsbau.

Frau Kaiser, heute wäre Ernst May 125 Jahre alt geworden, ein Anlass, Rückschau zu halten.

Seit 1981 begleite ich die Entwick-lung der unter May gebauten Frankfurter Siedlungen, letztendlich als Fachfrau für die Moderne. Inzwischen ist es gesamtgesellschaftlich Konsens, notwendige Veränderungen im Sinne des Denkmals vorzunehmen. Am Anfang war das viel schwerer, es war auch das Geld nicht vorhanden.

Zeigen die Wohnungsbaugesellschaften inzwischen Verständnis für Ihr Anliegen? Da gab es ja unterschiedliche Vorstellungen.

Bei der Wärmedämmung jedenfalls haben wir uns aufeinander zu bewegt, in der Römerstadt zum Beispiel ist ein gutes Ergebnis herausgekommen. Wir haben uns auf vier Zentimeter Dicke geeinigt. Die Fassadenfarbe entspricht dem Befund: außen weiß, zum Innenbereich zartes Terracotta. Hier und da waren die Fenster bereits gegen Kunststofffenster ausgetauscht, jetzt haben wir Kunststofffenstern zugestimmt.

Die Römerstadt hat inzwischen überall Kunststofffenster ?

Ja, aber die schmalen Betonfensterbänke, die sind nachgebaut worden. Auch die unterschiedlichen Briefkästen und Haustürschilder haben wir bereinigt. Für die Außenrollläden ist ein Typ festgelegt worden. Wir haben einen einheitlichen Rolladenkasten ausgedeutet.

Sie kämpfen nicht mehr gegen Rollladenkästen an den Fassaden?

Nur in den Obergeschossen, die dürfen keine haben. In den Erdgeschossen mussten wir Kompromisse eingehen. Letztlich dient es dem Kulturdenkmal, die Überformung zu steuern. Die Wohnbedürfnisse muss man akzeptieren.

Zur Person

Heike Kaiser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Frankfurter Denkmalamt.

Über die „Frühe Moderne in Frankfurt am Main 1920 bis 1933“ hat sie 1984 ein Standardwerk verfasst, dessen Schwerpunkt die Bauten und Siedlungen der May-Ära sind.

Auch die Markisen über den Terrassen?

Wir haben den Rahmen abgesteckt, das ist Konsens. Daran sind die Eigentümer gebunden.

Und dann waren in vielen Häusern die Haustüren durch hässlich entstellende Modelle ausgetauscht worden.

Die durften bleiben, dafür sind die letzten bauzeitlichen Türen originalgetreu aufgearbeitet worden, die mit dem Fensterchen.

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Datum:  27 | 7 | 2011
Seiten:  1 2
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