Herr Professor Banzer, am Sonntag starten wieder Hunderte Gelegenheitssportler beim Frankfurt City Triathlon. In diesem Jahr starb bereits beim Halb-Ironman in Wiesbaden ein Teilnehmer, in Frankfurt beim J.P.Morgan-Lauf ebenfalls einer. Muten sich die Leute zu viel zu?
Ja. Manche schon. Da kommt oft eine Mischung aus übersteigertem Ehrgeiz und falscher Beurteilung der eigenen Situation zusammen. Die Leute lassen sich davon stimulieren, bei einem solchen Event dabei zu sein. Das reißt sie mit und sie meinen, locker mitjoggen zu können. Da kommt es dann oft zur Überforderung.
Professor Winfried Banzer leitet seit 1995 die Abteilung Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaften der Frankfurter Goethe-Universität.
Die Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte der Abteilung liegen bei Gesundheit, Prävention und Bewegung. Der 57-Jährige ist zudem Mitglied des Beirats Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes. (sabu)
Eine gewisse Fitness ist also auch für eine Jedermann-Strecke wie die 400 Meter Schwimmen, 13 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen nötig?
Jeder, der einen Fahrtenschwimmer hat, kriegt auch diese 400 Meter Schwimmen hin. Und wenn jemand einmal die Woche Joggen geht, ist die Strecke natürlich zu schaffen. Aber es wäre jetzt die falsche Botschaft zu sagen, man bräuchte nicht zu trainieren. Sinnvolle Vorbereitung ist schon wichtig. Denn gerade der Triathlon unterliegt ja durch den Wechsel der Belastungsformen ganz anderen Gesetzmäßigkeiten als zum Beispiel ein Marathon.
Schwimmen, Radfahren, Laufen – das hintereinander ist zu viel für einen Freizeitsportler?
Nun, er ist es ja nicht gewohnt, sich auf diesen unterschiedlichen Terrains zu bewegen. Das kann Stress bedeuten. Da ist auf jeden Fall eine Grundausdauer nötig. Ein Ausdauertraining ist daher die beste Voraussetzung für so einen Event. Zwei- bis dreimal die Woche trainieren, alles mal im Wechsel zu machen – das ist eine gute Basis. Und wer gar keine Erfahrung hat, sollte sich auf jeden Fall auch sportmedizinisch erstmal untersuchen lassen.
Was würde das denn bringen?
Da machen wir ein Belastungs-EKG, fahnden nach Risikopotenzial. Damit kann man zwar nicht jedes Risiko ausschließen, aber zumindest minimieren. Eine solche Untersuchung machen aber die wenigsten. Wenn Rennen wie der Frankfurt Marathon anstehen, kommen zwar mehr Leute, aber es sind immer noch zu wenige.
Am Sonntag stehen um die 21 Grad und leichte Bewölkung an. Sind das optimale Bedingungen?
Das ist gut, nicht zu heiß. Bei über 30 Grad ist ein Rennen nicht mehr lustig. Der Flüssigkeitsverlust kann dann schon extrem sein. Wenn es dagegen kalt ist, sollte man sich so kleiden, dass nicht zu viel Energie durch Wärmeproduktion verloren geht. Aber die Kleidungsfrage ist inzwischen im Freizeitsport angekommen.
Auch die Gelegenheitssportler kommen also im richtigen Outfit?
Ja, nur beim Radfahren wird sich oft verschätzt. Da sind Knielinge und Ärmlinge häufiger angesagt als gedacht. Wenn es bergab geht, unterschätzen viele, dass das ganz schön kalt werden kann.
Wenn es dann trotz richtiger Kleidung nicht so gut läuft – wann ist der Zeitpunkt gekommen, aufzugeben?
Meistens merkt man’s zu spät – und wenn es zu spät ist, dann ist es wirklich zu spät. Im Umkehrschluss heißt das: Bei den geringsten Anzeichen einen Gang zurückstecken. Den größten Fehler machen viele gleich am Anfang. Sie gehen die Sache zu schnell an.
Und das bedeutet?
Es kommt zu hohen Herzfrequenzen, das führt zur Übersäuerung – und das kann nicht mehr kompensiert werden. Die meisten kommen dann nicht mehr durch. Wenn jemand merkt, dass er schlapp macht, kann er noch versuchen, Kohlenhydrate in flüssiger Form nachzutanken. Aber wenn muskuläre Krämpfe dazukommen…
… dann sollte man aufhören?
Dann kann man noch versuchen, ein bisschen zu dehnen, aber ansonsten gilt: Keinen falschen Ehrgeiz walten lassen. Es ist keine Schande aufzugeben.
Interview: Sandra Busch

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