Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Frankfurt
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Frankfurt

30. Juli 2013

Interview Car-Sharing: „Der SUV ist ein Dinosaurier“

 Von 
„Flinkster“ heißen die Car-Sharing-Autos der Deutschen Bahn – hier ein Citroen DS3.  Foto:  Deutsche Bahn AG

Der Mobilitätsforscher Konrad Götz spricht im Interview über geteilte Autos, die neuen Trends der Fortbewegungsmittel und Mobilität bis ins hohe Alter.

Drucken per Mail

Der Mobilitätsforscher Konrad Götz spricht im Interview über geteilte Autos, die neuen Trends der Fortbewegungsmittel und Mobilität bis ins hohe Alter.

Herr Götz, junge Leute kaufen protzige Autos: Stimmt das heute noch – wenn es je gestimmt hat?
Das hat nie gestimmt. In meiner Generation fuhren die Jungen Velosolex, R4 oder Ente. Es waren schon immer nur ganz bestimmte soziale Milieus, in denen demonstrativ aufgemotzte Autos angesagt waren. Aber heute verschieben sich ja die gesamten Mobilitätsorientierungen. Die Daten zeigen, dass junge Leute in geringerem Umfang Autos zur Verfügung haben, und dass sie weniger Kilometer mit dem Auto fahren als die Vorgängergenerationen. Dieser tendenzielle Relevanzverlust des automobilen Leitbildes ist zwar nicht so stark wie er oft dargestellt wird. Aber für die Autoindustrie in Europa doch schon so alarmierend, dass völlig neue Produkte für den Verkehr der Zukunft entwickelt werden. Es ist schon bemerkenswert, dass die ehemaligen Autobauer kleine elektronische Helfer basteln, mit denen alle Verkehrsmittel kombiniert werden können und mit denen multioptionale Mobilitätsstile unterstützt werden. Oder dass sie die Car-Sharing-Idee geklaut haben und nun selbst vermarkten.

Wie schätzen Sie denn die Verbreitung von Car-Sharing-Angeboten ein?
Es ist wirklich erstaunlich, was sich zurzeit in diesem Markt tut. Zwar gab es auch schon vor 2010 zweistellige Wachstumsraten. Aber heute kann ich ja in allen größeren Städten ein Auto mit der Smartphone-App aus der Ferne anpeilen und reservieren, mit dem Zug hinfahren und dann – wenn ich aufs flache Land muss – ins reservierte Auto umsteigen. Ich bin selbst Nutzer von Book-n-Drive in Frankfurt und da fällt mir auf, dass die Autos, seit es die App fürs Smartphone gibt, ständig unterwegs sind. Das scheint ein Riesenerfolg zu sein. Und in anderen Städten gibt es dann ja noch die sogenannten Free-Floating-Angebote. Car2go hat damit angefangen, andere ziehen nach. Die Autos haben keine festen Stellplätze, sie stehen verstreut in der Stadt, werden per GPS angepeilt und ich kann sie ‚One-Way‘ benutzen. Am Ziel stellt man das Auto ab und muss es nicht mehr an den Ausgangsort zurückbringen. In Stuttgart und Berlin kann ich damit sogar Elektroautos nutzen. Wir vom ISOE erforschen gerade zusammen mit dem Öko-Institut, ob das wirklich ökologisch ist. Wir wissen noch nicht, was dabei herauskommt. Aber immerhin werden die Autos mit Grünstrom geladen.

Konrad Götz, 60, forscht als Sozialwissenschaftler am Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zu Mobilität und urbanen Räumen.



Das ISOE mit Sitz in der Hamburger Allee in Bockenheim erforscht seit 1989 ökologische Probleme inter- und transdisziplinär.
Konrad Götz, 60, forscht als Sozialwissenschaftler am Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) zu Mobilität und urbanen Räumen. Das ISOE mit Sitz in der Hamburger Allee in Bockenheim erforscht seit 1989 ökologische Probleme inter- und transdisziplinär.

"Dann leuchten die Augen."

Wie sieht es mit der Akzeptanz von E-Autos in unserer Gesellschaft aus?
Wir wissen aus unserer Forschung, dass eine Begeisterung für Elektroautos erst dann wirklich entsteht, wenn man die mal gefahren hat. Dann leuchten die Augen. Wir haben das bei unseren Forschungen mit SAP in dem Projekt Future Fleet festgestellt. Dort wurden Elektroautos als Dienstwagen zur Verfügung gestellt. Und plötzlich, beim Familiengebrauch, lässt sich der Papa, der bisher immer riesige Geländewagen fährt, von seinen Kindern überzeugen, dass Elektromobilität die Zukunft ist und der SUV ein Dinosaurier. Elektroautos in Pools, wie sie beim Firmeneinsatz, beim Car-Sharing und bei Lieferfahrzeugen möglich sind, bedeutet, dass die Autos intelligent geladen und gut ausgelastet werden können. Ich glaube, für Privatkäufer ist Elektromobilität vor allem dann interessant, wenn die Fahrzeuge – egal ob Pedelec, Roller oder Auto – mit selbst produzierter Sonnenenergie geladen werden können. Dahinter steckt der besonders in Zeiten der Krise höchst attraktive Gedanke der Autarkie.

Sie forschen auch zu Mobilität im Alter. Wie können Menschen bis ins hohe Alter mobil bleiben?
Indem sie, auch wenn sie früher viel Auto gefahren sind und soweit es ihnen möglich ist, viel zu Fuß gehen, Rad fahren und den öffentlichen Verkehr nutzen. Und indem sie dabei von der Stadt- und Verkehrsplanung, aber auch von den ÖPNV-Betreibern unterstützt werden. Eine genau überlegte Gestaltung aller Flächen, auf denen sich Fußgängerinnen und Fußgänger bewegen, nützt allen. Denen mit Kinderwagen, den Kindern, den Älteren. Dazu müssen die Ampeln sinnvoll geschaltet sein. Da ist in Frankfurt noch viel zu tun. Und die Straßen- und Stadtbahnfahrer müssen geschult werden. Die fahren manchmal Formel 1. Wir brauchen wie in Zürich Pausier- und Trinkgelegenheiten und Toiletten auf dem Weg. Und bei den Auto- und Radfahrern eine ganz andere Mobilitätskultur. Wenn Fußgänger einen Fuß auf die Straße setzen, müssen die Autos anhalten. In Zukunft wird es für die Älteren elektronische Helfer geben. Navis, die uns dabei helfen, die gesamte Kette der verschiedenen Fortbewegungsformen wahrzunehmen. Strecke, Preis, Fahrplan, Verbindungen, Umstiegszeiten, Warnungen. Wir erforschen gerade zusammen mit Partnern aus der IT, wie so etwas aussehen könnte – das Projekt heißt Compagno.

Interview: Florian Leclerc

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten und Reportagen aus dem Herzen des Rhein-Main-Gebiets - alles über Frankfurt und seine Stadtteile.


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter
Südliche Stadtteile
Östliche Stadtteile
Nördliche Stadtteile
Westliche Stadtteile
Bahn-Verkehr

Die Lage im Bahnverkehr live:

- Frankfurt a.M. (Hbf) aktuelle Abfahrt und Ankunft,
- An- und Abfahrt für alle Stationen,
- Reiseverbindungen als Live-Auskunft (Prognosen).

Anzeige

Premium-Fotostrecke
Frankfurt von oben

Mit dem Hubschrauber unterwegs über der Mainmetropole: Fliegen Sie mit!
Zur Premium-Fotostrecke Frankfurt von oben.

Eintracht: Berichte | Spielplan | Team | FR-Videos

ANZEIGE
- Partner