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19. Januar 2013

Interview Clubszene: „Wir kloppen uns um ein paar Tausend“

Im Monza. Foto: Michael Schick

Klaus Unkelbach, Betreiber mehrerer Clubs im Rhein-Main-Gebiet, spricht im FR-Interview über den Strukturwandel in der Diskothekenlandschaft, das Selbstbewusstsein Frankfurts und komplizierte Auflagen für Musikmacher.

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Herr Unkelbach, Sie sind Betreiber der Diskotheken Monza, Robert Johnson und MTW. Geht es Frankfurter Clubbetreibern besonders schlecht im Moment?

Jetzt kommen die Konsequenzen zum Tragen, die sich lange abgezeichnet haben. Hauptgrund ist der Geburtenrückgang, es gibt nicht mehr so viele junge Leute wie vor 20 Jahren. Die Nachfrage hat durch den Strukturwandel um 50 Prozent nachgelassen. Paradoxerweise ist das Angebot aber viel größer geworden. Wir haben in Frankfurt einen gastronomischen Betrieb auf 200 Einwohner. Zum Vergleich: Düsseldorf hat 400 Einwohner auf einen Betrieb.

Woran liegt das?

Das Hauptproblem ist, dass die gesamte Stadt sich größer fühlt, als sie ist. Das liegt am Flughafen, an der Internationalität des Bankensektors. Frankfurt hat das Selbstbewusstsein einer Millionenstadt. Alle denken: Hier muss viel passieren. Also passiert hier auch viel, aber die Nachfrage ist mit jener in den Millionenstädten Hamburg, Berlin, München oder Köln nicht zu vergleichen.

Trotzdem gibt es Neueröffnungen. Die letzte große war 2012 das Gibson.

Dort gehen viele hin, weil der Club neu und in ist. Aber die Größenordnung von 1000 Leuten lässt sich im hiesigen Markt nicht ein zweites Mal aufrechterhalten. Das heißt, für Clubs wie das Cocoon, die schon da waren, ist die Luft dünn geworden. Das Cocoon war für die Region von Anfang an überdimensioniert, aber wenn dann noch ein neuer großer Player kommt und in die Innenstadt geht, dann fehlen irgendwann die Gäste.

Welche Rolle spielt die elektronische Musik hier?

Frankfurt ist traditionell einem Ruf verpflichtet. Da sind die Ansprüche aber genauso gestiegen wie in Bezug auf die Ausstattung von Clubs. Ins Cocoon sind fast nur große, teure Namen gekommen. Wenn die neuen Betreiber da mehr sparen, auch was Reisekosten, Übernachtung und Steuern angeht, ist das weiterhin machbar. Der neue Club wird dann aber wieder anderen die Gäste wegnehmen.

Der erfolgsorientierte Betriebswirt sucht sich also besser eine andere Stadt?

Oder ein anderes Konzept. Das Modell Fläche finden, viel Geld in die Hand nehmen, jede Menge Auflagen erfüllen, Anlage reinbauen, Programm auf die Beine stellen und Werbung machen hat es schwer. Heute ist Facebook der Kanal für Leute, in Clubs zu gehen. Plakatieren lohnt sich nicht mehr. Hinzu kommt, dass das Umland sich früher stärker an Frankfurt orientiert hat. Die haben in den letzten 15 Jahren ihre eigene Clubnahversorgung aufgebaut. Die Leute fahren immer noch nach Frankfurt, aber weniger oft.

Kann die Stadt helfen?

Die Anspruchshaltung an die Infrastruktur einer Fläche ist hier besonders hoch. Bisher hat man eine Konzession vom Ordnungsamt erhalten, wenn man Auflagen wie Parkplatz-Nachweise, Lärm-obergrenze, Brandschutz und Fluchtwege erfüllte. Da geht es der Feuerwehr um fünf Zentimeter. Es ist unglaublich aufwendig, diese Auflagen zu erfüllen.

Da sind Off-Locations natürlich im Vorteil.

Und ihr Angebot hat sich enorm ausgeweitet. Wöchentlich gibt es noch x Partys zusätzlich zu den konzessionierten Diskos, die noch den besonderen Sex haben, dass sie nur temporär bestehen. Wir kloppen uns um ein paar tausend Leute in der Stadt.

Aber geht es nun der elektronischen Szene besonders schlecht, oder ist das Zufall?

Kein Zufall. Frankfurt war noch nie eine Rock-Stadt. Elektronische Musik kam in Deutschland aus Frankfurt. Deswegen ist die Tradition stark. Aber generell geht es gerade mehr in Richtung R’n’b und Black Music. Und Bookings in der elektronischen Szene sind viel teurer. Einen Black-Music-DJ findet man überall, da gibt es nicht solche Stars wie in der Elektro-Szene, die auf Ibiza für zigtausend Euro spielen. Dann sind Elektronik-Clubs die ersten, die über den Deister gehen.

Wie kann man gegensteuern?

Gar nicht. Auch die Musikindustrie rauft sich ja die Haare, weil sich das Nutzerverhalten geändert hat. Schnelllebig waren Clubs schon immer, nur Mode ist schneller. Ein Club ist was für junge Leute. Wir haben nur den Zeitraum von 18 bis 25. Und viel Geld haben diese heavy users während ihrer Ausbildung oder ihres Studiums nicht. Unser Geschäftsmodell konzentriert sich auf eine kurze Zeitspanne im Leben der Konsumenten.

Und dann kommt noch die Gema-Tariferhöhung…

Und die GVL, die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten. Die will nämlich genauso viel wie die Gema. Wenn die Gema sich durchsetzt, wird die GVL draufgesattelt werden. Bisher führt ein Club 26 Prozent des Gema-Basistarifs an die GVL ab. Dagegen hat die GVL geklagt, sie will 100 Prozent des Basistarifs. Das ist noch nicht ausgestanden.

Das Interview führte Grete Götze

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