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Frankfurt
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28. September 2010

Interview mit ABG-Chef Junker: „Nicht mehr diese Wohnmaschinen“

Die Hochhaussiedlung Mainfeld in Niederrad soll saniert werden.  Foto: Alex Kraus

ABG-Geschäftsführer Frank Junker spricht im FR-Interview über den ökologischen Umbau städtischer Wohnungen und seine "Green-City"-Kampfansage an Hamburg.

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ABG-Geschäftsführer Frank Junker spricht im FR-Interview über den ökologischen Umbau städtischer Wohnungen und seine "Green-City"-Kampfansage an Hamburg.

Herr Junker, alle reden über Frankfurt als Green City. Ist die Stadt wirklich so weit?

Wir sind wirklich weit und haben bereits vieles von dem umgesetzt, was die Europäische Union für das Jahr 2019 als energetischen Maßstab gesetzt hat. Aber, das setze ich hinzu: Das gilt für den öffentlichen Bereich, wir brauchen aber unbedingt mehr Überzeugungsarbeit bei den Privaten. Das gilt für private Wohnungsgesellschaften wie für Privatleute. In diesem Zusammenhang sollten Lobbyisten den energetischen Mietspiegel nicht länger als Teufelszeug verdammen, damit lässt sich für Privatleute sicherlich einiges abfedern.

Die Opposition im Römer macht sich über Frankfurt als Hauptstadt des Passivhauses lustig und hält dieses Projekt eher für eine Marginalie gemessen an dem nicht-sanierten Bestand.

Das kann ich nicht teilen. Wenn wir 300 bis 500 Wohnungen pro Jahr in Passivbauweise schaffen, ist das keine Marginalie. Allerdings gilt auch in diesem Zusammenhang: Mit mehr Engagement der Privaten könnten wir auch beim Passivhaus noch weiter sein. Auch bei der Photovoltaik müssen wir uns nicht verstecken.

In der Heinrich-Lübke-Siedlung aber verzichten Sie auf Phtovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Alles nur eine Frage der Kosten?

Wir wollen diese Siedlung als Modell für Energieeffizienz im Bestand und während die Mieter dort wohnen bleiben sanieren. Die jetzt von uns projektierte Photovoltaik-Anlage auf der Quartiersgarage, die entlang der Ludwig-Landmann-Straße eine große Fläche bietet, ist zur Versorgung der Siedlung völlig ausreichend.

Zur Person
Frank Junker

Frank Junker ist Geschäftsführer der städtischen ABG Holding.

Die Wohnungsgesellschaft ist mit der Sanierung von Siedlungen aus den 70er Jahren und dem Passivhausbau befasst. (ing)

Warum ist die Lübke-Siedlung für Sie ein Modell?

Im Hinblick auf die Energieeffizienz wie im Zusammenhang mit der künftigen Sozialstruktur der Siedlung. Wir bauen mit der Lübke-Siedlung das erste 60er-Jahre-Quartier unter der Maßgabe der Energieeffizienz in einem wirtschaftlich zu verantwortenden Rahmen um. Gleichzeitig sorgen wir mit neuen Wohnungen und neuen Möglichkeiten des Einkaufens dafür, dass diese Siedlung eine andere Perspektive bekommt. Bis 2013/14 wollen wir mit den jetzt beginnenden Arbeiten fertig sein.

Und was meint Modell im Zusammenhang mit der künftigen Zusammensetzung der Mieter?

Wir wollen eine sozialverträgliche Belegung erreichen. Deswegen müssen wir mit der Stadt ein Belegungsprogramm vereinbaren. Auf dieser Grundlage lassen sich Belegungsrechte tauschen. Für die Lübke-Siedlung wären 30 Prozent eine gute Größe, an dem wir uns orientieren wollen.

Das wären etwa 150 Wohnungen?

Das hätte etwa diese Dimension. Über Nachverdichtungen bauen wir neue Wohnungen, und aus dem sanierten Bestand wollen wir Wohnungen zum Tausch rausnehmen für preisfreie Belegungen.

Anders als im Mainfeld läuft die Beteiligung der Mieter in der Praunheimer Siedlung besser. Warum eigentlich?

Weil wir in diversen Mieterversammlungen mit den Menschen darüber gesprochen haben, was auf sie zukommt. Dafür ist die Altenwohnanlage in der Siedlung ein Pilotprojekt: Da haben die alten Menschen darauf bestanden, ihre Loggien zu behalten. Wir sind darauf eingegangen, die Loggien bleiben.

Von einem konstruktiven Dialog zwischen ABG Holding und Mietern scheint man im Mainfeld noch meilenweit entfernt?

Das sehe ich nicht so. Im Mainfeld hat sich die Stimmung ein bisschen hochgeschaukelt, weil bestimmte Kreise eine Vertreibung der Mieter befürchten. Die Linken haben sich auf diese Stimmungsmache gesetzt. Wir haben aber gar nicht vor, die Mieter zu vertreiben. Schließlich wollen wir in dem Quartier zum Main hin wesentlich mehr Wohnfläche schaffen. Damit verteilen wir die Bewohner sozialverträglich, nicht mehr in diesen Wohnmaschinen.

Wie wollen Sie den Mietern Ängste nehmen?

Wir haben für Oktober eine Reihe von Mieterversammlungen geplant. Haus für Haus wollen wir die Bewohner informieren über das, was wir vorhaben. Ich hoffe, dass wir auf diesem Weg ins Gespräch kommen. Die Bewohner sollen dann Haus für Haus einen Beirat wählen, der den Mietern ebenfalls vermitteln kann: Sie verlieren nicht ihre Heimat, sie wohnen künftig aber zu niedrigeren Energiekosten.

Das geht allein über Dämmung?

Die Dämmung des Bestandes kann auch im Hinblick auf die Altbauten nicht allein der Weisheit letzter Schluss sein. Wir brauchen perspektivisch ganzheitliche Projekte. Neben der Sanierung des Bestandes setzen wir darauf, Blockheizkraftwerke auszubauen: Kleinere Kraftwerke, die wir miteinander vernetzen.

Und dann wird Frankfurt eine Green City?

Anders als Hamburg, das diesen Titel anstrebt, begnügen wir uns nicht mit Ankündigungen. Wenn wir Green City werden, haben wir unser Programm auch längst umgesetzt.

Interview: Matthias Arning

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