Die Mehrheit der Frankfurter über 60 Jahre wohnt laut Studie in der Wohnung einer Wohnungsgesellschaft und möchte dort auch bis ans Lebensende bleiben. Wie viele Ihrer Wohnungen sind denn überhaupt altersgerecht?
Etwa ein gutes Drittel? Wir kümmern uns ja mit Blick auf die demografische Entwicklung schon seit einiger Zeit um diesen Bedarf. Die Studie, die wir mitfinanziert haben, gibt uns noch mal detaillierteren Aufschluss über die Anforderungen. Das ist wertvoll für uns. Beim Neubau ist das alles einfacher zu regeln. Beim Bestand wird es allerdings sehr schwer.
Frank Junker ist seit rund 15 Jahren Geschäftsführer der städtischen ABG Frankfurt Wohnungsholding.
In Frankfurt und Umgebung gehören der Wohnungsgesellschaft mehr als 50000 Wohnungen. Außerdem Gewerbeliegenschaften und Parkhäuser. Sie ist der mit Abstand größte Anbieter in der Stadt. Es folgen Nassauische Heimstätte und GWH.
Die vom Sozialdezernat vorgelegte Studie über seniorengerechtes Wohnen in der Stadt hat ergeben, dass die meisten der Menschen über 60 Jahre in einer Siedlungs-Wohnung leben und dort auch im Alter bleiben möchten. ox
Welche Regeln haben Sie im Sinne des altengerechten Wohnungsbaus getroffen?
Alle unsere Neubauten werden jetzt nach diesen Anforderungen gebaut. Da sind wir schon weiter als die Hessische Bauordnung, die eine barrierefreie Wohnung im Block vorschreibt. Selbstverständlich sind stufenlose Zugänge und Aufzüge. Flure und Türen sind breiter für Rollstuhl und Rollator. Die Bäder sind so konzipiert, dass sie problemlos nachgerüstet werden können. Zum Beispiel Toiletten, die höher gestellt werden können, bodengleiche Duschen und so weiter.
Warum eigentlich nachrüsten und nicht sofort beispielsweise Haltegriffe anbringen?
Nach unseren Erfahrungen sind es gerade auch die noch sehr rüstigen älteren Menschen, die solche sichtbaren Anzeichen von späterer Hinfälligkeit nicht schon täglich sehen möchten. Da heißt es dann, hier sieht es aus, wie im Pflegeheim. Deshalb haben wir flexible Konzepte.
Was ist mit dem Wohnungsbestand?
Da hängt es natürlich sehr von der Baualtersklasse ab. In Hochhäusern, die in den 70er Jahren entstanden sind, ist es relativ einfach. Da gibt es die Aufzüge, keine zu schmalen Flure. Aber dann sind da doch oft noch irgendwelche Zwischentreppen. Da müssen überall eigene bauliche Lösungen gefunden werden. Man kann nicht einfach nur Beton darüber kippen, um eine rollstuhlgerechte schiefe Ebene zu bekommen.
Was ist mit den älteren Bauten?
Da gibt es große Schwierigkeiten. Schauen Sie sich doch nur mal die May-Häuser aus den 1920er Jahren an. In der Regel haben alle Stufen zum Hauseingang. Und innen führen ganz schmale Treppen nach oben. Dort nachträglich Aufzüge einzubauen, ist praktisch unmöglich.
Müssen sich dann alle älteren Menschen bei Behinderung mit einem Auszug abfinden?
Wir überlegen noch andere Lösungen. Zum Beispiel wollen wir den Service der Siedlungshelfer ausweiten, die wir bislang im Gallus, im Riederwald und in der Nordweststadt haben. Die sind da für ältere Bewohner, um beispielsweise schwere Tüten hoch zu tragen, kleinere Reparaturen auszuführen, den Alltag zu erleichtern.
Interview: Jutta Ochs

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