Japan ist in. In Frankfurt gibt es eine der größten japanischen Gemeinden Deutschlands. Immer mehr japanische Läden siedeln sich hier an. Längst sind das nicht mehr nur kleine versteckte Sushi-Läden, in denen sich nur heimwehkranke Japaner einfinden. Die Palette wächst stetig. Japanische Bücher und Zeitschriften gibt es im OCS Japan Store, Grüntee-Törtchen im Iimori Café, Kunst aus Japan in der Japan Art Galerie, das 115 Meter hohe Japan Center prägt das Stadtbild. Der neueste japanische Laden eröffnet am heutigen Donnerstag in der Kaiserstraße: Muji – ein Möbel- und Haushaltswarengeschäft.
In Japan ist die Marke längst Kult. Auch in Deutschland ist sie keine Unbekannte mehr. Vor sechs Jahren eröffnete in Düsseldorf die erste Filiale, es folgten weitere in München, Berlin, Köln und Hamburg. Gekauft werde keinesfalls nur von Japanern. „Der japanische Lifestyle schwappt immer mehr von Japan rüber nach Deutschland“, so Christine von Welck von Jeschenko Medien.
Doch Muji vertreibt keine Möbel im traditionellen japanischen Stil. Dunkles schweres Holz mit Metallbeschlägen und Verzierungen sucht man hier vergeblich. „Modern“ sei das, was hier verkauft werde. Das moderne Japan ist glatt und schlicht. Die Möbel erinnern an die des bekannten schwedischen Möbelhauses. „Es kommt gut an, weil es einfach und praktisch ist“, sagt von Welck, die sich sicher ist, dass der Laden auch in Frankfurt ein Erfolg wird.
Schon allein, weil es hier eine große japanische Gemeinschaft gibt. Die Zahl der in Frankfurt lebenden Japaner ist in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich gestiegen, mittlerweile leben 2400 in Frankfurt. Auch bei japanischen Touristen ist Frankfurt beliebt. 2009 besuchten rund 73.800 Japaner die Stadt. Im IHK- Bezirk Frankfurt, der unter anderem auch Eschborn und Bad Homburg beinhaltet, haben sich 171 japanische Unternehmen angesiedelt, 88 Prozent sind im Dienstleistungsbereich tätig. Einige sind bereits seit über 40 Jahren dort vertreten. „Frankfurt ist das Tor zu Europa“, sagt Volker Gempt, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft in Frankfurt. Japan und Frankfurt haben schon lange eine gute Beziehung. Nach dem politischen Umbruch im Jahre 1868, der sogenannten Meiji-Restauration, setzte in Japan die Modernisierung und Verwestlichung ein. 1871 schloss es ein Freundschafts- und Handelsabkommen mit Preußen.
Viele Japaner kommen mit Familie
Schon damals machte Frankfurt seiner heutigen Bedeutung als „Stadt des Geldes“ alle Ehre. „Da beschloss der japanische Kaiser, sein neues Geld in Frankfurt drucken zu lassen“, sagt Gempt. In der Druckerei Dondorf & Naumann wurden Yen gedruckt. „Japan ist schon früh mit Frankfurt im Geschäft gewesen“, sagt Gempt. Daran hat sich bisher nichts geändert.
„Das Geschäftliche lockt die Leute noch immer nach Frankfurt.“ Die Japaner kommen oftmals mit ihren Familien. Vor 27 Jahren wurde deshalb die Japanische Internationale Schule gegründet. Die hat derzeit 280 Schüler und 30 Lehrer. „Die meisten Kinder stammen aus japanischen Familien, deren Väter für einige Jahre in japanischen Firmen in Frankfurt und Umgebung arbeiten“, sagt Ryusuke Moriyama, Direktor für kulturellen Austausch an der Internationalen Schule.
Unterrichtet wird auf Japanisch; Deutsch steht zwei- bis dreimal die Woche auf dem Stundenplan. „Sie sollen sich in Deutschland ja verständigen können“, sagt Moriyama. Viele, so Gempt, wollten auch nicht mehr zurück in die Heimat und blieben in Frankfurt. Hier könnten sie oftmals ein besseres Leben führen. „Die japanische Gemeinde in Frankfurt wird weiter wachsen.“

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