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05. Januar 2012

Kaisersaal im Frankfurter Römer: Die Kaiser, der Reihe nach

 Von Lukas Gedziorowski
Der Kaisersaal im Römer Foto: Andreas Arnold

Vor 300 Jahren entstand die erste Galerie im Kaisersaal. Sie sah ganz anders aus als die Herrscherporträts aus dem 19. Jahrhundert, die man heute kennt. Ein historischer Streifzug

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Wer hier empfangen wird, darf sich geehrt fühlen: Der Kaisersaal im Frankfurter Römer ist mit Abstand der nobelste Veranstaltungsraum der Stadt. Zwischen viel Holz und Gold und in Gesellschaft 52 bunter Porträts deutsch-römischer Herrscher kommt stets Feststimmung auf – wie einst, als hier noch die Krönungsbankette stattgefunden haben.

Gerade ist die Kaisergalerie 300 Jahre alt geworden. Doch dass dieses Jubiläum gefeiert worden wäre, davon kann nicht die Rede sein. Kaum jemand weiß darum. Vielleicht liegt es daran, dass die Bilder, wie man sie heute kennt, erst im 19. Jahrhundert entstanden sind, und die alte Kaisergalerie von 1711 nur den Experten bekannt sein dürfte.

Einer dieser Experten ist Gerd Brüne. Der Kunsthistoriker hat nicht nur ein Buch über die Kaisergalerie mitgeschrieben, sondern jüngst seine Forschungsergebnisse in einem Vortrag im Museum Giersch vorgestellt. Es ging darum, „wie das Alte Reich in der Kaisergalerie lebendig blieb“ – natürlich nur im übertragenem Sinne, als Idee.

Frankfurt als Wahlstadt des Reiches

Im Jahr 1711, als die erste Kaisergalerie entstand, sollten die Porträts das Wahlkaisertum verherrlichen und Frankfurt als Wahlstadt des Reiches hervorheben. Somit symbolisierte die Galerie die „Einhaltung der althergebrachten Ordnung“, sagt Brüne. „Wir wissen relativ wenig über die alte Kaisergalerie. Die wesentlichen Angaben sind nur in drei Texten enthalten.“ Weil die Spuren der alten Galerie durch die Zerstörung des Römer im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen sind, bleiben viele Fragen offen, so dass man sich auf Indizien verlassen muss. Immerhin gibt es noch Fotos von den alten Porträts: Weil man im 19. Jahrhundert, als die neue Galerie angelegt wurde, die alten Wandbilder nicht abschlug, sondern hinter den Ölgemälden stehen ließ, konnten im Jahr 1903, als die Wände vor einer erneuten Renovierung des Saals freigeräumt wurden, noch einzelne Teile der alten Kaisergalerie fotografisch dokumentiert werden.

Die alte Bildnisreihe reicht von Konrad I. (911–918) bis Karl VI. (1711–1740). Des Letzteren Krönung war der Anlass, den Saal zu renovieren und die spitzbogenförmigen Nischen des Kaisersaals mit den Porträts der Vorgänger auszumalen. Dass die Reihe nicht mit dem ersten Kaiser, Karl dem Großen, einsetzt, sondern mit dem ersten König, der nicht aufgrund eines dynastischen Prinzips auf den Thron gelangte, setzt ein klares Zeichen. Damit sollte, so Brüne, nicht nur das Wahlkönig- und Wahlkaisertum glorifiziert werden. Frankfurt verwies damit auch auf sein herausragendes Privileg, die Wahlstadt des Reiches zu sein.

In knapp drei Monaten, von Mai bis August 1711, entstanden 40 Bilder von aufgesockelten Büsten, also in Freskotechnik auf die Wand gemalte Skulpturenimitate. Der „steife Charakter“ der Herrscher, wie Brüne sagt, verdanke sich nicht nur der kurzen Entstehungszeit und späteren Überarbeitungen, sondern auch den Vorlagen dafür. Denn die Gemälde orientieren sich an Münzporträts aus dem Mittelalter, die wiederum alles andere als authentische Abbilder der Herrscher waren, sondern die Gesichter typisierten und mit Details versehen waren, die den Dargestellten als Imperator auszeichneten, etwa mit Lorbeerkranz, Diadem, Krone, Szepter und Schwert.

Gerd Brüne gibt zu bedenken, dass die gewählte Darstellungsform im Jahr 1711 bereits veraltet gewesen sei. Manche Historiker des 19. Jahrhunderts nahmen daher an, dass die Kaisergalerie früher entstanden sein müsse. Da sich für diese These allerdings keine Quellenbelege finden, geht Brüne davon aus, dass die gemalten Büsten absichtlich in einem alten Stil gehalten wurden, um das Alte, die Tradition des Wahlkönig- und Wahlkaisertums in Frankfurt zu betonen.

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