Geht es nach dem Vorsitzenden der hessischen NPD, dem Frankfurter Stadtverordneten Jörg Krebs, dann gibt es so etwas wie die Nationalen Sozialisten Rhein-Main (NSRM) nicht. Zumindest seien diese keine Kandidaten der NPD, verkündet Krebs auf der Internetseite seines Kreisverbandes. Die Nummer zwei auf der Wahlliste der Nationalen für den Römer, Eike Grunewald, antwortet auf die Frage, ob er Mitglied der NSRM ist, mit einer Definition des rechten Onlinelexikons Metapedia: „Ein Mitglied ist ein konstitutiver Bestandteil einer Körperschaft“, lässt der 23-Jährige die FR wissen. Und genau das sei er nicht.
Eine „Körperschaft“ im rechtlichen Sinne stellen die Nationalen Sozialisten Rhein-Main tatsächlich nicht dar. Es ist vielmehr eine Art Markenzeichen, das einen Zusammenschluss vergleichsweise junger Rechtsradikaler in Frankfurt und Umgebung bezeichnet. „Das ist eine eigene Kameradschaftsstruktur innerhalb der NPD“, glaubt Michael Weiss, Referent des antifaschistischen Pressearchivs in Berlin.
Prominente aus der NPD
Diesem internen Netzwerk scheint eine ganze Reihe prominenter NPD-Anhänger aus dem Rhein-Main-Gebiet anzugehören. Fotos von einer Demonstration der NPD und Jungen Nationaldemokraten (JN) in Butzbach im Juni 2010 zeigen Eike Grunewald in einem T-Shirt mit dem Schriftzug der Nationalen Sozialisten Rhein-Main. Maximilian Reich, ebenfalls Kandidat der NPD für den Römer, und Steffen Kneider, Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes, zeigten sich im Juli 2010 im thüringischen Hildburghausen im selben Outfit.
Dem hessischen Landesverfassungsschutz ist die Gruppierung seit Herbst 2010 bekannt, als sie bei Demos in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz in Erscheinung trat. Für die Verfassungsschützer steht das Aufkommen der NSRM in Zusammenhang mit der Entwicklung der rechten Szene in Hessen: „Die hessische NPD befindet sich schon seit einiger Zeit im Niedergang – sie verliert an Mitgliedern, und ihr Aktivitätsniveau ist gering“, heißt es in der Antwort auf eine FR-Anfrage. Demnach speise sich das Mobilisierungspotenzial der Rechtsextremisten momentan vor allem aus den JN. Auch führten parteiungebundene Gruppen „eine Vielzahl von Einzelaktionen durch“.
"Jugendkulturelle Erlebniswelt"
Diese Gruppen zu sammeln, könnte ein Ziel der NSRM sein, vermutet Michael Weiss: „Dort bietet man eine jugendkulturelle Erlebniswelt.“ Gemeint sind Aktionen wie Fackelzüge und Spontandemos. Ein Mittel zur Vernetzung seien die Internet-Seiten des „Freien Netzes“, über die für Aktionen mobilisiert und Kontakt zu isolierten rechten Grüppchen in Rhein-Main hergestellt werde.
Im Netz spricht Jörg Krebs von einer „Verjüngung“ der NPD. Die bisherigen Erkenntnisse lassen einen Generationswechsel vermuten. Für eine Stellungnahme war Krebs bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Michael Weiss aber ist überzeugt, dass der hessische NPD-Chef sehr wohl über die Aktivitäten der NSRM informiert ist: „Wenn er sagt, die kenne er nicht, dann ist das Unsinn.“ ( dmj)

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