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09. September 2013

Katastrophenschutztag: Mainbrücke für einen Tag

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Das eröffnet eine ganz neue Perspektive: Überquerung des Mains auf der Penton-Brücke des THW.  Foto: Martin Weis

Die letzte Pontonbrücke über den Main in Frankfurt wurde 1945 von den US-Amerikanern errichtet. An diesem Samstag – 68 Jahre später – gab es wieder eine. Zur Übung aufgebaut von 1000 Kräften des Technischen Hilfswerks.

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Die letzte Pontonbrücke über den Main in Frankfurt wurde 1945 von den US-Amerikanern errichtet. An diesem Samstag – 68 Jahre später – gab es wieder eine. Zur Übung aufgebaut von 1000 Kräften des Technischen Hilfswerks.

Ein bisschen enttäuscht ist Lukas ja schon. So ein mini-bisschen zumindest, auch wenn es der Zehnjährige nicht zugeben will. Er steht auf einem sanft schwankenden und leise knarzenden Ponton auf dem Main, blickt hinüber zur Sachsenhäuser Seite, wo weitere Pontonfähren am Ufer liegen. „Ich dachte, es kommen Amphibienfahrzeuge, die ins Wasser abtauchen“, sagt er und muss lachen. „Aber egal, hier ist ja ganz schön viel los.“

Viel los ist eher untertrieben. Beim Frankfurter Katastrophenschutztag zur Förderung des Ehrenamtes am Samstag wimmelt es von Leuten. Zwischen Eisernem Steg und Untermainbrücke drängen sie sich an Informationsständen von Organisationen wie DLRG, Maltesern und Johannitern vorbei. Überall präsent: Menschen in blauen Jacken und Hosen mit gelben Streifen: die Helfer des Technischen Hilfswerks (THW). Sie und die Besucher sind vor allem wegen des Highlights des Tages da: dem Brückenschlag über den Main.

Neue Verbindung in 75 Minuten

Als Übung für den Ernstfall hat das THW eine 150 Meter lange und 60 Tonnen schwere Schwimmbrücke errichtet – eine Mainbrücke für einen Tag. Denn werden Straßenbrücken bei einer Katastrophe zerstört, muss möglichst schnell ein neuer Verbindungsweg geschaffen werden. 1000 zum größten Teil ehrenamtliche THW-Einsatzkräfte sind für die Übung bereits am Freitag angereist, 200 kümmern sich um den Brückenbau, der Rest sorgt für einen reibungslosen logistischen Ablauf der Veranstaltung.

55 Minuten dauert es am Morgen, die Brückenteile auf Booten zusammenzufahren, 20 Minuten lang sichern die Helfer noch die Behelfsbrücke – dann wird sie für Fußgänger freigeben. „Mal eine ganz andere Perspektive, den Main zu überqueren“, findet Besucherin Alexandra Herzog und hat etwas Mühe, auf dem leicht schwankenden Untergrund das Gleichgewicht zu halten. „So knapp über dem Wasser läuft man sonst nicht über den Fluss.“

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Alliierte errichteten Schwimmbrücke auf Main

Vor bald 70 Jahren war das aber schon einmal der Fall: Im März 1945 sprengte die Wehrmacht alle Innenstadtbrücken, um die Überquerung des Mains für die Alliierten unmöglich zu machen. Sachsenhausen war damit von der Stadt getrennt. Kurz nach Kriegsende errichteten die Alliierten dann eine Brücke auf schwimmenden Pontons. Aus Holz, nicht wie heute aus Aluminium. Sie lag zwischen Eisernem Steg und Alter Brücke – nur wenige Meter von der Schwimmbrücke des THW entfernt.
Für die haben Helfer Tag und Nacht geschuftet. Das schlaucht. Zwei Einsatzkräfte liegen schlafend auf einer Wiese am Main, während einige Meter weiter ein Orchester spielt. In der Einsatzzentrale ist an Schlafen jedoch nicht zu denken, dort geht es turbulent zu. Eines der beiden Handys von Einsatzleiter Gerrit Meenen klingelt immer, ständig klopfen THW-Helfer an und suchen Rat. Es geht um Jugendherbergszimmer für die Nachtschicht, um Essensmärkchen für die Feuerwehr. Meenen bleibt gelassen: „Die heiße Phase ist der Auf- und Abbau der Brücke – jetzt ist es eigentlich ganz ruhig.“

Meenen sitzt an einem runden Tisch in der Mitte des Containers. Kabel hängen von der Decke, führen zu zahlreichen Laptops. Auf einem flimmern Webcam-Bilder von der Brücke über den Schirm. Doch der Brückenschlag ist eigentlich nur einer von mehreren Schwerpunkten für das THW an diesem Tag. „Der Brückenschlag ist sicher das spektakulärste heute“, sagt Meenen. „Aber den hätten wir auch mit viel weniger Aufwand hinbekommen.“ Wollte man aber gar nicht, denn das ganze Unternehmen ist auch eine Übung für die Führung, Logistik und Kommunikation des THW.

Es geht darum, wie sich eine solch große Anzahl an Helfern im Ernstfall koordinieren lässt. Alleine 6000 Mahlzeiten müssen zwischen Freitag- und Sonntagmittag ausgegeben werden. „So etwas üben wir vielleicht einmal in einer Dekade“, sagt Meenen. „Deshalb ist es etwas ganz Besonderes für uns.“ Etwas, wovon sich die Helfer noch in Jahren erzählen würden. „Ein ganz, ganz großer Tag eben“.

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