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30. Oktober 2013

Kinderpornografie: Wernet nimmt seinen Hut

 Von Sonja Thelen
Geschäftsführer Christian Wernet steht unter dem Verdacht des Besitzes von Kinderpornografie.  Foto: Imago

Christian Wernet ist vom Amt des Ortsvorstehers zurückgetreten und hat sein Ortsbeiratsmandat niedergelegt. Gegen den Christdemokraten wird wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material ermittelt. Mitglieder des Ortsbeirates 7 zeigten sich fassungslos, pochten aber vorerst auf Unschuldsvermutung

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Auf dem Weg zur Arbeit sei ihm fast das Lenkrad aus der Hand gerutscht, als er die Radiomeldung hörte, Büro und Wohnung von Christian Wernet seien durchsucht worden, sagt Hans-Jürgen Sasse. Seit Jahren kennen sich Sasse, SPD-Fraktionsvorsitzender im Ortsbeirat 7, und der noch amtierende Ortsvorsteher Wernet. Beide sind seit langem Mitglieder des Stadtteilgremiums. Wie gestern bekannt wurde, wird gegen den Christdemokraten Wernet wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material ermittelt.

Christian Wernet, hier mit Innenminister Boris Rhein auf einem CDU-Parteitag, galt als vielversprechender Politiker in den Reihen der CDU.
Christian Wernet, hier mit Innenminister Boris Rhein auf einem CDU-Parteitag, galt als vielversprechender Politiker in den Reihen der CDU.
 Foto: Joachim Storch

Sasse zeigte sich am Dienstag „geschockt“ von der Nachricht. „Ich weiß nichts weiter über die Hintergründe. Aber wie bei allen Menschen gilt auch in diesem Fall natürlich die Unschuldsvermutung.“ Sollte sich der Verdacht bestätigen, „wäre das ganz schön harter Tobak“. Und auch wenn sich die Vorwürfe nicht erhärten sollten, müsse über mögliche Konsequenzen wegen Wernets Funktion im Ortsbeirat nachgedacht werden.

Über das weitere Vorgehen will sich Wernets Parteikollege Veljko Vuksanovic mit dem Kreisgeschäftsführer Uwe Becker beraten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im 7er erfuhr morgens von einem Freund, dass gegen den Ortsvorsteher ermittelt werde. „Ich fühle mich bei dem Gedanken wie leer. Ich bin einfach sprachlos“, sagte Vuksanovic. „Christian und ich kennen uns seit vielen Jahren wegen unserer politischen Arbeit. Ich differenziere zwischen Partei und Privatem.“ Wie Sasse will auch Vuksanovic abwarten, was die Ermittlungen ergeben: „Vorerst gilt die Unschuldsvermutung.“

Ihre unerwartete Feuertaufe musste gestern Abend Michaela Will bestehen. Die Sozialdemokratin war erst in der letzten Sitzung vor den Herbstferien vom 7er zur neuen stellvertretenden Ortsvorsteherin gewählt worden. Eine Wahl, die wegen personellen Wechseln in der Grünen-Fraktion notwendig geworden war. Und ausgerechnet an dem Tag, als der Verdacht gegen den langjährigen Ortsvorsteher Wernet bekannt wurde, hatte der Ortsbeirat 7 seine turnusgemäße Sitzung.

Mandat niedergelegt

Michaela Will teilte zu Beginn der Sitzung mit, dass Christian Wernet am Nachmittag vom Amt des Ortsvorstehers zurückgetreten sei und sein Ortsbeiratsmandat niedergelegt habe. „Weiteres gibt es im Moment nicht dazu zu sagen“, sagte Will in der Sitzung, die nach kurzen Erklärungen der CDU- und Grünen-Fraktion in ihre offizielle Tagesordnung eintrat.

„Total schockiert“ zeigte sich auch der grüne Fraktionssprecher im 7er, Marcus Bocklet, der zugleich hessischer Landtagsabgeordneter ist. Der Verdacht verdeutliche, „dass Kinderpornografie und Kindesmissbrauch alle Schichten, Institutionen und Parteien betrifft, auch uns Grüne, wie der aktuelle Fall aus Gießen belegt“. Trotzdem dürfe man, solange kein eindeutiges Ergebnis vorliege, Wernet „nicht vorverurteilen“.

Als Landtagsabgeordneter befasse er sich inhaltlich viel mit Kinderpornografie und Kindesmissbrauch, sagte Bocklet weiter. „Das sind schreckliche Verbrechen. Jede achte Familie ist davon bedroht. Und je näher die Einschläge – wie in diesem Fall – bei einem persönlich sind, umso weniger abstrakt ist es.“

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