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Frankfurt
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04. Januar 2013

Kino Frankfurt: Hochaufgelöst und rausgeputzt

 Von  und 
Der neue Teppichboden des Metropolis: Sieht aus wie Computerlichter aus den Sixties...  Foto: Michael Schick

Große und kleine Kinos landauf landab haben modernisiert und die Vorführtechnik digitalisiert. Für Filmfans aller Art soll es das passende Programm geben. Auch das Metropolis in der Frankfurter Innenstadt ist nun runderneuert wieder mit am Start.

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Während sich dort, wo einst der Eingang des Turmpalasts war, die Trümmer des Abrisses häufen und Obdachlose ihr Lager aufschlagen, steht wenige hundert Meter weiter ein Mann im Zylinder am Fuße der Zeilgalerie und empfängt die Gäste zur Astor Film Lounge. Ein Aufzug bringt die Gäste in Frankfurts erstes Luxus-Kino, das jüngste Lichtspielhaus der Stadt. Ledersessel, Cocktailbar, Bedienung – alles vom Feinsten, gehobener Mainstream, ohne Popcorn. Noch bis April gab es hier das glücklose „Cinemagnum 3D“.

Es tut sich was in Frankfurts Kinolandschaft. Ein Dutzend Häuser gibt es in der Stadt, davon etwa die Hälfte kleine unabhängige Kinos mit Arthouse-Programm. Daneben zeigt auch das Deutsche Filmmuseum ständig Klassiker und Raritäten. Die Digitalisierung hält in den Projektionsräumen immer weiter Einzug, außerdem wird fleißig saniert. Ende 2011 das Cinema am Roßmarkt, Ende 2012 das Cinestar Metropolis am Eschenheimer Tor.

„Nach elf Jahren wurde es Zeit“, sagt Theaterleiter Frank Kasper. Die Arbeiten seien fast abgeschlossen. Für 1,7 Millionen Euro wurden in den zwölf Sälen alle 3555 Sitze ausgetauscht, ebenso der Teppichboden und die Beleuchtung. Foyer und Säle haben einen neuen Anstrich bekommen. Statt Dunkelblau ist nun Rot die bestimmende Farbe. Rot leuchtet der Vorhang in einem der beiden größten Säle, ein dunkelblauer Sternenhimmel sorgt im Zwillingssaal nebenan für Stimmung. An den Popcornständen zeigen Bildschirme nicht nur Preise, sondern auch Trailer.

Hobbit doppelt so schnell

Letztere laufen in den Sälen meist noch analog, das heißt über den klassischen Filmprojektor. Vier Vorführräume sind bereits mit Digitalprojektoren ausgestattet, zwei Projektoren sind mit neuester High-Frame-Rate-Technik (HFR) gerüstet, damit Filme wie „Der Hobbit“ mit 48 statt 24 Bildern pro Sekunde gezeigt werden können. Frank Kasper lobt die Qualität des Bildes. „Wir haben viel positive Rückmeldung bekommen“, sagt er. Der Hobbit in HFR werde besser angenommen als in anderen Versionen, 3D besser als 2D. Die verbleibenden Analog-Säle sollen noch 2013 digital ausgestattet werden. Nur wenige alte Projektoren bleiben für Sonderveranstaltungen wie Retrospektiven und Festivals stehen.

Da immer weniger Besucher ins Kino gehen, lockt das Cinestar mit Events: Abende für Frauen, Männer und – eine Frankfurter Spezialität – sogar für Senioren. Gezeigt werden ausgewählte Filme für die Zielgruppe mit Rahmenprogramm, Begrüßungsgetränk oder Kaffee und Kuchen. Aber auch Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen werden live übertragen. „Die Gäste fordern mehr Service“, sagt Kasper. „In Frankfurt ist das Publikum anspruchsvoll.“

Verluste und Imageschaden

Der Umbau habe den Spielbetrieb nicht beeinträchtigt, so Kasper, ebenso wenig die Streiks der Belegschaft ab April 2012. Mitarbeiter vom Cinestar Metropolis und der Filiale in der Mainzer Landstraße haben für höhere Löhne demonstriert – mit Erfolg. Ab 1. Januar gilt für Cinestar erstmals ein Entgelt- und ein Manteltarifvertrag. Statt 6,80 Euro bekommen Servicekräfte nun 8,50 bis 9,15 Euro in der Stunde.

Das war nicht das einzige Problem der Kinofirma im vergangenen Jahr: Im Februar und März musste das Metropolis wegen Mängeln beim Brandschutz für 19 Tage schließen. Die Stadt sprach von „Gefahr für Leib und Leben“. Abgesehen von den wirtschaftlichen Verlusten habe man auch einen Imageschaden erlitten, sagt der Theaterleiter. Für einige Vorstellungen brachte man die Gäste mit Bussen in die Mainzer Landstraße. Erst vor einigen Wochen wurde Kino 4 wiedereröffnet, wegen Unterdrucks hatte sich die Saaltür nur schwer öffnen lassen.

Nicht weit vom größten Kino Hessens entfernt freut sich ein kleines Lichtspielhaus über das erfolgreichste Jahr seines Bestehens: Das „Mal Seh’n“, seit 1984 an der Adlerflychtstraße im Nordend fast versteckt liegend in einem stillen Wohnquartier. „2012 hat uns einen Besucherrekord gebracht“, bilanziert Programmleiter Gunter Deller. Mehr als 30.000 Menschen strömten in den einzigen kleinen Kinosaal – und tranken vorher oder hinterher noch einen Kaffee oder ein Glas Wein im „Café Filmriss“.

Digitale Zukunft

Auch das „Mal Seh’n“ stellte 2012 auf digitale Technik um – und überstand diesen Wandel sehr gut. Deller rechnet vor: 70.000 Euro Gesamtkosten, davon ein Eigenanteil von 18.000 Euro, der Rest Fördermittel von Bund und Land. Lange ist gerungen worden darum, dass sich auch die Verleihfirmen an den Kosten der Digitalisierung deutschlandweit beteiligen – das haben sie jetzt zugesagt. Und so hofft das „Mal Seh’n“ darauf, 2013 noch 13.000 Euro aus dieser Quelle zurückzubekommen.

Gerade erst 2012 ist das kleine Haus mit dem Hessischen Kinopreis für Programmkinos ausgezeichnet worden. „Ich sehe keinen Grund zur Klage“, sagt Deller. Von weit her, bis aus Mannheim, reisten die Besucher an, um die ganz besonderen Filme zu sehen, die fast nur das „Mal Seh’n“ zeigt. Zuletzt etwa die Dokumentation „The Artist Is Present“ über die Künstlerin Marina Abramovic.

„Wir machen keine Zugeständnisse an den Kommerz und versuchen nicht, Trends hinterherzulaufen“, so der Programmleiter. Dieses Konzept klingt auch für das Kinojahr 2013 erfolgversprechend.

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