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Kita in Frankfurt: Kein Platz für Kinder

Nicht jedes Kind kommt in den Genuss eines Betreuungsplatzes. Davon gibt es in Frankfurt einfach viel zu wenig.
Nicht jedes Kind kommt in den Genuss eines Betreuungsplatzes. Davon gibt es in Frankfurt einfach viel zu wenig.
Foto: dpa

Zum 01. August 2013 besteht ein Rechtanspruch auf Betreuungsplätze für alle Kinder unter drei Jahren. Doch die Stadt ist noch Meilen weit von ihrem Ziel entfernt. Statt mit dem Bau anzufangen, streiten alle Beteiligten darüber, welche Standorte infrage kommen.

Schon der erste Tagesordnungspunkt birgt Zündstoff. Zwei Stunden lang diskutiert der Ortsbeirat 7 (Hausen, Industriehof, Praunheim, Rödelheim, Westhausen) am Dienstagabend über den geplanten Neubau einer Kinderkrippe an der Ecke Rödelheimer Landstraße/Breitenbachstraße. Vertreter vom Stadtschulamt und vom Hochbauamt stellen die Pläne vor und stoßen sofort auf Kritik aus dem Stadtteilparlament und aus dem Plenum.

Kitas in Frankfurt

Bis zum Jahr 2013 will die Stadt 5400 Plätze für Kinder unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege schaffen. Damit soll ein Versorgungsgrad von 45 Prozent erreicht werden. Um den Rechtsanspruch zu erfüllen, sind 50 Prozent nötig.
Außerdem will die Stadt 3300 Kindergarten- und 620 Hortplätze schaffen und damit den Bedarf decken. Auch das Angebot der erweiterten schulischen Betreuung soll um 2700 Plätze ausgebaut werden.
14 Krippenneubauten sind bis 2013 geplant. Sie sollen über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden, da noch in vielen Stadtteilen Bedarf besteht. Allerdings werden manche voraussichtlich erst 2014 oder 2015 fertiggestellt.
Die Investitionskosten der Stadt für Kindertagesstätten steigen: Im Jahr 2009 wurden noch 31,5 Millionen Euro investiert, 2010 waren es 52,7 und 2011 stieg die Summe auf 59,2 Millionen. In diesem Jahr will die Stadt 74,3 Millionen Euro in den Kita-Ausbau investieren, im kommenden Jahr noch einmal 46,3 Millionen Euro.

Die Fraktionen sind sich einig: Man begrüße den Ausbau an Krippenplätzen, aber man sei weder mit dem Standort noch mit dem Verfahren einverstanden, wie die Entscheidung für diesen gefallen sei – nämlich ohne den Ortsbeirat einzubinden. „Sie haben das Pferd von hinten aufgezäumt“, sagt Ortsvorsteher Christian Wernet (CDU) und spricht von einem „ungewöhnlichen Verfahren“. Stadtteilpolitiker und Bürger kritisieren Probleme mit dem Verkehr und mit dem Umweltschutz. Christa Tzanov-Heil vom Stadtschulamt sagt, es sei schwierig gewesen, eine geeignete Fläche für die Krippe zu finden, und man habe mehrere Optionen geprüft.

5400 neue Plätze werden benötigt

Der Konflikt um diese Kita steht stellvertretend für das Gesamtproblem der Stadt. Da zum 1. August 2013 ein Rechtsanspruch auf Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren besteht, muss die Stadt Plätze schaffen. Um einen Versorgungsgrad von 50 Prozent zu erreichen, müssen noch 5400 neue Plätze entstehen. Mittlerweile schätzt die Stadt diesen Anspruch als unrealistisch ein. Bis 2013 würden, einem Magistratsbericht zufolge, erst 45 Prozent versorgt sein.

Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, die passenden Standorte zu finden – keine einfache Angelegenheit in Frankfurt. Die Stadt fährt hierbei dreigleisig: Im Rahmen des Frankfurter Sofortprogramms Kinderbetreuung werden Räume wie Ladenlokale, Büros und Wohnungen gemietet oder bestehende Einrichtungen freier Träger erweitert. Bis 2015 sollen so 3050 Plätze gewonnen werden. Eine weitere Maßnahme besteht in der Erweiterung städtischer Kitas.

Kitas-Not in Frankfurt
Notlösung für Bergen-Enkheim gesucht (Teil 1)

Bis zum Frühjahr 2013 müssen Bergen-Enkheimer Eltern die Zeit überbrücken. Dann sollen zwei neue Kitas mit Hortplätzen fertig werden: in der Bessemerstraße und im Florianweg. Das sind rund eineinhalb Jahre, die manches Elternteil den Job kosten können, wie Mütter und Väter sich in einer Ortsbeiratssitzung vor wenigen Monaten beklagten.

„Im Sommer 2012 fehlen voraussichtlich 80 Betreuungsplätze für Schulkinder“, sagte die Kinderbeauftragte des Stadtteils, Alexandra Weizel, vorgestern in der jüngsten Ortsbeiratssitzung. Darum traf sich vor wenigen Tagen die Gruppe Hortplätze zum ersten Mal, um nach unkonventionellen Lösungen für eine Übergangsbetreuung zu suchen. Dabei waren die Ortsvorsteherin, Vertreter des Stadtschulamts, die Kinderbeauftragte Bergen-Enkheims und viele verzweifelte Eltern.

280 Plätze werden so bis 2013 geschaffen. Schließlich sollen durch Neubauten 1400 Plätze entstehen. Insgesamt sind in den kommenden zwei Jahren 14 Krippenneubauten mit jeweils 50 bis 60 Plätzen geplant. Noch ist offen, wo genau diese erbaut werden sollen.

Schwierige Standortsuche

„Wir tun, was wir können“, sagt Martin Müller-Bialon, Sprecher des Bildungsdezernats. „Die Stadt ist dicht besiedelt und die Flächen sind überschaubar.“ Das Liegenschaftsamt kümmere sich um die Suche nach potenziellen Standorten. „Wir nehmen alles, was wir kriegen können“, so Müller-Bialon.

Nicht nur die Suche nach Standorten ist schwierig: Die Kinderzahlen in Frankfurt steigen, es gibt einen Fachkräftemangel, und auch nicht alle geplanten Erweiterungen lassen sich realisieren. „Alles, was möglich ist, wird gemacht“, sagt Müller-Bialon. „Bei einem solchen Mammutprogramm ist das eine große Herausforderung und schwere Aufgabe.“

Optimale Plätze gibt es kaum

Die Stadt lässt sich das einiges kosten: Im Jahr 2009 betrugen die Betriebskosten 257 Millionen Euro, 2013 sollen es 360 Millionen sein. Zwar sollte sich das Land zu einem Drittel daran beteiligen, doch liege die Förderung derzeit bei etwa zehn Prozent. Der Bund beteiligt sich an den Investitionen, je nach Gebäude mit 20 bis über 50 Prozent – allerdings nur bis zum Jahr 2013. Nicht zuletzt auch deshalb ist beim Ausbau Eile geboten. „Der größte Teil des Ausbaus folgt jetzt“, so der Sprecher.

Müller-Bialon räumt ein, der umstrittene Standort an der Rödelheimer Landstraße sei nicht optimal; es hätte auch Bedenken im Stadtschulamt gegeben. „Aber wenn wir nur nach optimalen Orten suchen, finden wir gar keine.“ Trotzdem wolle man den Standort nicht gegen den Widerstand des Ortsbeirats durchzusetzen.

Autor:  Lukas Gedziorowski
Datum:  19 | 1 | 2012
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