Jedes Kind, gleich welcher Herkunft und Bildung, soll seinen Platz in der Gesellschaft finden. Wie schwer und aufwendig es ist, dieses Credo auch nur ansatzweise umzusetzen, das sich die Stadt und alle Bildungsinstitutionen im Land auf die Fahnen geschrieben haben, führt die „Frankfurter Vision“ für benachteiligte Schüler nur allzu deutlich vor Augen. Ein durchaus ambitioniertes, lobenswertes Projekt, entstanden aus der Eigeninitiative der Bürgermeister-Grimm-Förderschule, deren Lehrkräfte die Chancenlosigkeit der Chancenlosen nicht länger hinnehmen wollen.
Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack angesichts des Kraftakts an Geld und Manpower von acht Partnern, den es braucht, um im Nachhinein Jugendliche wieder einzugliedern, die das deutsche Schulsystem konsequent aussortiert hat.
Und dies oft genug ohne Not: Nicht selten landen Kinder nur deshalb auf der Förderschule, weil sie nicht gut genug Deutsch sprechen. Oder weil ihre Verhaltensauffälligkeiten den Unterrichtsablauf in der Regelschule stören. Oder weil sie Lernschwierigkeiten haben, die sich mit entsprechender Förderung durchaus beheben ließen.
Förderschulen gelingt dies auch, das Engagement der Lehrer und Sonderpädagogen ist nicht hoch genug zu würdigen. Und doch bleibt die Förderschule de facto für Kinder eine Sackgasse. Programmierte Perspektivlosigkeit und Hartz IV-Karriere, aus der es in der Regel kein Entrinnen gibt. Das belegen allein die jährliche Quoten der Rückschulungen, die in der Stadt fast jedes Jahr deutlich unter der Drei-Prozent-Grenze liegen. Frühe Förderung statt mühselige Reparaturversuche im Nachhinein, gemeinsam lernen lassen und individuell fördern statt aussortieren und ausgrenzen: Mit dem Bekenntnis zur UN-Behindertenkonvention, könnte endlich gelingen, was in den vergangenen Jahrzehnten an parteiideologischen Grabenkämpfen stets gescheitert ist: gemeinsamer Unterricht für alle und gleiche Bildungschancen für alle.
Mit der vielzitierten Inklusion und dem Bewusstsein für frühkindliche Förderung steht das deutsche Schulsystem vor dem Paradigmenwechsel. Noch ist offen wie er vonstatten gehen soll. Erst für den Herbst hat das Land Ausführungsbestimmungen für inklusive Schulen angekündigt. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen, mit und ohne Lerndefiziten oder Verhaltensauffälligkeiten ist nicht im Sparprogramm umzusetzen. Auch wenn frühe Förderung letztlich nicht ganz so teuer kommt wie Integrationsprogramme im Nachhinein, das Land muss – anders als beim Ausbau der Ganztagsschulen – klotzen und Schulen mit ausreichend Mitteln und Manpower unterstützen. Nur so kann der Qualitätssprung gelingen.

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