Die schwarz gestrichene Eingangstür mit der Nummer 136 ist einladend offen und kaum hat man das Haus betreten, steht man schon vor einer der berühmten Frankfurter Küchen. Das Haus an der Straße Im Burgfeld in der Römerstadt gehört zu einer der größten Siedlungen von Ernst May. Eben diesem großen Stadtplaner der Weimarer Republik ist es auch gewidmet.
Bereits im März 2005 gelang es der Ernst-May-Gesellschaft, dieses Reihenhaus von 1928 zu mieten, obwohl sich der heutige Eigentümer, die Wohnbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding, erst dagegen sträubte. „Unser Vorhaben wurde zunächst argwöhnisch betrachtet, auch weil man befürchtete, dass die strengen Regeln auf die gesamte Siedlung übertragen werden sollten“, sagt Architekturhistoriker Wolfgang Pehnt und schmunzelt.
Denn das ehrgeizige Projekt der Gesellschaft war es, das Haus so weit als möglich in seinen ursprünglichen Zustand zurückzubauen. Es sollte ein Modellhaus werden, das Mays Werk für die Nachwelt beispielhaft erhält und präsentiert. In der Vergangenheit seien häufig Architekten, Studenten und Professoren durch die Siedlung geeirrt und hätten zumeist nur verschlossene Türen und dem jeweiligen Zeitgeschmackl angepasste Häuser vorgefunden, berichtet Christoph Mohr, Landeskonservator vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen.
Doch dies alles ist nun fünf Jahre und rund 280.000 Euro her; heute haben die 88 Quadratmeter Wohnfläche ihren alten Charme zurückbekommen. Während dieses Prozesses gab es selbst für die Restauratoren einige Überraschungen. Zum Beispiel ist das Haus für einen sozialen Wohnungsbau ausgesprochen bunt gestrichen.
Das Treppenhaus leuchtet in frischem Zitronengelb, die darin eingelassene Tür ist lachsfarben. Im Esszimmer steht ein orangefarbener Schrank, die Fensterrahmen sind kobaltblau gestrichen und die Farbe der Frankfurter Küche nennt sich Brilliantblau, auch wenn sie auf Laien eher bloß blau-grün wirkt.
Als sozialer Wohnungsbau waren die Siedlungen ursprünglich konzipiert, denn in Frankfurt herrschte zu Mays Zeit, wie überall in Deutschland, Wohnungsnot. Junge Männer kehrten aus dem Krieg nach Hause zurück, heirateten, hatten Kinder – aber keinen Platz. Deshalb rief Ernst May gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Ludwig Landmann das „Neue Frankfurt“ aus.
Man wollte „weg vom Salon, der nur sonntags benutzt wird“, und hin zu neuen, kompakten, aber komfortablen Wohnräumen. Bestes Beispiel dafür ist die Frankfurter Küche der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky, die May in allen Siedlungen einbauen ließ. Mit vielen Arbeitsflächen, Hängeschränken und dem ausklappbaren Bügelbrett ist sie platzsparend und durch den Elektroherd gleichzeitig hochmodern.
Einbaumöbel waren in Deutschland zu jener Zeit generell ein Novum – May war vermutlich in den USA auf das prinzip gestoßen. Auch ein Bad mit fließendem, noch dazu warmem Wasser konnten sich zu dieser Zeit eigentlich nur reiche Familien leisten und im ganzen Haus gabe es auch noch eine Zentralheizung.
Der Garten wurde von Auszubildenden des Grünflächenamts wieder ganz in Mays Sinne hergerichtet. Denn er war ursprünglich als Nutzgarten gedacht – voller Obst und Gemüse, um sich zur Not selbst versorgen zu können und mit einer kleinen Rasenfläche zum Wäschebleichen.
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