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Konterprogramm: Frankfurt hat mehr zu bieten

Klar, das Museumsuferfest 2010 ist das größte und bekannteste Event - doch bei weitem nicht das einzige, das Besucher an diesem Wochenende in Frankfurt locken kann.

Die Frankfurter Rundschau stellt Besuchsziele fernab des Trubels des Museumsuferfestes vor.

Gerbermühle / Ich-Denkmal

Kleinmarkthalle
EZB
Senckenberg Naturmuseum
Domturm

Folgende Geschichte hat sich genauso zugetragen, wie hier niedergeschrieben: Vor Jahr und Tag kaufte die Frau in einem kleinen Laden in Nizza einen Kaventsmann von marokkanischer Minze. Marokkanische Minze, sagte die Frau, bekomme man in Deutschland nicht, gemeine Minze ja, aber keine marokkanische Minze, nirgends. Doch allein die marokkanische sei gebenedeit unter den Minzen. Sie müsse diese Minze haben oder vor Kummer vergehen. Der Einwand des Mannes, die Frau habe gut reden, sie flöge ja mit dem unmündigen Knaben bequem nach Frankfurt, während er, der Mann, das Unkraut im ohnehin schon zum Bersten bepackten Kleinwagen um die halbe Welt chauffieren müsse, wurde von der Frau zur Kenntnis genommen. So also fuhr der Mann mit der Stinkeminze als Sozius von Nizza nach Frankfurt, musste den eidgenössischen Zöllnern zweimal versichern, dass sein Beikraut a.) kein Hanf sei und b.) auch keinen Hanfgeruch übertünchen solle, überlebte auf dem Gotthard kurzbehost einen Schneesturm, stak in Staus und stockendem Verkehr, verfluchte sein Leben, stets umwölkt vom Duft der Minze, die er seitdem als Blume des Bösen erachtet. Der Geruch steckt heute noch in allen Autoritzen und kann selbst durch Kinderkotze nicht bezwungen werden. Zwei Tage nach seiner Rückkehr bummelte der Mann durch Frankfurts Kleinmarkthalle und sah an einem Stand ganz nahe dem Eingang ein herrliches Spalier tausend marokkanischer Minzen. Das Stück für zwei Euro. Die marokkanische Minze südfranzösischen Migrationshintergrunds aber ward eine Woche darauf ein Fraß der Blattlaus. Das war auch schon die Geschichte. Eine Moral hat sie nicht. Wenn Ihrer Frau aber der Sinn nach marokkanischer Minze stehen sollte, dann gehen Sie lieber gleich in die

Die Revision der Moderne zwecks Inszenierung des Dekonstruktivistischen könnte man das nennen, was sich gegenwärtig im Ostend abspielt, nicht mehr als einen Kilometer vom Museumsufer entfernt. Wenn man sich auch dem Rest der Moderne wegen des Baustellenbetriebs nicht wirklich nähern kann, sollte man nicht versäumen, das Projekt wahlweise vom Mainufer oder aber von der Sonnemannstraße aus zu begutachten – den Neubau der Europäischen Zentralbank, von dem selbst über erste Fundamente aus Betonplatten hinaus noch nicht viel zu sehen ist, dessen Dimensionierung sich allerdings erschließt mit der Lücke, die Bagger in die alte Großmarkthalle, diesem Sinnbild der Moderne, geschlagen haben, um den Währungshütern künftig ein Entree möglich zu machen. ing

Neubau Europäische Zentralbank, Sonnemannstraße

Argentinien ist das Gastland der Buchmesse – und Schwerpunktthema des Museumsuferfestes, mit Tango am nördlichen Mainufer an der Untermainbrücke und Kindertrickfilm-Werkstatt zum Thema Argentinien. Wer sich schon mal aufs Museumsuferfest-Thema einstimmen will, oder auch aufs Buchmesse-Gastland, kann das auch mit Hilfe des Senckenberg Naturmuseums tun, in der aktuellen Ausstellung „GigaSaurier – Die Riesen Argentiniens“. Zu sehen sind sie im Ausstellungszelt am Güterplatz und sind eine Kunst für sich. Sie geben Einblicke in die Zeit des Erdmittelalters, also von den ersten Formen der argentinischen Saurier, die vor rund 240 Millionen Jahren auftauchten, bis zu ihrem Aussterben vor ungefähr 65 Millionen Jahren. Argentinien hat eine lange Tradition in der paläontologischen Forschung, wie Edgardo Romero sagt, der Direktor des Museo Argentino de Ciencias Naturales. „Sie reicht von der Kolonialzeit bis zum 18. und 19. Jahrhundert, als mit Florentino Ameghino ein erster Höhepunkt erreicht wurde.“ Der aus Halle stammende German Burmeister, der von 1862 bis 1892 Direktor des Museums in Buenos Aires war, kann laut Romero zu den bedeutendsten Paläontologen Argentiniens gezählt werden. Auch das sind Museumsgeschichten. Mehr über die gigantischen und hierzulande noch wenig bekannten Saurier Argentiniens lernt man in der Ausstellung und online unter www.gigasaurier.senckenberg.de  ave

Die Mühe lohnt sich. Schließlich erschließt sich nicht allein die Wucht des Museumsuferfestes vom Domturm aus in unmittelbarer Nachbarschaft plötzlich ganz anders. Von da oben aus bietet sich auch das gesamte Panorama der Stadt an. Lange Jahre blieb das 66 Meter hohe Bauwerk, Annex des Kaiserdoms, gesperrt, weil man Steinschläge fürchten musste. Seit einer Woche, pünktlich zum Ehrentag des Dom-Heiligen Bartholomäus, aber lässt sich der zwischen 1415 und 1514 entstandene Turm nach seiner Sanierung wieder besteigen. Zunächst bis zur Zwischenebene in 40 Meter Höhe, wo sich ein bisschen Pause anbietet, bevor man sich dann die nächsten 200 Stufen vornimmt, um den Rundgang mit Komplett-Panorama um den Domturm zu genießen. Der Domturm ist zwischen 8.30 Uhr und 13.30 Uhr und zwischen 14.30 Uhr und 18 Uhr täglich geöffnet. Erwachsene zahlen drei Euro Eintritt, Kinder 1,50 Euro. Die Familienkarte kostet fünf Euro. ing

Achtung, Sie betreten hochliterarisches Gebiet. Vielleicht auch hocherotisches, obwohl: vielleicht auch nicht. „Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge / Durch die Gärten und Felder zerschlägt, / Wie der Fluß in Breit und Länge / So manchen lustigen Nachen bewegt“. Sagt einer, der es wissen muss, nämlich kein geringerer als Dichterfürst Goethe. Und es halten sich hartnäckig Behauptungen, Goethe habe mit seinem Osterspaziergang im Faust das Mainufer beschrieben, auf seinem Weg zur Gerbermühle, um mit Marianne von Willemer, die dorten wohnte, zu… na ja, was Goethe eben so trieb. Weiß man nicht, munkelt man nur. Aber von Goethe wird in Frankfurt sowieso viel behauptet, wenn der Tag lang ist. Dass der Osterspaziergang am Main etwa eine verkappte Wegbeschreibung zur Gerbermühle sein soll, ist nicht verbürgt. Und Marianne von Willemer war ja auch 35 Jahre jünger als der damals 65-jährige Goethe, und zudem das Eheweib eines guten Goethe-Freundes, da wird der Goethe doch nicht… Nein, nicht unser Goethe! Dass die beiden sich in Gedichten wechselseitig anbeteten und -schmachteten, das kann man auch platonisch lesen. Jedenfalls war Goethe der Allergrößte. Wer das noch nicht begriffen hat, dem ist nicht mehr zu helfen. Und Mariannes Gatten, dem Bankier Johann Jakob von Willemer, möchte man postum zurufen: „Wenn schon Hörner aufgesetzt bekommen, dann wenigstens vom Fürst der Dichterfürsten.“ Obwohl da ja wahrscheinlich gar nichts war. Doch heute ist die Gerbermühle allemal für ein Bratkartoffelverhältnis gut. Die Küche des mittlerweile als Restaurant und Hotel geführten Hauses ist von großbürgerlicher Qualität, die Preise bewegen sich auf Geheimratsniveau. Goethe hätte das gefallen. Es gibt dort eine Gedenktafel. „Die Mühle ruht, das Rad schlief ein, / Sein Name nur geht in dem Haus. / Der jede Stätte ewigte, / Die er betrat: So wardst du sein.“ steht da drauf. Gemeint ist wohl Goethe, denn sowas Schönes sagt man eher zum größten Versschmied aller Zeiten denn zum gemeinen Gerber. Ganz in der Nähe der Gerbermühle steht auch das Traxler-Denkmal. Das ist ein Sockel, auf dem in goldenen Lettern „ICH“ prangt. Ist nicht so alt wie Goethe, aber auch gut. Man kann sich da draufstellen und fotografieren lassen und auch mal der Allergrößte sein. Damals war das Goethe. Aber Sie können das auch! Gerbermühle und Traxler-Denkmal erreicht man, wenn man an der Sachsenhäuser Seite (die mit den Museen, nicht die mit den Hochhäusern) flußaufwärts geht. Wenn man in Offenbach landet, ist man zu weit. Aber da soll Goethe auch was am Laufen gehabt haben. Was für ein Teufelskerl! Wenn’s denn stimmt. skb

Datum:  27 | 8 | 2010
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