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Alter Campus, neuer Campus: Kreative Quellen bündeln

Oberbürgermeisterin Roth will beim Kultur-Campus in Bockenheim Tempo machen. Andere Stadtpolitiker überschlagen sich in Visionen einer Zeitenwende und neuen Aufbruchs.

Alter Campus in Frankfurt
Alter Campus in Frankfurt
Foto: dpa

Bis zum Jahresende soll es einen Bebauungsplan für den Kultur-Campus Bockenheim geben. Dieses Versprechen hat Oberbürgermeisterin Petra Roth am Donnerstagabend im Stadtparlament gegeben. Damit machte die CDU-Politikerin deutlich, bei dem Projekt Tempo machen zu wollen. Schließlich biete sich dort die Möglichkeit, „verschiedene Kulturinstitutionen an einem Ort zu konzentrieren und somit ein neues Zentrum der städtischen Kulturgesellschaft zu schaffen“.

Petra Roth skizzierte in ihrer Grundsatzrede zur Entwicklung des westlichen Stadtteils den Wandel, den das einst auch als Industriestandort genutzte Gebiet genommen habe. Im 20. Jahrhundert sei das Quartier vor allem von der Universität geprägt gewesen. Daher könne sie auch gut verstehen, dass Bewohner dem geplanten Umzug der Universität ins Westend und auf den Riedberg durchaus misstrauisch begegnet seien. Das Beispiel Stuttgart mache deutlich, dass dort zwar auf demokratischem Wege Beschlüsse gefasst worden seien, diese aber nach langer Verfahrenszeit den Bürgern nicht mehr zu vermitteln seien. Deswegen sei es gut, die Bockenheimer in den Dialog genommen zu haben. Mit dem Ergebnis, dass die Politik die ursprünglich vorgesehene Dimensionierung der am Standort Bockenheim zu bauenden Büroflächen zugunsten des Wohnungsbaus verringert habe. Wohnen und Gewerbe würden künftig in einer anderen Beziehung zueinander stehen, betonte Roth.

Mit dem Umzug der Musikhochschule von der Eschersheimer Landstraße auf den Kultur-Campus und der Ansiedlung von Kulturinstitutionen wie dem Ensemble Modern stehe man vor dem Aufbruch in einer neue Zeit. Dort wolle man perspektivisch „kreative Quellen der Stadt bündeln“, sagte das Stadtoberhaupt.

Mit diesem Projekt könnte es nach Ansicht von Kulturdezernent Felix Semmelroth gelingen, dass Frankfurt wieder an Zeithorizonte anknüpfe, die sich 1924 mit der Gründung des Instituts für Sozialforschung aufgetan hätten. Dieses „Zentrum des künstlerischen Nachwuchses“ biete die Aussicht auf „etwas, das weit über die Grenzen Frankfurts hinausweist“, weil die Bündelung von Musik, Tanz und Schauspiel eine ganz eigene Dynamik entwickeln werde. Mit „diesem ganz Neuen“ ließe sich an die Avantgarde des 20. Jahrhunderts anknüpfen, betonte Semmelroth.

Lob für Bürgerbeteiligung

Während sich im Stadtparlament grundsätzlich keine Kritik an dem Vorhaben in Bockenheim entzündete, verlangten Sozialdemokraten und Grüne doch Anforderungen an ein konkreteres Profil des Projekts. Die SPD legte ein Konzept für die Gestaltung des Campus vor, das vor allem große Grünflächen zur Bockenheimer Landstraße hin vorsieht. „Jetzt kommt es darauf an, was wir daraus machen“, sagte der Stadtverordnete Günter Dürr.

Der Grüne Ulrich Baier lobte die Stadtregierung und den Planungsdezernenten Edwin Schwarz dafür, die Bockenheimer in das Projekt eingebunden zu haben. Schließlich hätten Bürger in den Jahren der Debatte eine Reihe von guten Ideen entwickelt. „Überaus wünschenswert“ fände er es, wenn sich die Mischung der gegenwärtigen Bevölkerung auch in dem künftigen Wohnungsbau fortschreiben lasse. Deswegen müsse die Kommune einspringen, um den Wohnungsbau entsprechend zu fördern.

Baier erinnerte in diesem Zusammenhang an Überlegungen des Frankfurter Architekten DW Dreysse, das Philosophicum an der Gräfstraße nicht abreißen zu lassen, sondern zu sanieren und umzubauen. Auf jeden Fall aber sollten die Bauten dieses Ensembles erhalten bleiben. Über einen Konzertsaal des 21. Jahrhunderts müsse man unbedingt noch einmal nachdenken. Ebenso wie Dürr trete er, Baier, dafür ein, Grünflächen zu schaffen und „einen größtmöglichen Park in der Nachbarschaft“ einzurichten.

Autor:  Matthias Arning
Datum:  3 | 9 | 2010
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