Das Australische Süßwasserkrokodil hat Glück, dass es dem Menschen offenbar nicht gefällt. Zumindest seine Haut nicht – als Schuh, Gürtel oder Handtasche. Deshalb wird es nicht bejagt. Aber jetzt wird es ganz komisch: Würde diese Tierart interessant sein für die Lederindustrie, würde sie vermutlich viel besser geschützt – damit die Quelle nicht versiegt. Das erklärt Volker Kern vom Deutschen Reptilleder-Verband aus Offenbach, die Krokodile schauen ihm dabei zu.
Der IRV hat dem Zoo am Mittwoch ein Infrarot-Überwachungssystem geschenkt, mit dem das nächtliche Verhalten der Australischen Süßwasserkrokodile aufgezeichnet und ausgewertet werden kann. „Darüber gibt es bisher quasi überhaupt keine Literatur“, sagt der Leiter des Exotariums und stellvertretende Zoodirektor Rudolf Wicker. Reptillederverband und Artenschutz-Zoo, eine pikante Verbindung fürwahr – die es in der sehr anthropozentristischen Welt auszuhalten gilt.
Die Kooperation zwischen IRV und Zoo besteht schon seit drei Jahren und soll auch weiterbestehen, erklärt Geschäftsführer Manfred Junkert. Unterstützt wird unter anderem die artgerechte Haltung, Pflege und die Brutstätten der Australischen Süßwasserkrokodile. „Wir sind der einzige Zoo außerhalb Australiens, der diese Tiere züchtet“, erklärt Wicker. In den 90er Jahren kamen sie als Geschenk der australischen Naturschutzbehörden nach Frankfurt, 1992 legten sie die ersten Eier, seitdem züchtet der Zoo.
Biologen wollen alles wissen
„Krokodile sind nachtaktiv, sonnen sich tagsüber vielleicht mal oder reißen sich in der Serengeti ein Gnu, aber was sie nachts machen, weiß man nicht“, sagt der Biologe. „Und alles, was wir Biologen nicht wissen, ist für uns eine Unverschämtheit.“ Und wieder diese pikante Verkettung: Weil manche Menschen Krokodillederhandtaschen zum Leben brauchen, gibt es die Reptillederindustrie, die verdient durch die Reptilien genug Geld, um sich damit wiederum im Artenschutz, in diesem Fall im Frankfurter Zoo, zu engagieren. Außerirdische würden uns vermutlich einen kosmischen Vogel zeigen, aber wir hier unten leben mit dem Wahnsinn ja schon einige Jahrzehnte. Auch mit der Unwissenheit über das nächtliche Leben der Australischen Süßwasserkrokodile – was sich ja nun immerhin ändern wird.
„Wir wollen aber nicht nur unsere Neugier befriedigen, sondern mit den Ergebnissen auch unsere Forschung ausbauen“, kündigt Wicker an, „auch mit Biologen, die hier ihren Bachelor und Master machen können.“ Was sicher interessant für die Studenten ist, weil es über die nächtlichen Aktivitäten der Krokodile ja offenbar noch keine gesicherten Erkenntnisse gibt.
Dann kommen endlich die Tiere zu Wort, irgendwie jedenfalls. Wicker nimmt eines der beiden Jungtiere, die vor zwei Jahren schlüpften, in die Hand. Das etwa spaghettilange Tierchen reißt das kleine Maul auf und präsentiert zig Mini-Hauerzähne. Wir sind beeindruckt. Warum macht der Lütte das? „Ach, der weiß halt nicht, was auf ihn zukommt.“ Wir sagen es ihm: Big Brother will watching you.

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