Ich will nicht sterben“, „Keine Macht der Gema“, „Musik ist frei“, „Gema feiern statt Gema zahlen“ – die Plakate auf der Kulturtanzdemo, mit der Diskothekenbetreiber aus dem Rhein-Main-Gebiet am Donnerstagabend in der Innenstadt gegen die geplante Erhöhung der Gema-Tarife demonstrieren, waren eindeutig.
Zwischen 3000 und 5000 Menschen tanzten am Donnerstagabend, 6. September, in der Frankfurter Innenstadt gegen die zum 1. April 2013 von der Gema verfügten Tariferhöhungen für das öffentliche Abspielen gebührenpflichtiger Musik. Die Organisatoren aus der Clubszene des Rhein-Main-Gebietes riefen die Teilnehmer auf, ihren Protest nicht abflauen zu lassen. Man habe Sympathiebekundungen aus der Politik erhalten, aber das reiche nicht. Ein richtiger Massenprotest müsse her. Die "Kulturtanzdemo" war Teil eines bundesweiten Anti-Gema-Aktionstages, an dem auch Berlin, Dortmund, Dresden, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart teilnahmen.
Foto: Sascha RhekerDie Demonstration in Frankfurt war Teil eines bundesweiten Aktionstages in Berlin, Dortmund, Dresden, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart gegen die zum 1. April 2013 anfallende Tariferhöhung der Rechteverwertungsgesellschaft. Sie verlangt künftig statt 1,6 zehn Prozent des Eintrittsgelds und macht außerdem die Größe des Clubs und die Dauer der Veranstaltung zur Berechnungsgrundlage. Die Clubs befürchten, künftig das Zwanzigfache ihrer bisherigen Gebühren zahlen zu müssen.
„Wir haben schon Reaktionen aus der Politik bekommen, aber wir brauchen mehr als Sympathiebekundungen,“ rief Klaus Bossert, Vorstand des Vereins Clubs am Main, der die Veranstaltung organisiert hat, um kurz nach 18 Uhr auf der Hauptwache ins Mikrofon. Julian Smith, Inhaber des Clubs Travolta, bedankte sich, „dass ihr so zahlreich gekommen seid“ – während die Polizei von 3000 bis 4000 Teilnehmern ausging, zählten die Veranstalter mehr als 5000. „Die Reform ist eine Schweinerei“, sagte Smith.
Batschkapp-Inhaber Ralf Scheffler verwies darauf, dass Joseph Goebbels den Vorgänger der Gema, die Stagma, monopolisiert habe und kritisierte, die Gema verhalte sich wie eine Behörde mit unbegrenzter Machtbefugnis. Dr. Motte aus Berlin rief auf, die Online-Gegen-Petition zu unterstützen.
Und bevor es auf zwölf Wagen über Rossmarkt, Hirschgraben, Berliner und Kurt-Schuhmacher-Straße bis zur Alten Brücke ging, wurde die Software DJ Monitoring gepriesen, die Lieder sofort erkenne und gerechter sei als die Berechnungen der Gema, die am Monitoring kein Interesse zeige. „Musik war bisher das einzige, das kostenlos ist und trotzdem Spaß macht“, sagten Miriam und Cora aus dem Taunus, die in trauter Einheit mit anderen jungen Leuten unter Konfettiregen tanzten.
In ungewohnter Einigkeit setzten sich am Donnerstag auch die Fraktionen des hessischen Landtages und Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) für eine Rücknahme der Reform ein. Rentsch sagte, die Erhöhung sei für viele Veranstalter existenzbedrohend. Dabei gehe es nicht nur um Clubs und Gastronomiebetriebe, sondern auch um Vereinsfeste. Rentsch kündigte an, am 24. September in Berlin mit dem Gema-Chef zu sprechen. Auch aus allen fünf Landtagsfraktionen kam Kritik an den neuen Tarifen. Unter anderem rügten die Redner, dass die Gema Rechteinhaber begünstige, die bereits bekannt seien und ohnehin viel verdienten.
Die Demonstranten feierten weiter, sie "protesttanzten" entlang des Schaumainkais über die Untermainbrücke und die Neue Mainzer Straße zurück zum Roßmarkt.
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